Ansichtssache: Moralisches Reisen

Ich kann nicht ruhigen Gewissens in die Ferien fliegen, wenn ich weiß, dass im Urlaubsland zu großes Unrecht herrscht. (Foto: Pixelio/Lupo)

Wie wünschen Sie sich Ihr Urlaubsland? Idyllisch, exotisch, günstig? Ich wünsche es mir moralisch.

Mit reinem Gewissen zu verreisen, schränkt die Wahl der Feriendestination allerdings extrem ein. Wenn China und Russland die Menschenrechte mit Füßen treten, in der Türkei die Meinungs- und Pressefreiheit kassiert wird und in Dubai die vergewaltigte Frau gerichtlich gezwungen wird, ihren Peiniger zu heiraten, muss ich diese Länder als Demokrat doch meiden. Die Liste ist lang und wird immer länger: Robbengemetzel in Kanada, Todesstrafe in den USA, Kinderprostitution in Thailand, Korruption in Bulgarien, Walfang in Norwegen, Hungerlöhne allerorten.

Die Gegenargumente sind bekannt: Ein Reisebüro ist kein Wahllokal. Kein Despot tritt ab, weil die Feriengäste ausbleiben. Mein Boykott trifft die Falschen. Wer in Afghanistan Ski fährt, leistet seinen Beitrag zum Wiederaufbau. Außerdem trägt Tourismus zur Völkerverständigung bei – wir sind alle Botschafter in Badehosen.

Doch im Urlaub will ich mein Gehirn abschalten und nicht wissen, ob der freundliche Kellner in seiner Freizeit versucht, das Regime seines Landes zu stürzen. Ich will keine Ausflüge durch die Elendsviertel. Und ich will keine hungernden Menschen in meinem Kopf, wenn ich mir gerade am Büfett den Teller zum dritten Mal vollschaufele. Ich will Urlaub.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
7.496
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 25.10.2014 | 13:41  
12.760
Renate Jung aus Erfurt | 25.10.2014 | 17:08  
1.602
Mike Picolin aus Gera | 23.11.2014 | 21:38  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige