Migration, Flucht und Asyl in Thüringen

Referat zu: Migration, Flucht und Asyl in Thüringen am 29.09.14
im Frauenzentrum, Pergamentergasse 36

Liebe Friedensfreunde,
wenn mein Onkel über seine Zeit in Ostpreußen sprach, betonte er immer, wie wenig sie im „Altreich“ (so nannte man die vier alliierten Zonen, in die Deutschland nach 1945 eingeteilt war) willkommen waren. „Geht dahin, wo ihr hergekommen seid!“, „Bleibt bei den Russen – seht ihr nicht, das Boot ist voll!“
Nichts hat sich seitdem geändert! Während der Wahl quoll mein Briefkasten über. Die NPD wollte mich vor der „Flüchtlingsflut“ retten, die bei den Linken, falls sie gewinnen sollten, garantiert hereinbrechen würde, und warnte, wir seien doch nicht das „Sozialamt Europas“.
Die AfD schwamm auf ähnlicher Welle, aber etwas verbrämter im Text. Das hat mich aufhorchen lassen und ich wollte sehen, wie es sich tatsächlich verhält.

Nach Angaben des UN-Hochkommissars sind 45 Millionen Menschen auf der Flucht.
81 % der Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern. Fast immer sind es Nachbarstaaten von Krisenländern, die die Flüchtlinge aufnehmen. So sind seit 2011 über zwei Millionen Kriegsflüchtlinge aus Syrien in Nachbarländern aufgenommen worden. Der Libanon nahm 800 000 Syrer auf, obwohl er selbst nur 4,5 Millionen Einwohner hat. 2,5 Millionen Menschen flohen aus Afghanistan, davon leben jetzt 95 % in Pakistan und im Iran.
Hier muss daran erinnert werden: 2001 brach Mister Bush Jr. den Afghanistankrieg vom Zaum. Wegen der Schwierigkeit der Landschaft, Bergen, Höhlen usw., machte sich der Partisanenkrieg notwendig und die NATO musste militärisch zum Einsatz kommen. Der Krieg ist nicht zu gewinnen. Der schwerkranke Bin Laden war hier auch nicht zu finden.
Aber auch Deutschland hat Milliarden Euro in diesen Krieg gepumpt und möchte sich dem von der NATO mitverschuldeten Flüchtlingsproblem nicht stellen. Inzwischen gibt es auch Flüchtlinge in Afrika, im Nahen Osten und in der Ukraine.
In den europäischen Staaten kommt nur ein Bruchteil der Flüchtlinge an, denn legale Wege nach Europa gibt es für Flüchtlinge nicht.
2012 wurden weltweit über sieben Millionen Menschen vertrieben. Im gleichen Zeitraum baten 335 000 Menschen in 38 europäischen Staaten um Asyl – das sind nur 5 % von sieben Millionen Flüchtlingen.
Wie sieht es zur Zeit in Deutschland, in Thüringen und in Erfurt mit der Flüchtlingsaufnahme aus?

Argumentationen:
Deutschland liegt mit seinen Asylzahlen seit Jahren im Mittelfeld. Die Zahl der Asylbewerber ist gestiegen, aber es besteht kein Grund zur Besorgnis.
Wir können uns dann in der Diskussionsrunde mit bekannten Meinungen zum Thema auseinandersetzen.
Hier einige Argumente:

1. Ahnungslose sind überzeugt: „Die meisten sind nur Wirtschaftsflüchtlinge.“
Richtig ist: Die Gründe, die Menschen in die Flucht treiben, wiegen schwer, sie heißen
Krieg, Verfolgung, Existenzgefährdung.

2. Manche behaupten: Asylsuchende Roma haben es nur auf Sozialleistungen abgesehen.
Richtig ist: Populisten machen Stimmung gegen Roma.

3. Egoisten sagen: „Unser Asylrecht kann die Probleme der Welt nicht lösen, wir haben genug
eigene Probleme.“
Richtig ist: Wir sind mitverantwortlich für die Bedingungen, die Menschen in die Flucht
treiben.

4. Wer an Afrika denkt, hat oft Klischees im Kopf: Schwarz, kriegerisch, exotisch, arm.
Richtig ist: Der afrikanische Kontinent ist riesengroß und vielseitig – und längst nicht alle
Afrikaner/innen sind auf dem Weg nach Europa.

5. Hektisch eröffnete Notunterkünfte suggerieren: Wir haben nicht genug Platz, die neu
ankommenden Flüchtlinge unterzubringen.
Richtig ist: Mit vernünftiger Planung könnten wir viel mehr Menschen aufnehmen.

6. Böse Geister flüstern es uns ein: Asylsuchende seien kriminell, gefährlich oder brächten
den bisher so schönen und sicheren Stadtteil in Unordnung.
Richtig ist: Flüchtlinge sind so verschieden wie Menschen eben sind.

7. Manche Anwohner sagen: Wir wollen kein Flüchtlingsheim, weil unser Haus dann an Wert
verliert.
Richtig ist: Wohnungen für Flüchtlinge machen es allen Seiten leichter.

8. Viele Menschen denken: So viele Flüchtlinge aufzunehmen, können wir uns nicht leisten.
Richtig ist: Menschenrechte zu beachten kostet Geld, und das können wir uns leisten.
Zudem können Flüchtlinge viel leisten – wenn man sie lässt.

9. Viele machen sich Sorgen: Immer mehr Zuwandernde bringen unseren Sozialstaat ins
Wanken.
Richtig ist: Ohne Einwanderung sehen wir alt aus.

10. Neonazis behaupten, durch Zuwanderung gehe die deutsche Kultur zu Grunde.
Richtig ist: Die angeblich „deutsche“ Kultur und Bevölkerung spiegelt eine Jahrtausende
lange Migrationsgeschichte wider.

11. Wer selber wenig hat, denkt vielleicht: Auch in Deutschland sind viele Menschen arm.
Wenn Flüchtlinge kommen, nehmen sie „uns“ die Arbeitsplätze weg oder leben von
„unseren“ Steuern.
Richtig ist: Das Problem der Armen ist die ungleiche Verteilung des Wohlstands.

Ich möchte jetzt noch auf Migration und berufliche Integration anhand einer Zusammenfassung von Fakten des Statistischen Bundesamtes eingehen sowie aktuelle Presse zum Thema vorstellen.

Ute Hinkeldein

Quellen:
- Info-Heft „Flucht und Asyl in Thüringen“ vom Flüchtlingsrat Thüringen e. V., 2014
- „Pro Menschenrechte Contra Vorurteile“ von pro Asyl, 2014
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