Xavier Naidoos "Marionetten" wird zensiert

Xavier Naidoos neuer Song "Marionetten" bedarf wohl keiner näheren Vorstellung, schließlich wurde er bereits in sämtlichen Mediensparten durchgequirlt.
Es lässt aufhorchen, welch Panik durch den Hühnerstall von Politik und Presse angesichts eines regime- und gesellschaftskritischen Liedes fegt.
Sofort wurde Naidoo zum Oberbürgermeister Mannheims zitiert und musste Rechenschaft ablegen. Kurz darauf folgt vom Künstler eine Relativierung und Distanzierung zum/vom bösen Text.
Und was brach da nicht für ein Sturm los! Selbst beim Nur-Nachrichten-Sender mdr-aktuell wurden die interessantesten (weil verwerflichsten) Songpassagen gespielt, natürlich nicht ohne sie anschließend mit großer moralinsaurer Expertise auszuwerten.
Das Lied sei eine "Reichsbürger-Hymne" und spiele in die Hände von "Verschwörungstheoretikern".
In Regierungskreisen war man empört, manch Parlamentarier fühlte sich gar bedroht.
Selbstredend ließ es sich auch Medienclown Jan Böhmermann nicht nehmen, Naidoos Werk mit aller Macht und Nazi-Rhetorik in den Dreck zu ziehen und der Lächerlichkeit preiszugeben.
Gutes Kabarett ist Anti-Establishment und regierungskritisch. Wenn das Kabarett anfängt, pro-Regierung und gegen die Kritiker/Gegner derselben zu agieren, ist etwas faul! Bravo, Böhmermann, hast brav Stöckchen geholt!
Das Schlimmste aber ist, dass "Marionetten" kurz nach seiner Veröffentlichung bei youtube (und nicht nur dort) zensiert wurde. So weit ist es in unserer supertolreanten und hyperoffenen Gesellschaft also gekommen: ein unbequemes Lied wird staatlich zensiert und medial bekämpft, der Künstler wird demontiert und öffentlich als nationalistisch, bestenfalls für nahezu unzurechnungsfähig, erklärt. Was nicht gefällig ist wird verboten. Die ominösen Reichsbürger kommen dabei wie gerufen.
Jeder mündige Bürger sollte sich bewusst werden, was da gerade für eine Hexenjagd veranstaltet wird und welche politischen Absichten dahinter stehen.

Wo bleibt denn der Aufschrei der politischen Kaste, der Moralisten und Frauenrechtlerinnen wenn es um diverse musikalische Leckerbissen aus der Prono-Rap-Industrie geht? Was da auf lyrischer Ebene abgeht, trägt mit Sicherheit nicht zur Aufwertung des Rollenbildes der Frau bzw. zum sittlichen Feintuning unserer Jugend bei. Auch in Sachen Gewaltverherlichung haben es manche der Herren Hip und Hop mächtig hinter den Ohren.
Das aber ist in Ordnung, schießt es doch schließlich nicht gegen den Staat und verschont den neuralgischen Punkt der Nation: unsere Gutmenschlickeit.
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Joachim Kerst aus Erfurt | 12.05.2017 | 09:09  
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