Lebensborn

 

Unser langjähriges Projekt „Dem Frieden das Wort“ bietet monatlich interessante Themen zur Geschichte und Zeitgeschichte an. Im Jahr 2012 hatten wir uns mit dem NS-Lebensborn e.V. beschäftigt, weil Inhalt und Ziele des NS-Vereins leider noch nicht umfassend historisch aufgearbeitet wurden. Meine Recherchen ergaben, dass der Lebensborn e.V. von Heinrich Himmler 1935 gegründet wurde. Zunächst bot man Schwangeren „guten Blutes“ ohne Partner eine stressfreie Entbindung und anschließende Möglichkeit einer Arbeit und die Abgabe des Kindes in ein NS-Heim an. Dazu wurden Lebensborn-Heime in verschiedenen Teilen Deutschlands gegründet, so z.B. „Haus Friesland“ in Hohehorst bei Bremen, „Heim Hochland“ in Steinhörig bei München, „Heim Kurmark“ in Klosterheide bei Stettin und „Haus Harz“ in Wernigerode. Später kamen Heime in Skandinavien und im Osten hinzu, z.B. „Heim Hur dal Verk“, 100 km von Oslo und „Heim Klekken“, 30 km von Oslo gelegen hinzu.
Am 28.10.1939 erlies Heinrich Himmler den Zeugungsbefehl an die gesamte SS, die Polizei und die Wehrmacht. Um den Verlust von gefallenen Männern im II. Weltkrieg auszugleichen, sollten die lebenden deutschen Männer so viel wie möglich in den skandinavischen Ländern Kinder zeugen. Allerdings musste Himmler den Befehl in dieser direkten Form zurücknehmen, weil er unerwartet auf großen Protest stieß. „Nur als Zuchtbullen“ wollten selbst die SS-Männer nicht im Einsatz sein. Trotzdem wurden allein in Norwegen ca. 8000 Kinder gezeugt. Darunter ein später sehr prominentes Mädchen, eine Sängerin der Gruppe ABBA.
Als sich abzeichnete, dass der Krieg verloren ging, wurden die Kinder eilig in Heime nach Deutschland verfrachtet. Da die Zahl der gefallenen Soldaten weiterhin sehr hoch war, ging man neben der bewussten Zeugung dazu über, im Osten Kinder zwangsweise einzudeutschen.
Ein Eindeutschungsheim war auch neben dem „Heim Kurmark“, das „Heim Pommern“ bei Bad Polzin (heute Polen). Alle Kinder verloren ihre Identität. Noch schlimmer, sie durchliefen mehrfach Namen- und damit Identitätswechsel. Als 1948 der polnische Staat die geraubten Kinder zurückforderte, waren die Ermittlungen durch diese ständigen Identitätswechsel sehr erschwert. Die ehemaligen polnischen Familien der Kinder weigerten sich vielfach diese nun Nazi-Kinder, wie sie, meinten, zurückzunehmen. Sie kamen in polnische Heime, meist seelisch krank und komplett gebrochen, weil sie leider in Polen auf wenig Verständnis stießen. Sie waren herrenlose „Beutegut.“ Die Odyssee dieser Kinder, heute alte Leute, ist immer noch nicht zu Ende. Die Stasi nutzte die Identitäten, um Spione in die skandinavischen Familien einzuschleusen. Wer von den betroffenen Kindern aufbegehrte, verlor in der DDR seine Arbeit und wurde gar mit Gefängnis bedroht. Das sind keine Kollateralschäden, das sind Kriegsverbrechen und Verbrechen an den Menschenrechten, wie sie in der UNO-Charta benannt sind. Deutschland kann sich seiner Verantwortung nicht entziehen. In diesem Zusammenhang und im Hinblick auf die jüngere Geschichte möchte ich sagen, dass wir Christen zu Versöhnung, verbunden mit konstruktiven Gesprächen und Auseinandersetzungen, aufgerufen sind. Das hat nichts mit Verordnung zu tun. Wer es nicht kann, zeigt Charakterschwäche.
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