"Der tut doch nichts"

Thomas Kümmel...

Thüringen will ein verschärftes Kampfhundegesetz mit Rasseliste verabschieden - AA-Redakteur Thomas Gräser interviewte Hundetrainer Thomas Kümmel aus Weimar-Schöndorf zum Gesetzentwurf und über menschliches Fehlverhalten gegenüber dem Hund











Wieder eine tödliche Beißattacke in Thüringen. Jetzt können wir nicht so tun, dass Hunde das Liebste sind.

Hunde sind das Liebste auf der Welt - das unterstreiche ich drei Mal. Aber wir müssen sie dazu machen. Sie sind ein Produkt des Menschen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Vorfahre unserer Hunde der Wolf ist - ein Beutegreifer.
Und der hat unter gewissen Bedingungen keine Tötungshemmungen.

Muss die Politik jetzt nicht zwangsweise reagieren?

Sie muss nicht reagieren. Bestehende Gesetze sind ausreichend. Verstöße werden nur nicht geahndet. Alle Risiken können auch Verordnungen nicht ausschließen. Nur der Hundebesitzer selber kann das als oberster Richter gegenüber seiner Sorgfaltspflicht sein. Neue Paragraphen schaffen keinen Millimeter mehr Sicherheit. Sie haben nur Alibifunktion.

Was macht der Mensch mit Hunden verkehrt?

Die Menschen stehen in einer hektischen Gesellschaft unter Druck. Sie vermissen Liebe, Treue und Anerkennung. Es wird versucht, das über den Hund zu kompensieren. Menschen lasten dem Tier Aufgaben an, die es gar nicht erfüllen kann. Wir reden den Hund schön und verschließen vor seinen tierischen Seiten die Augen: Der ist doch lieb, der tut doch nichts. Der will nur spielen. Die Idealisierung des Hundes verhindert einen artgerechten Umgang. Der Hund wird vermenschlicht.

Ursachen der Verklärung?

Die Entfremdung des Menschen von der Natur. Die ganze Technisierung lässt uns nach dem besseren Menschen im Hund suchen. Das ist fatal. Außerdem hat der Hund seine Aufgabe verloren. Er war nie nur Sozialpartner, sondern auch Jagdgehilfe, Wächter und Nahrungsreservoire.

Und die Rasseliste?

Die Gefährlichkeit eines Hundes kann man anhand der Rasse nicht definieren. Die Unterordnung ist wichtig. Jeder der ein bisschen Zwang auf den Hund ausübt, wird heute schon als Tierquäler gebrandmarkt. Selbst der Leinenruck ist verpönt.

Priorität muss haben...?

Aufklärung. Schaffung eines anderen Bildes vom Hund. Konsequentes Durchgreifen. Erhöhung der Sorgfaltspflicht. Artgerechte Hundeerziehung. Einsatz praxiserfahrener Hundetrainer. Das Berufsbild Hundewirt.

Kontakt und Hilfe: Hundehalter-Sorgen-Telefon, Mo bis Fr von 18 bis 20 Uhr, Telefon 0 36 43 - 41 04 47

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