Suttner-Ehrung

Kurzbiografie
Baronin Bertha von Suttner (09.06.1843-21.06.1914), geb. von Kinsky, Chilic und Tettau, stammte aus böhmischem Hochadel. Ihre Mutter, Sophie von Körner, gehörte zum niederen Adel. Deshalb wurde Bertha von der Aristokratie geschnitten. Durch diese Zurückweisung entwickelte sie früh eine kritische Haltung zur Gesellschaft und zur Kirche. Sie arbeitete als Erzieherin und als Privatsekretärin von Alfred Nobel. Der vermögende Mann stiftete den Nobelpreis und finanzierte Berthas Aktivitäten. 1876 heiratete sie Arthur von Suttner.


Bertha von Suttners Friedensstrategien
Bertha von Suttner hat sich zunehmend, vor allem in der Zeit ab 1866, dem Aufbau von Friedensstrukturen zugewandt. Historisch können wir in dieser Zeit zwischen 1866 –1883 mehre Kriege zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich feststellen, die mit besonderer Härte geführt wurden. Die Schlacht von Magneta und Solferino führte auch zum Denkansatz das Rote Kreuz zu schaffen (1894, Henry Dunand).
Die Kriege wurden, wie aktuell auch, um die Neuverteilung der Welt geführt. Es ging um den Besitz der Kolonien um die Macht in Europa und um die Verfügung über die knappen Rohstoffe. Deutschland hatte 1871 den Krieg gegen Frankreich gewonnen und schuf die Reichseinheit mit Blut und Eisen von oben. Mit Hilfe der französischen Kriegsreparationen kam es kurz zur Blüte. Das Goldgeld rief gierige Gründer und Spekulanten auf den Plan, die die alteingesessenen Wirtschaftsbetriebe mit umstrittenen Methoden platt machten. So kam es 1873 zur großen Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit in Deutschland. Das kritisierten die Sozialdemokraten unter August Bebel scharf. Das Verbot der Sozialdemokraten durch Bismarck folgte. Er erlies das Sozialistengesetz (1878–1890).
Eine Lösung war dieses Verbot nicht. Die inneren Spannungen im Land wuchsen und das Bestreben Deutschlands nach Hegemonie auch. Die Konflikte führten zum ersten Weltkrieg.
Genau 142 Jahre nach Beginn der großen Kriegswelle im 19.Jahrhundert steht die Welt wieder dort, wo sie Bertha von Suttner vorgefunden hat. Mit der Neuverteilung der Welt soll wieder eine Hegemoniemacht gestärkt werden, diesmal die USA.
Bei Diskussionen zum Thema Krieg und Frieden, höre ich immer wieder Unverständnis in Sachen Krieg. „Wir wollen doch alle Frieden“, machen wir doch Schluss mit Krieg! Aber Krieg und Frieden hängen nicht vom Willen des Volkes ab, der Krieg ist Bestandteil der marktwirtschaftlichen-kapitalistischen Gesellschaft. Ja, er ist ein Weiterentwicklungsmoment, wenn diese Gesellschaft sich im Frieden festgefahren hat. Krieg und Zerstörung schaffen in der Aufbauphase danach wieder Freiräume für die Wirtschaft. Und natürlich ist der Krieg ein Mittel zur Festigung der Macht.
Millionen von Kriegsopfern, Zerstörung und Vernichtung rühren die Kriegstrategien dabei nicht, solange die Maschinerie in ihrem Sinne läuft.
Das erkannte bereits Bertha von Suttner. Es musste ein Paukenschlag her, der die Welt aufrüttelte. Als Journalistin und Schriftstellerin war das Mittel ihrer Wahl das Wort. Ihr Roman „Die Waffen nieder“ (1889) erreichte die Bürger sehr viel intensiver und umfangreicher als es dutzende Friedenskongresse jemals hätten erzielen können. Die Möglichkeit, das Gesellschaft auch friedlich gestaltet werden könnte war plötzlich in breiten Kreisen im Gespräch. Der nächste Schritt der Suttner war ab 1891 die Gründung nationaler Friedensgesellschaften in Österreich, Deutschland und Ungarn. Die Deutsche Friedensgesellschaft ist heute noch ungebrochen tätig. Sie ist inzwischen 117 Jahre alt. Beim DFG-VK ist die Bertha von Suttner-Stiftung angesiedelt.
Ab 1892 plante Suttner internationale Friedenskonferenzen mit ständigem internationalen Friedensbüro in Bern, als ein entscheidendes Instrument die europäischen Friedensbewegungen zu koordinieren und ihre nationalen Proteste und Aktionen zu unterstützen. Als Organ der Friedensgesellschaften wurde die Zeitschrift: „ Die Waffen nieder“ herausgegeben.



