TÜRKEI: DER ANFANG VOM ENDE VON ERDOGAN

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Erfurt: Casta | Erdogan ist nun selbst ernannter König in der Türkei. Gestern stimmte sein Volk über das Präsidialsystem ab. Erdogan wurde zum Sieger erklärt. Damit endet vorerst die beispiellose Selbstinszenierung um Erdogan, um den Betrug am Volk und um die Macht. Der angebliche Putschversuch 2016, der mehr als fragwürdig war, wurde nur durchgeführt, um daraus ein System zu formen, um wie ein Diktator regieren zu können. Aber seine Macht ist, wenn überhaupt nur hauchdünn, denn jeder zweite der Wahlberechtigten stimmte gegen ihn.

Die Wahlkommission hat Präsident Recep Tayyip Erdogan und das "Ja"-Lager zum Sieger des Referendums über ein Präsidialsystem erklärt. Demnach stimmten 51,3 Prozent für "Ja" und 48,7 Prozent für "Nein". Erdogan und seine Anhänger hatten dabei schon Stunden vor der offiziellen Ergebnisverkündung den Sieg für sich reklamiert.
"Das letzte Wort hat das Volk gesprochen. Es hat "Ja" gesagt und einen Punkt gesetzt", sagte Yildirim am Abend in Ankara. Zuvor hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan dem Ministerpräsidenten und mit ihm verbündeten Parteichefs zu dem "beim Referendum erzielten Sieg" gratuliert, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.
Das Volk habe eine "historische Entscheidung" getroffen und der Verfassungsänderung zugestimmt, sagte Erdogan am Sonntagabend in Istanbul.
Die türkische Opposition will den Ausgang des Referendums anfechten. Man werde Beschwerde gegen das Ergebnis von zwei Dritteln der Wahlurnen einlegen, teilte die prokurdische HDP am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auch der Abgeordnete der größten Oppositionspartei CHP, Sezgin Tanrikulu, kündigte Einspruch an.
Trotz eines Wahlkampfs zu seinen Gunsten ist der türkische Präsident Erdogan überhaupt nicht von einer starken Welle getragen worden. Es zeigt sich eine klare Spaltung der Wählerschaft in der Türkei – nach einem Referendum, das dominiert wurde von Furcht, Säuberungen, Aufrufen, sich hinter den Anführer zu stellen, und der Drohung von Chaos. Der große Bewunderer der Sultane wollte seine Macht an den Urnen legitimieren statt durch Brutalität. Das Ergebnis erscheint zwiespältig. Erdogan sieht, dass ein großer Teil der öffentlichen Meinung ihm offen seine Feindschaft ausdrückt und kann sich deshalb nicht zum Idol eines verzückten Volks ausrufen. Wenn er im autoritären Fieber die Botschaft dieses Referendums nicht beachtet, wird er nicht nur die Türkei in einen dunklen Taumel führen. Er wird aus ihr einen weiteren inkohärenten Raum in dieser bereits instabilen Region machen.

Die Zukunft der Türkei beginnt nach der Ära Erdogan.
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