Der letzte Marsch: Wehrbereichsmusikkorps droht die Auflösung

Ein Aufschrei geht durch die Reihen der Erfurter Militärmusiker. Sie wollen nicht glauben, was sie gerade erfahren haben: Im neuen Stationierungskonzept des Verteidigungsministeriums ist die Rede davon, fünf Einsatzmusikkorps aufzulösen. Dazu soll nach den Plänen auch das Wehrbereichsmusikkorps (WBK) III Erfurt gehören.
„Diese Mitteilung hat uns eiskalt erwischt“, gibt Tony Baumann, Hauptfeldwebel und Personalratsmitglied beim WBK III, zu. Vor allem, als die Betroffenen erfahren haben, dass das Heeresmusikkorps 2 Kassel erhalten werden soll.

Dabei sprechen sämtliche Fakten für die Erfurter und den Erhalt ihres Orchesters. Die zentrale Lage und die hervorragende Verkehrsanbindung sind Tatsachen, die jeden überzeugen müssten. Von Kassel aus sind die Wege zu den Spielorten, die bislang von Erfurt aus bedient wurden, sehr viel weiter. Immense Mehraufwendungen für Transport- und Übernachtungskosten, Verpflegung und zusätzliche Arbeitszeit würden sich vom Startort Kassel summieren. Auch der direkte Vergleich spricht eindeutig für Erfurt: Das Wehrbereichsmusikkorps III verfügt über ein intaktes soziales Umfeld, in dem auch die ärztliche Betreuung vor Ort gegeben ist. Zum Landeskommando besteht die direkte räumliche Nähe, und es gibt extra ein modernes Gebäude für die Proben und die Vorbereitungen für die Auftritte. Mit all dem kann Kassel nicht dienen.

Außerdem zeichnet sich mit dem neuen Konzept ab, dass der Osten bald zur militärmusikfreien Zone wird. Es soll dann nur noch ein einziges Musikkoprs in den neuen Bundesländern geben, hoch im Norden.

„Die Entscheidungen für das vorliegende Stationierungskonzept orientieren sich an den Grundprinzipien Funktionalität, Kosten, Attraktivität und Präsenz in der Fläche....“, heißt es in den Grundlagen der Stationierungsentscheidung. Die Erfurter können dazu nur den Kopf schütteln. In ihrem Fall, so befürchten sie, wurden diese Prinzipien wohl nicht angewendet.
„Natürlich war es klar, dass die Bundeswehr kleiner wird und auch die Militärmusik spürbare Einschnitte hinnehmen muss“, wissen Tony Baumann und die anderen. Sie haben auf eine verantwortungsbewusste Entscheidung gehofft - und sind nun zutiefst betroffen. „Umso schmerzlicher ist das Ganze für uns, weil niemand sie nachvollziehen kann“, fügt er hinzu. Hier wurde einfach etwas beschlossen, entgegen der fachlichen und militärischen Empfehlung. Und es gibt niemanden, der die Entscheidung begründet.
Von persönlichen Schicksalen spricht der Hauptfeldwebel dabei nicht. Natürlich, auch die 50 Musiksoldaten und ihre Familien wären betroffen. Aber darum, so Baumann, geht es ihnen nicht vorrangig.

Noch haben die Militärmusiker Hoffnung. Solange der Organisationsbefehl zur Auflösung nicht erteilt ist, wollen sie kämpfen. Jede Menge Einrichtungen und Vereine, die seit Jahren mit dem Korps zusammenarbeiten, haben ihre Unterstützung bekundet, auch Thüringer Politiker wollen sich des Themas annehmen. Der letzte Marsch soll lange noch nicht erklingen.
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