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Heute gibt es mehrere große Friedensorganisationen, die zu monatlichen Treffen aufrufen und damit an diese erfolgreiche Arbeit anknüpfen. Der Weltfriedensrat tagte vom 08.-13.04.08 in Caracas/Venezuela. Interessante friedenspolitische Bildung gibt es in den jährlichen Sommerakademien auf Burg Schleinig/Österreich und 2014 in Nürnberg. 2005 zum 100. Gedenken an die Verleihung des Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner, gründete die Schweizer Politikerin Ruth-Gaby Vermot-Mangold die Gruppierung „1000 Frauen für den Friedensnobelpreis“.
In diesem Jahr würdigen wir den 100. Todestag von Bertha von Suttner. Am 02.06.14 gibt es im Erfurter Frauenzentrum einen Vortrag mit Diskussion zum Thema; am 28.06.14 in Gotha ein Friedensgespräch mit Pfr. Kässmann.
Frieden machen braucht Humor. Aber Witzigkeit war schon Bertha von Suttner wichtig, sie lies nichts aus. Bald trällerte Franz von Suppés Operettenchor das Lied „Die Waffen nieder“, bei Strauß tanzte man nach einem Friedenswalzer und der Schauspieler Joseph Lewinsky baute in seine öffentlichen Auftritte Friedenstexte ein, u.a.
Bertha von Suttners Ideen flossen auch in das Manifest „Krieg dem Kriege“ der II. Sozialistischen Internationale, Friedenskonferenz 1912 in Basel. Auch wenn das Papier zum Teil idealisiert und schmerzlich klar wird, dass auf der Seite des Friedens Macht und Geld fehlen, empfehle ich es zu lesen. Denn, so Berthas Meinung, den Kriegsherren ist jedes Mittel recht, wir sollten wenigsten das Lachen der Menschen fördern; auch das ist ein Weg zum Frieden.
Sie konnte auch sehr drastisch sein. Eine Annonce mit den Inhalt: „ Frau, schlafe nicht mit einem Kriegsherren oder Antisemiten“, konnte der erstaunte Bürger eines morgens in seiner Zeitung lesen (1895). Dies war eine Reaktion auf den Aufruf des christ-sozialen Prinzen Liechtenstein: „Kauft nicht bei Juden“. Berthas Aufruf zum Liebesboykott hatte großes Aufsehen erregt. Bei den Reichtagswahlen 1891 hatte eine antisemitische Partei gewonnen und die Liberalen haushoch verloren. Es herrschte in Deutschland und Österreich eine ausgeprägte antijüdische Stimmung, vor allem gegenüber den vielen russischen Einwanderern. Niemand hatte damit gerechnet, dass Bertha von Suttner den Mut hätte, sich gegen die antisemiestischen Parteien zu stellen. Die Beschimpfungen und Angriffe waren entsprechend enorm, „Judenbertha“ und „Judenmagd“ waren noch freundlich.
Suttners Humor und Satire liegt heute brach und ich frage, muss politisch alles immer bitterernst zugehen?
Nun zu ihren drei wichtigsten Friedensstrategien:
1.) 1892 schuf Bertha von Suttner die „Interparlamentarische Friedensunion“. Nationale Abgeordnete sollten in einem Austausch an den französischen, englischen oder italienischen Parlamenten teilnehmen und so helfen, Krisen und Konflikte diplomatisch zu lösen. Auf dieser Grundlage entstand nach dem I. Weltkrieg der Völkerbund und 1945 die UNO. Über die Aufgaben der Vereinten Nationen haben wir ausgiebig gesprochen und dabei auch die entscheidenden Mängel entdeckt. Wichtige Menschenrechts- und Völkerrechtsentscheidungen werden ständig durch das Veto mächtiger Staaten blockiert. Es wäre wichtig, dass eine Vereinte Friedensorganisation als außerparlamentarische Kraft Teil der UNO wird. Diese sollte die letzte Stimme bei Entscheidungen haben und somit auch eine starke Kraft gegen blockierende Vetos sein.



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2.) Schaffung einer internationalen Institution zur Wahrung des Völkerrechts
3.) 1897 machte sich Suttner stark für das „Internationale Schiedsgericht“ in Den Haag. Mit Hilfe des russischen Zaren und der niederländischen Königin wurde es eingerichtet. Der heutige Gerichtshof der NATO gegen Kriegsverbrechen ist zu einseitig. Er wird weitgehend von den USA finanziert und vor allem dazu genutzt, für die NATO unliebsame Vertreter von Ländern abzuurteilen. Amerikanische Soldaten, die schuldig wurden, dürfen nicht verurteilt werden. Damit ist dieses Gericht Lichtjahre von einem gerechten, internationalen Schiedsgericht entfernt.
Zusammenfassend ist zu sagen, das damals wie heute Friedensinstrumente und Friedenstrategien nur greifen, wenn es gelingt, die außerparlamentarischen Kräfte zu bündeln und sie vor schwierigen Entscheidungen der Abgeordneten, z.B. Pro Afghanistankrieg, entgegenzustellen. Es muss öffentlicher Druck entstehen, denn die Lage ist sehr ernst.
Kürzlich tagte die NATO. Wer auf die Landkarte schaut, die NATO-Standorte wachsen, der Ring um Russland schließt sich. Das nächste Mitglied wird die Ukraine sein. Damit wächst die Forderung, ein NATO-Raketensystem in der Ukraine einzurichten. Aus Europäischem Interesse sind Deutschland und Frankreich zurzeit für den NATO-Beitritt der Ukraine. Aber die Entwicklung zeigt, es wird nicht nur neue Kriege im Nahen Osten geben. Ob Gorbatschow wohl davon geträumt hatte, dass die NATO bald vor der eigenen Tür steht? Die einzige Gegenkraft ist gegenwärtig China. Dieses Land, so unberechenbar es ist, könnte unseren Frieden sichern.
Der Friedensbewegung geht es um den hohen Wert des Friedens, der die Menschenrechte einschließt.
Mit ihren Friedensstrategien war Bertha von Suttner der Zeit weit voraus. Auch heute, 100 Jahre nach ihrem Tod sind die Strategien nur im Ansatz umgesetzt.
Die alten Macht- und Kriegsstrukturen sind unverändert. Wir sind aufgerufen, die Friedensstrukturen als Berthas Vermächtnis mit Leben zu erfüllen, sonst bleiben uns nächste Kriege nicht erspart. Bedenkt: Nach Rüstung kommt Krieg!
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