Nicht nur Schreibtischtäter

Leitet den Erinnerungsort Topf & Söhne im Sorbenweg: Dr. Annegret Schüle.
Die Erfuter Firma Topf & Söhne entledigte Hitlers Schutzstaffel (SS) eines großen Problemes: Längst hatte es die SS in den Anfang 1943 geschafft, mit Hilfe des Insektengiftes Zyklon B mit einem Mal mehr als 1000 Männer, Frauen und Kinder in Auschwitz gleichzeitig zu ermorden - insgesamt waren es rund eine Million.

Doch in den Gaskammern blieben jedes Mal auch ebenso viele Leiber zurück. Die Spuren ihrer Existenz zu vernichten hatte die SS den Auftrag. Darum kümmerte sich die Zentralbauleitung der Waffen-SS - und bediente sich Erfurter „Ingenieurskunst".

Im Sorbenweg, gut einsehbar von der Weimarischen Straße, wird derzeit mit Hochdruck am Erinnerungsort Topf & Söhne gearbeitet. Am 27. Januar 2011, dem Tag des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, wird die Ausstellung eröffnet.

„Stets gern für Sie beschäftigt, ..." prangt bereits jetzt in großen Lettern und in Telegramm-Schrift an der Fassade des grünen Verwaltungsgebäudes. Das Zitat stammt aus der Firmenkorrespondenz vom 2. Februar 1943. Darin bestätigt Topf & Söhne, dass sie „gern" bereit sind, den Konstrukteur und Verantwortlichen für den Ofenbau, Oberingenieur Kurt Prüfer, „des öfteren" nach Auschwitz zur Überwachung der Installation der Öfen und Lüftungsanlagen für die Gaskammern zu schicken. Nicht das erste Mal, dass die Firma die Aufsicht über den Aufbau mobiler oder stationärer Öfen in der Konzentrationslagern übernimmt. Damit ist bewiesen, dass sie genau wussten, für wen sie was fertigten. Auch in Buchenwald stehen die Verbrennungsöfen der Erfurter, die sogar Patente darauf anmeldeten.

In ihrem Buch „Industrie und Holocaust: Topf & Söhne - die Ofenbauer von Auschwitz" legte vergangene Woche Dr. Annegret Schüle eine 464 Seiten starke Arbeit vor, in der sie die Firmengeschichte in verschiedenen Epochen beleuchtet. Sie ist es auch, die künftig den Erinnerungsort leiten wird, Forschung betreibt und Bildungsangebote für Erfurter Schulen organisiert. „Es ist wichtig, gerade angesichts der Tatsache, dass es immer häufiger zu Leugnungen des Holocausts kommt, die Originaldokumente zu zeigen", sagt Dr. Schüle.

Sie will jedoch nicht nur einen Ort schaffen, der historische Geschehnisse einordnet und bewertet. Bei Topf & Söhne haben damals viele gewusst, für was und für wen produziert werde. „Für die Zukunft muss auch die Frage beantwortet werden, wie es um die Ethik der Wirtschaft heute steht".

08.12.2010
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