Kommissarin Spürnase: Chilli und Grace sind die ersten vierbeinigen Drogenfahnder in Thüringen

Maik Müller (links) mit Grace und Pierre Binkert mit Chilli.
 
Und was kommt als nächstes?
Ichtershausen: ... | Eine kleine Schweißperle löst sich und rinnt den Rücken hinab. Irgendetwas ist anders als sonst - zur Besuchszeit in der Strafanstalt Ichtershausen. Warum das lange Warten in dem vergitterten Raum, aus dem es kein Entrinnen gibt? Beklommenheit steigt auf. Das Herz klopft bis zum Hals. Plötzlich öffnet sich die Tür. Ein Schäferhund betritt den Raum. Lässt seinen wachen Blick schweifen und wartet nur auf den Befehl seines menschlichen Partners, der dicht neben ihm steht. Ein kurzes Signal, dann beginnt der Hund mit seiner Arbeit. Sein Blick ist durchdringend, während er sich schnüffelnd nähert. Gleich ist er an der Stelle, wo...

“Radfahrern und Joggern ist Grace nicht geheuer, wegen ihres durchdringenden Blicks“, sagt Maik Müller lachend und zieht mit der Pinzette die fünf Gramm Marihuana aus den Hosentaschen jener, denen er und seine zweijährige Diensthündin Grace vom Bremsenkrug soeben erstklassige Teamarbeit demonstrierten. Müller warnt: „Fassen Sie den Stoff lieber nicht an. Wenn Sie nachher in eine Polizeikontrolle geraten sollten, könnte das zu Irritationen führen.“

Müller erklärt, dass sich der Hund nach einem Duftfeld orientiert und bereits Anhaftungen von Drogen aufspürt. Hat er das Gesuchte gefunden, friert er seine Bewegung ein und reagiert erst, wenn der Hundeführer Signal gibt. Fachleute nennen das passive Arbeit. Hunde, die aktiv arbeiten, spüren nicht nur auf, sondern verschaffen sich sofort Zugang zum Gesuchten. Aufgabe des Hundeführers ist es, vor dem Einsatz den Ort rasch zu sondieren und Gefahren für den Hund auszuschalten.

In Amerika sei man mit der Drogenfahndung weiter, sagt Maik Müller und erläutert die Vorgehensweise am Beispiel Flughafen: „Drogenkuriere transpirieren den Stoff aus. Im Flugzeug werden die empfindlichen Hundenasen deshalb auf die Sitze angesetzt.“

Drogenhündin Grace hat sich bereits einen guten Ruf erworben. Gemeinsam mit ihrer gleichaltrigen Kollegin Chilli vom Stappersweg ist sie seit diesem Jahr für die sieben Thüringer Strafanstalten zuständig - jede mit eigenen Gerüchen. Eine Herausforderung für die empfindlichen Spürnasen. Geführt wird Chilli von Pierre Binkert, der wie Maik Müller seit über fünfzehn Jahren im Vollzugsdienst tätig ist. Beide Teams arbeiten in Schichten und oft am Wochenende zu den Besuchszeiten. Der Freistaat erhofft sich von dieser Neuerung vor allem präventive Wirkung.

In Sachen Nasenarbeit soll nun auch Chilli ihr Können unter Beweis stellen. Zu diesem Zweck wurde ein wenig Stoff in einer der neuen Werkstätten versteckt. Bereits nach wenigen Sekunden hat der Schäferhund die Tütchen in einer Maschine entdeckt. Pierre Binkert runzelt die Brauen. Für seinen Geschmack ging das zu schnell. Er hätte gern mehr vom Talent des Hundes gezeigt. „Die waren wohl nicht gut genug versteckt“, murmelt er.

Spezialisiert sind die Tiere auf alle bekannten Drogen, die in Strafanstalten nach wie vor ein großes Thema sind. Transportiert werden sie zum Teil in Mündern und Mägen. Unter Generalverdacht dürfen die Besucher allerdings nicht gestellt werden. Untersuchungen finden nur bei dringendem Verdacht statt. Dass die Hunde süchtig gemacht werden, um die Drogen besser aufspüren zu können, tut Pierre Binkert als Unsinn ab. „Die Tiere würden daran sterben.“

Hundeführer ist man 365 Tage im Jahr, erzählt der Beamte. „Auch wenn die Familie das Tier akzeptiert und aufnimmt, ist es eine hohe Verantwortung. Es ist und bleibt ein Diensthund.“ Dass die beiden bestens miteinander harmonieren, ist unschwer zu erkennen und gilt für Grace und Maik Müller gleichermaßen.

Ausgebildet wurden die Teams in der Diensthundeführerschule der Polizei in Sachsen-Anhalt. Die Arbeit mit dem Hund funktioniert nicht - wie beim Menschen - über Vernunft, sondern über den Spiel- und Futtertrieb. Inwieweit der ausgeprägt ist, zeigen medizinische Untersuchungen und Prüfungen ein paar Monate nach der Geburt. Die Prüfung dauert zwölf Wochen, kostet eine vierstellige Summe und muss jährlich wiederholt werden.

“Zwanzig Minuten Nasenarbeit sind für einen Hund wie acht Stunden Arbeit im Steinbruch für einen Menschen“, erklärt Pierre Binkert. Wenn alles gut geht, haben Chilli und Grace noch ein langes Arbeitsleben vor sich. So lange sie gesund bleiben und die Prüfungen bestehen.
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 07.05.2014 | 12:02  
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Constanze Fuchs aus Gotha | 08.05.2014 | 00:04  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 08.05.2014 | 11:20  
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