Keine Patentrezepte für Thüringer Handel

Mit vollen Tüten auf Geras ehemaliger Einkaufsmeile. Sie trägt den Namen „Sorge“. Derzeit nicht ohne Grund. (Foto: Steffen Weiß)
Erfurt: Futterstraße 15 | Ein gut ausgewähltes Sortiment, eine hübsche Ladengestaltung und freundliches Personal – fertig ist der Verkaufserfolg. „Ganz so einfach ist es nicht", wirft Knud Bernsen ein. Er ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Thüringen und wüsste auch gern die richtigen Zutaten für die perfekte Geschäftsidee im Einzelhandel. Schon zählt er im Geiste die Euro-Scheine, die man damit verdienen könnte. Doch schnell lässt er es bleiben: „Erfolg im Einzelhandel muss hart erarbeitet werden“, weiß Bernsen.
Als die ersten Warenhäuser Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Türen öffneten, war das für Skeptischer der Dolchstoß für den Fach- und Einzelhandel. Warenhäuser in ihrer ursprünglichen Form gibt es heute kaum noch. Doch noch heute bestimmen kleine Geschäfte das Bild in den Innenstädten. An Konkurrenz mangelt es trotzdem nicht. Sie tummelt sich im weltweiten Netz und muss sich an keine Ladenschlusszeiten halten.

„Das Einkaufserlebnis im Laden ist doch aber viel schöner“, wirft Bernsen. ein. „Man kann die Waren anschauen und anfassen, sich beraten lassen.“ Sein Rat an den Händler vor Ort: Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Rund 30 Prozent aller Fach- und Einzelhändler haben sich bereits eine parallele Existenz im Internet aufgebaut. „Es gibt viele, die damit super Zuwachsraten erzielen. Beide Welten werden sich wohl miteinander verzahnen.“

Innestädte leben vom Handel


Konkurrenz wächst aber nicht allein im Netz. Heute konkurrieren auch Städte miteinander. „Hier ist vor allem die Politik gefragt“, so Knud Bernsen. Sie muss für gute Standortbedingungen sorgen, damit der stationäre Handel attraktiv bleibt. Eine Innenstadt sollte gut erreichbar sein und Parkplätze in ausreichender Zahl und zu vernünftigen Preisen vorhalten. Nicht zum Eigennutz der Händler: „Eine Innenstadt lebt davon, dass Leute kommen und einkaufen. Sonst stirbt sie allmählich.“


Nischen allein bringen keinen Erfolg


Mit welchen Produkten kann man derzeit die Kundschaft überzeugen. „Das ist ganz unterschiedlich“, meint Bernsen. Die Frage lautet: Was wollen die Kunden. Ein Geschäft mit Filzmode mag in unmittelbarer Nähe zu einer Uni funktionieren, in einer Kleinstadt eher nicht. Wer auf Nischen setze, müsse sich genau anschauen, welche Kunden er erreichen kann. Auch Modetrends sind nicht zu trauen. So waren die vielen Bubble-Tea-Ständen in den Großstädten meist nach einer Saison schon wieder geschlossen. Ein Fachgeschäft für Oberhemden könne dagegen langfristig erfolgreich sein. „Hemden kauft man immer wieder.“

Zur Sache:
Der Allgemeine Anzeiger widmet sich dem Thema „Thüringen kauft lokal“. Im Gespräch mit Knut Bernsen soll gezeigt werden, wie stationärer Handel in unseren Innenstädten gestärkt werden kann.
Ein ausführliches Interview mit Knud Bernsen finden Sie hier.
In den Mittwochsausgaben des Allgemeinen Anzeigers haben Kaufleute vor Ort das Wort. Sie erklären, warum sie im Einzelhandel aktiv sind.
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