Erfurt: Was bringt das Jahr 2011?

Interview mit dem Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein





Welche Erwartungen haben Sie an 2011?

Für Erfurt hoffe ich, dass sich die gute wirtschaftliche Entwicklung von 2010 fortsetzen wird. Wir hatten einige Investoren, die Arbeitslosenzahlen sind gesunken. Hoffentlich wirkt sich diese positive Entwicklung auch auf den Haushalt aus. Persönlich wünsche ich mir, dass es meiner Familie gutgeht, wir gesund bleiben und dass ich meine guten Vorätze endlich auch umsetze...



Was dürfen die Erfurter in diesem Jahr erwarten?

Hoffentlich nur Gutes. Die letzten beiden Jahre waren finanziell gesehen keine einfache Zeit, das konnte jeder auch privat spüren. Ich hoffe, dass in Erfurt noch mehr Investitionen getätigt werden. Doch da bin ich recht zuversichtlich. Was die Bereiche Wirtschaftsförderung und geplante Ansiedlungen betrifft, haben wir so viele Nachfragen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Ich hoffe, das wird den Haushalt der Stadt ein wenig entlasten können. Und sonst? Ja, vielleicht kommt ja der Papst. Dies wäre für Erfurt eine echte Bereicherung und würde vom touristischen Gesichtspunkt aus gesehen für die Stadt sehr viel bedeuten.


Heute in einem Jahr an selber Stelle: Was würden Sie dann über 2011 sagen wollen?

Es war ein gutes Jahr, das besser gelaufen ist, als wir vorher dachten. Und dann würde ich mir wünschen, dass es 2012 noch besser wird.


Eine realistische Vorstellung?

Es deutet sich an, die Indikatoren sprechen dafür. Natürlich kann man solche Dinge wie die Finanzkrise nicht vorhersehen. Hoffen wir also, dass keine gravierenden Einschnitte passieren, die uns aus der Bahn werfen.


Der Hauptstadtvertrag für Erfurt liegt Ihnen sehr am Herzen. Wird er 2011 erneut ein Thema sein?

Das ist bereits seit 20 Jahren ein Thema, mein Vorgänger Manfred Ruge hat sich darum auch schon sehr bemüht. Nun endlich konnten wir die nächste Hürde nehmen, seit Wochen stehen wir mit dem Land Thüringen in Verhandlungen. Schließlich erfüllen wir als Landeshauptstadt besondere Aufgaben, erbringen Leistungen. Wir bieten eine breite Infrastruktur mit großem kulturellem Angebot, das von vielen anderen Städten mit genutzt wird. Das ist auch gut so, doch wir wollen, dass das Land Mitverantwortung übernimmt in Form von Sonderzahlungen. Schließlich müssen für Defizite, die beispielsweise in den kulturellen Einrichtungen entstehen, die Erfurter allein aufkommen. Da müssen wir eine Lösung finden, schauen, ob wir einen Ausgleich bekommen.


Mit genutzt werden auch die Erfurter Straßen. Viele von ihnen sind im schlechten Zustand. Ist Besserung in Sicht?

Der Winter ist noch nicht vorbei und wir sehen schon jetzt die verheerenden Auswirkungen der letzten Wochen. Derzeit füllen wir die größten Löcher mit einem neu entwickelten Gemisch, das man auch bei Minustemperaturen anwenden kann und das günstiger ist als das bisherige. Bis zum Frühjahr reichen unsere Vorräte. Doch das wird nicht genügen, wir müssen in weiten Teilen der Stadt die Straßendecke erneuern. Hier sind eindeutig der Bund und der Freistaat gefordert. So funktioniert es nämlich nicht: Bundesstraßen werden einfach in die Stadtverantwortung abgeschoben, und wir müssen trotz knapper Finanzen auch hier für alles aufkommen und bezahlen. Sachsen-Anhalt macht es uns vor, wie es gehen könnte. Jetzt muss dringend ein Programm für die Straßensanierung aufgelegt werden. Auch das Land Thüringen sollte schnell handeln. Wenn wir jetzt nichts an den Straßen machen, wird es immer schlimmer. Wir müssen unsere Straßen auf Dauer in einen Zustand versetzen, der uns nicht sorgenvoll das Ende eines jeden Winters befürchten lässt.


Die Riethsporthalle entsteht neu dank einer öffentlich-privaten Partnerschaft − für die Stadt ein Novum. Ein Beispiel, das Schule machen könnte, vor allem angesichts mangelnder Finanzen?

In diesem Fall haben wir uns dafür entschieden, weil an diese Partnerschaft eine unglaubliche Förderung vom Land über 40 Prozent gebunden war. Einige andere Projekte dieser Art prüfen wir gerade. So gibt es bei der einen oder anderen Schule und Turnhalle baulicherseits erheblichen Nachholbedarf, da können wir nicht länger warten und müssen handeln. Dort könnte man vielleicht über weitere derartige Partnerschaften nachdenken. Genaue Zahlen haben wir im Frühjahr, wenn wir den Straßenzustand nach dem Winter begutachten. Dann müssen wir rechnen und planen und uns mit ganzer Kraft den wichtigen Dingen wie Schulen, Straßen und Infrastruktur widmen.


Bis 2012 sollen alle Erfurter Kindertagesstätten grundlegend saniert sein. Halten Sie Ihr Versprechen?

Dafür waren 27 Millionen Euro veranschlagt. Das waren alte Zahlen, inzwischen brauchen wir 47 Millionen, deshalb dauert es etwas länger. Der Kern ist geschafft, im Großen und Ganzen sind wir bis zum Jahre 2013 fertig.


Erfurt soll ein neues Kulturkonzept bekommen. Wann ist es soweit?

Wir haben uns entschieden, das Konzept gemeinsam mit den Bürgern zu erarbeiten, transparent zu sein. Es gibt dafür eine extra Internetseite. Präambel, Gliederung und Themenfelder sind fertig, der Rest noch in diesem Jahr. Auf jeden Fall geht es nicht um Kürzungen, sondern um die große Linie und unsere Schwerpunkte.


Ihre Wünsche für die Erfurter für dieses Jahr?

Gesundheit, Glück und Erfolg, vielleicht eine Gehaltserhöhung. Und dass sie ihren guten Vorsätzen einigermaßen treu bleiben.


Wie läuft es denn mit Ihren guten Vorsätzen?

Ich habe gerade so viel zu tun, dass ich keine Zeit habe, mich sportlich zu betätigen. Aber im März beginne ich wieder zu joggen.
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