Zahnärzte beklagen kurzsichtige Gesundheitspolitik in Thüringen

Landtag lehnt spezielle Zahnvorsorge und Behandlung für Pflegebedürftige und Behinderte ab

Mit Bestürzung und Unverständnis haben die Thüringer Zahnärzte auf die Ablehnung spezieller Vorsorge- und Behandlungsmaßnahmen für pflegebedürftige und behinderte Menschen durch den Landtag reagiert. CDU und SPD hatten gestern mit ihrer Regierungsmehrheit einen Antrag der FDP abgewiesen, in dem die Koalition aufgefordert wurde, sich im Bundesrat für eine Erweiterung des Leistungskatalogs im Sozialgesetzbuch einzusetzen.

„Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen sind eine Hochrisikogruppe für Karies- und Parodontalerkrankungen. Sie benötigen daher eine besondere zahnärztliche Versorgung und zusätzliche Vorsorge“, weiß Dr. Andreas Wagner, Präsident der Landeszahnärztekammer Thüringen. „Das Votum des Landtags ist völlig unverständlich. Eine solch kurzsichtige Politik wird angesichts der zunehmenden Überalterung in manchen Regionen Thüringens auch bald zu hohen Behandlungskosten führen.“

Besondere Maßnahmen für Behinderte fehlen


Zwar wird seit Anfang dieses Jahres die zahnärztliche Versorgung in Pflegeeinrichtungen breiter finanziert, jedoch wurden die besonderen Belange behinderter Menschen vergessen: „Die Parteien hätten heute einen Fehler korrigieren können. Thüringen hätte auf Bundesebene eine gute Vorreiterrolle übernehmen können. Aber im Jahr der Bundestagswahl und ein Jahr vor der Landtagswahl in Thüringen scheint die Gesundheit der Schwächsten unserer Gesellschaft wenig zu zählen“, beklagt der 58-jährige Zahnarzt aus Erfurt.

Unstrittig hat die Mund- und Zahngesundheit große Auswirkungen auf den gesamten menschlichen Körper: Ein gesundes Gebiss kann eine Fehl- und Unterernährung verhindern helfen. Allerdings sind bei vielen älteren oder behinderten Menschen die kognitiven und motorischen Fähigkeiten so eingeschränkt, dass eine Pflege der Zähne und Prothesen nur noch teilweise oder nicht mehr allein durchführbar ist. Zusätzlich greifen häufig eingenommene Medikamente die Zähne und das Zahnfleisch an. Umso wichtiger sind also eine zusätzliche Vorsorge und eine Versorgung anhand der besonderen Bedürfnisse pflegebedürftiger und behinderter Menschen.

Heim-Patenschaften der Thüringer Zahnärzte

Die Landeszahnärztekammer Thüringen hat bereits 2008 einen Ausschuss für alters- und bedarfsgerechte Prävention gegründet, der Konzepte für die Behandlung entwickelt und eine möglichst flächendeckende Betreuung vorantreibt. So kümmern sich Patenzahnärzte direkt vor Ort um die Heimbewohner und schulen Pflegekräfte in der Zahn- und Prothesenpflege. Außerdem können die Zahnärzte eine mobile Behandlungseinheit zur Behandlung ihrer immobilen Patienten ausleihen.

Landeszahnärztekammer Thüringen


Die Landeszahnärztekammer Thüringen ist die Berufsvertretung der Thüringer Zahnärzte. Sie setzt sich für die gesundheits- und standespolitischen Interessen der über 2.500 Mitglieder ein. Die Kammer überwacht die zahnärztlichen Berufspflichten, regelt und betreibt die Aus- und Fortbildung der Zahnärzte sowie des Assistenzpersonals und unterstützt den öffentlichen Gesundheitsdienst. Zusätzlich berät die Landeszahnärztekammer die allgemeine Öffentlichkeit in ihrer Patientenberatungsstelle mit wissenschaftlich gesicherten Informationen und nützlichen Tipps zur Mundgesundheit. Weitere Informationen unter www.lzkth.de.
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