Kriegsspiele im Klassenzimmer

Das bewegt sehr viele. Ich habe die Meinung von Diakon Wolfgang Geffe, Beauftragter für Friedensarbeit der EKM, mit großem Interesse gelesen (TLZ 1.6.11). Ganz richtig ist hier die Aufgabe der Jugendoffiziere dargestellt worden. Gemeinsam mit dem Jugendoffizier oder kurze Zeit danach stellt sich der Wehrdienstberater ein; er ist für die direkte Rekrutierung der Jugendlichen zuständig und wird ihnen in überzeugenden Sätzen das kostenlose Studium bei der Bundeswehr, die großen Karrierechancen und die wunderbaren Kameradschaften darstellen. Wer möchte das denn nicht erleben?
Aber den Schülern muss auch gesagt werden, dass die Hauptaufgabe der Bundeswehr die Ausbildung an der Waffe ist und sie zu militärischen Einsätzen eingesetzt werden können. Jeder muss sich prüfen, ob er es aushält, andere Menschen zu töten - und er muss mit dem eigenen Tod im kriegerischen Einsatz rechnen.
Bei den Schulbesuchen der Bundeswehr wird öfters das "Spiel" Pol & IS durchgeführt. Dabei werden Schüler in Rollenspielen zu Bankern, Regierungschefs oder Politikern. Der Spielführer, meist der Jugendoffizier, führt das Spiel dann dahin, dass im Konfliktfall ein militärischer Einsatz notwendig wird. Wie das dann aussehen soll, wurde in der Kaserne in Bad Reichenhall gezeigt.
Der Beschuss von Klein Mirovica durch Schüler anlässlich des Tages der offenen Tür in Bad Reichenhall darf sich nicht wiederholen (TA 7.6.11).
Im Sinne der demokratischen Ausgewogenheit sollten sich Pädagogen im Vorfeld auch über christliche Vereine wie z. B. "Ohne Rüstung leben" oder "Kurve Wustrow" informieren und ihren Schülern vermitteln, dass hier über zwei Jahre Fachkräfte für den internationalen Friedensdienst ausgebildet werden. Auch das ist ein richtiger Beruf.
Außerdem sind Schulen und Schulklassen weiterhin nicht verpflichtet, Vertreter der Bundeswehr zur Rekrutierung und Schulung auftreten zu lassen, selbst dann nicht, wenn direkte Kooperationsabkommen zwischen dem staatlichen Bildungsministerium und der Bundeswehr bestehen.
Im Jahr 2009 fanden 4415 Veranstaltungen der Jugendoffiziere und Wehrdienstberater statt, ohne dass Friedensvereine hinzugezogen wurden. Die Kosten für die Nachwuchswerbung betrugen im Jahr 2010 27 Millionen Euro. Die Gehälter und die Reisekosten für die Jugendoffiziere sind in dieser Summe nicht enthalten.

Ich selbst wurde vor Jahren zu einem Seminar "Krieg und Frieden" an der FHS Erfurt eingeladen und fand es erschreckend, wie wenig die Studenten über die Auswirkungen von Kriegen wussten. Ein Mädchen meinte sogar, Kriege seien attraktiv, denn "sterben tun doch nur die Feinde".

Inzwischen wissen wir alle, dass in Afghanistan 52 Bundeswehrsoldaten ihr Leben ließen und dass kein Ende abzusehen ist. Es ist auch klar, dass die Bundeswehr handfeste Macht- und Wirtschaftsinteressen mit militärischer Gewalt durchsetzen soll. Deshalb muss auch das Kontroversitätsgebot entsprechend dem Beutelsbacher Konsens (1976)
streng eingehalten werden.
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2 Kommentare
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Thomas Twarog aus Erfurt | 08.06.2011 | 14:16  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 08.06.2011 | 20:45  
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