Gab es den 22. Juni 1941 nicht?

Jedes Jahr am 9. Mai wird In Russland an den Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus, im Gedenken an die vielen Millionen Toten, erinnert. (Foto: www.bundesarchiv.de)

Ein Nachsatz zum diesjährigen Gedenken. Gegen das Vergessen!


Nach dem 71. Jahrestag des Angriffs von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 – dieser Tag gilt in Russland offiziell als Gedenk- und Trauertag – lebt Europa schon längst wieder im Hier und Heute und hat es mit den heutigen Sorgen und Ängsten zu tun. Auf den Titelseiten von Zeitungen stehen nach wie vor Berichte von Militärkonflikten und Terroranschlägen in Afghanistan und im Irak. Immer wieder wird über eine eventuelle militärische Einmischung in den bewaffneten Konflikt in Syrien diskutiert. Der Abschuss eines türkischen Militärjets wird nicht die einzige Provokation der NATO bleiben, um eine mögliche Intervention in Syrien zu begründen. Es riecht verdammt nach "Sender Gleiwitz". Parallel dazu haben die hiesigen Medien Russland und die Ukraine als neuen Feind auf der europäischen Landkarte ausgemacht. Soll das denn bedeuten, dass die tragischen Ereignisse vor 71 Jahren aus dem europäischen Gedächtnis der Völker gelöscht werden? Oder sind sie durch die neuen wirtschaftlichen sowie militärischen Drohungen und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts einfach in den Hintergrund getreten? Der 22. Juni 1941 war der Anfang einer Tragödie sowie von Heldentaten, die die Welt von geradezu mittelalterlichen Grausamkeiten des Faschismus befreit haben. Dieser Krieg hat eine allgemeinmenschliche Bedeutung, denn er hat den Lauf der Geschichte beeinflusst und wird deshalb niemanden kalt lassen. Doch gleich nach der Vernichtung des Nazismus gab es Versuche, die Geschichte umzudeuten, indem das Opfer dem Angreifer gleichgestellt wurde. Dabei wurden die Wehrmacht-Soldaten von jeglicher Verantwortung für ihre Bluttaten auf den besetzten Gebieten befreit und diejenigen die den Sieg brachten als Barbaren, Plünderer und Vergewaltiger deutscher Frauen stigmatisiert. Auch das übermäßige Selbstvertrauen Stalins sowie unbegründete Repressivmaßnahmen gegen Offiziere der Streitkräfte kamen zur Sprache, wie auch die schreckliche Opferzahl. Die Sowjetunion hat insgesamt 27 Millionen Menschen verloren. Und die gesamte Opferzahl weltweit liegt zwischen 60 und 80 Millionen Menschen. Kann all dies aus dem Gedächtnis gelöscht werden? Nein, es ist wichtig an jene Zeit zu erinnern und vor Augen zu führen, welch unermessliches Leid der deutsche Faschismus - "Nationalsozialismus" mit seinen Handlangern über die Völker Europas gebracht hat und folgerichtig der Krieg dahin zurück kehrte von wo er 1939 und am 22. Juni 1941 ausging. Das sollte niemals vergessen werden. "Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde. Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Munde liegen..." hatte Brecht 1953 geschrieben.

Auf die Frage, ob die Menschheit richtige Konsequenzen aus der schrecklichsten Tragödie des 20. Jahrhunderts gezogen hat, gibt es heute wiederum verschiedene Antworten.
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