Französische Verhältnisse: Teil1 - Der Hauptbahnhof wird 2017 zu einem zentralen Drehkreuz in Deutschland

Mit einem modernen und großstädtischen Erscheinungsbild präsentiert sich der Erfurter Hauptbahnhof nach den umfangreichen Baumaßnahmen der vergangenen Jahre. Das muss er auch, denn ab 2017 wird dieser Bahnhof verkehrstechnisch gesehen zur Mitte Europas. Er ist dann ein Zentrum des transeuropäischen Schienennetzes, welches von Skandinavien bis nach Palermo reicht. Stündlich verkehren vier ICE-Züge, aus den Richtungen Berlin, München, Frankfurt und Dresden - immer zur halben Stunde stehen sie in Erfurt auf dem Bahnhof. Mit der Beschaulichkeit eines Provinzbahnhofes ist es dann allemal vorbei. Rund 30 000 Menschen sollen täglich mit dem ICE in Erfurt ankommen, umsteigen und abfahren.

Dabei hätte alles anders kommen können: Die kürzeste Verbindung zwischen Berlin und München führt durch Sachsen, ein ICE-Knotenpunkt könnte demnach in der Nähe von Zwickau sein. Der erste thüringische Ministerpräsident, Josef Duchac, setzte sich bei Bundesverkehrsminister Krause für die Linienführung über Erfurt ein. Auch sein Amtsnachfolger Ministerpräsident Bernhard Vogel machte sich ab 1992 dafür stark, dass Erfurt zum verkehrstechnischen Zentrum wird, damit ganz Thüringen von diesem Projekt profitierten kann. Der Neubau der ICE-Strecke ist die größte jemals umgesetzte Infrastrukturmaßnahme im Rahmen der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, mit einem Kostenvolumen von 10,3 Milliarden Euro.

"Über 60 Prozent der Mittel sind bereits verbaut. Der Rohbau der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Erfurt- Leipzig und Erfurt-Nürnberg in Thüringen steht", sagt Volker Hädrich, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Thüringen. Wenn 2017 die ersten ICEZüge von Berlin nach München rollen, wird Erfurt zu einem wichtigen Haltepunkt der längsten ICE-Strecke in Deutschland, mit fast 500 Kilometern Länge. "Hier haben wir dann fast französische Verhältnisse", sagt Hädrich schmunzelnd. "Zwei Stunden dreißig benötigt man nur noch von Erfurt bis München, eine Stunde vierzig bis Berlin. Mit dem Auto ist es kaum schneller zu schaffen."

Hädrich hofft, dass möglichst viele Thüringer Regionen von diesem Verkehrsprojekt profitieren können. Deshalb gibt es Anstrengungen, ein integriertes Verkehrskonzept zu erstellen, das auch Städte wie Weimar oder Jena einbindet. Fernverkehr und Regionalverkehr müssen eng miteinander verknüpft sein.

"Der ICE-Knotenpunkt bietet große Chancen, wirtschaftlich und touristisch etwas herauszuziehen. Denn das, was hier entsteht, ist einmalig für Thüringen. Die Stadt Mannheim hat in der Vergangenheit gezeigt, wie sich solch ein Verkehrsknotenpunkt effektiv entwickeln lässt", erklärt Hädrich. Bahn, Stadt und Land müssen jetzt schnell Entscheidungen treffen, wie das Gelände rund um den Erfurter Hauptbahnhof attraktiv gestaltet werden kann. Die Initiative "ICECity", mit ihrer Sprecherin Marion Walsmann, versucht bereits, den Prozess stetig voranzutreiben.

"Unsere nicht mehr benötigten Bahnflächen werden wir sinnvoll in das Gesamtkonzept mit einbringen", sagt der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn. Schnelles Handeln ist jetzt angesagt, sonst ist der Zug im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren. Lesen Sie in Teil 2, welche Ideen es zur ICE-City gibt und wie eine Umgestaltung des Bahnhofareals aussehen könnte.
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