Lauschangriff: Thüringer Forscher entdecken Abhörmikrofone in Bautzen II

„Made in Germany“ wurde lange Zeit von beiden deutschen Staaten als Marke genutzt. Möglicherweise stammen die Mikrophone aber tatsächlich von einem westdeutschen Hersteller. Fotos: Beer/Gedenkstätte Bautzen
Der Fall schaffte es dieser Tage in fast alle Medien: Forscher des in Ilmenau, Erfurt und Oldenburg ansässigen Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT haben in Bautzen II – dem Trakt für politische Häftlinge zu DDR-Zeiten – Abhörmikrofone entdeckt.

Ein lange gehegter Verdacht ehemaliger Insassen wurde damit bestätigt: Der nämlich, dass die Kontrolle dort absolut lückenlos war. Prominente Häftlinge, Kriminelle mit Sonderstatus, Ausländer und politische Gefangene saßen in der Haftanstalt ein. Ihre freundlichsten Tage – bevor sie zu einer Gedenkstätte wurde – erlebte diese von 1906 bis 1933, als die 203 Haftplätze für Tages- oder Wochenarreste genutzt wurden. So lange haben es die zumeist Kleinkriminellen aushalten können. Dafür waren die Zellen ausgelegt. Das hielt aber weder Nazis noch Sowjets noch die DDR-Staatssicherheit davon ab, politische Gefangene jahrelang dort einzukerkern.
Daniel Beer, Akustikspezialist am Fraunhofer IDMT und seine Kollegen wurden von der Gedenkstätte selbst beauftragt, die Abhörtechnik zu finden und begab sich auf Spurensuche. Und hätte die Sache nicht für die Inhaftierten einen so schicksalhaften Hintergrund, man könnte von einer aufregenden Schatzsuche sprechen.

Wieder einmal war es die deutsche Gründlichkeit, die es erst ermöglichte, dieses Geheimnis zu lüften. Denn alles wurde von der Stasi genau dokumentiert. „Wir haben Markierungen in den Grundrissen der Räume entdeckt“, erklärt Daniel Beer, der mit seinen Kollegen und dem Hausmeister mit Metalldetektoren zu Werke ging. Die Magnetmikrofone allerdings sind keine zwei Zentimeter groß – und waren deshalb schwer zu finden. „Zunächst hat das Gerät nicht angeschlagen. Erst in einem zweiten Durchgang hat sich der Detektor des Hausmeisters gemeldet“, beschreibt Beer die Spuren­suche.
„Auch als wir die Scheuerleiste abnahmen, wurden wir zunächst enttäuscht“.
Dann aber fiel den Forschern auf, dass kleine Stellen in der Wand mit Gips ausgespachtelt waren und diese sich optisch vom Putz abhoben. „Dahinter haben wir dann pro Zelle zwei Mikrofone freigelegt“, so der Forscher. Die verwendete Magnettechnologie erlaubte es, sehr kompakte Geräte zu bauen, die eine hohe Empfindlichkeit haben. „Man muss damit jedes Geräusch in der Zelle gehört haben, nicht nur das Gesprochene. Aber vielleicht sei eben genau dies das Ziel der Spitzel gewesen. Denn in der „Verbotenen Zone“ wurden die Häftlinge oft in Einzelzellen gehalten. „Möglicherweise wollte man kontrollieren, ob die Häftlinge trotzdem versuchten, sich untereinander zu verständigen“, vermutet der Forscher.

In weiteren Schritten wird nun die verwendete Technik genauer untersucht. Unklar ist noch, wo sich die Abhörzentrale genau befand. Bei der Verfolgung der Kabel durch die Schächte stießen die Forscher zunächst nur einen abgeschnittenen Kabelbaum. Wohin dieser führte, ist Ziel weiterer Untersuchungen. Auch von welchem Hersteller die Mikrofone stammten, könnte bis dahin geklärt sein.
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5 Kommentare
Axel Heyder aus Erfurt | 04.01.2012 | 10:53  
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Antje Hellmann aus Jena | 04.01.2012 | 11:50  
Axel Heyder aus Erfurt | 04.01.2012 | 11:54  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 08.01.2012 | 14:58  
Axel Heyder aus Erfurt | 09.01.2012 | 09:26  
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