Offener Brief an die TA-Chefredaktion - Laizisten und die DDR

Sehr geehrter Herr Raue,

hiermit möchte ich mich direkt gegen die von Ihnen im Leitartikel der Thüringer Allgemeine vom 26. September 2011 (http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/det...) hergestellte Verbindung von laizistischen Weltanschauungen mit der Staatsform der DDR aussprechen.
Geschuldet durch die staatsrechtlich festgelegte Verschmelzung der SED als Staatspartei mit den legislativen Organen ist eine, von dieser sachlich getrennte, Bewertung der DDR kaum möglich und führt in der Folge zu einer Verzerrung der historischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten.
Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis erscheint es nur logisch, den von Ihnen angebrachten Vergleich der Trennung von Kirche und Staat, als erklärtes Ziel der Laizisten, mit der Staats-konzeption der DDR, in ein direktes Verhältnis mit den, von den Vertretern der SED, praktizierten Methoden zur Verfälschung des demokratischen Willens und Unterdrückung individueller Interessen zu setzen. Somit zielt die Aussage auf eine Herabwürdigung der Bemühung der Laizisten zur Vermeidung religiöser Einflüsse auf staatliche Institutionen der Bundesrepublik Deutschland ab.
Eine Behauptung gegen die ich mich entschieden verwehre. Sie kann, bei genauer Betrachtung der Zusammenhänge, nicht geeignet sein die Intentionen und Handlungsweisen der oben angeführten Interessengruppe widerzuspiegeln. Als Grundlage für meine Argumentation möchte ich die humanistische Kultur anführen, in deren Tradition der Gedanke zur Abkehr von der Religion entspringt.
So lässt sich bereits in dem mit der Durchsetzung der Trennung von Kirche und Staat verfolgten Ziel eine inhaltliche und moralische Abgrenzung feststellen. Während die SED versuchte ihren absoluten Machtanspruch durch die Schwächung kirchlicher Einrichtungen zu festigen und das Interpretationsrecht für alle gesellschaftlichen Themen auf sich selbst zu vereinigen, zielt der Anspruch heutiger Laizisten auf die Selbstverwirklichung des Menschen ab. Durch die Entfernung religiöser Einflüsse aus unserer Staatsform wird dem Individuum die Möglichkeit gegeben, frei von nicht staatlichen Institutionen zur Prägung der Gesellschaft beizutragen.
Darüber hinaus entscheidet die gesetzliche Legitimation über die grundlegende Bewertung des Wirkens der Laizisten in Deutschland. Die SED schuf für sich ein gesetzgeberisches Konstrukt, welches die Entscheidungsgewalt der Gemeinschaft dauerhaft in den Händen weniger diktatorisch regierender Vertreter konzentrieren sollte. Vor diesem Hintergrund verfügte sie über keinerlei Akzeptanz und Rechtfertigung. Sie operierte außerhalb der Gesetzgebung und erschuf sich daraus einen Moloch zur Selbstinszenierung, die nicht toleriert oder als ethischer Grundsatz betrachtet werden kann. Dem gegenüber beruft sich die Interessengruppe der Laizisten auf die höchste gesetzliche Institution der Bundesrepublik Deutschland, das Grundgesetz. So verlangt Artikel 140 GG explizit über den Ausschluss einer Staatsreligion eine Abgrenzung aller staatlichen Institutionen von Religionen und Glaubensgemeinschaften aller Art. Des Weiteren erhält dieser Grundsatz die in Artikel 4 vorgeschriebene Glaubensfreiheit und das Recht auf freie Religionsausübung, deren Gewährleistung durch mangelnde Abgrenzung zu einzelnen Glaubensgemeinschaften ad absurdum geführt wird.
Schlussendlich lässt sich festhalten, dass das Wirken von Laizisten in unserer heutigen Gesellschaft einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Rechtsstaatlichkeit und Grundlagen der Verfassungsmäßigkeit der Bundesrepublik Deutschland leistet. Ein Vergleich mit Praktiken in der DDR ist ungerechtfertigt und wird dem Anspruch der Laizisten in keinster Weise gerecht.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Hauswald
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