Auszeit vom Streit

Der Pädagoge Oskar Schmidt (63) gehört zu den engagierten Mitarbeitern des Schlupfwinkels.
Erfurt: Schlupfwinkel | In diesen Tagen begeht der MitMenschen e.V. seinen 20. Geburtstag. In all den Jahren haben sich Verein und Mitarbeiter insbesondere im Kinderschutz einen guten Ruf erarbeitet. Einer der Mitstreiter ist Oskar Schmidt.

Der Schlupfwinkel macht seinem Namen alle Ehre: Etwas versteckt am Mainzerhofplatz gelegen, ohne großes Schild, im Inneren gemütlich und liebevoll eingerichtet. Hierher können Kinder und Jugendliche kommen, wenn sie sich in ihrem eigentlichen Zuhause nicht mehr wohlfühlen, wenn Streit, Gewalt oder Vernachlässigung sie in eine Krise stürzen. „Viele Kinder kommen selbstständig zu uns", erzählt der 60-jährige Diplompädagoge Oskar Schmidt, der seit 2007 im Schlupfwinkel arbeitet. Manchmal - und das ist oft ein Glück - werden Lehrer, Erzieher oder Nachbarn aufmerksam, organisieren Hilfe.

Als besonders wichtig empfindet Oskar Schmidt die Vernetzung mit den anderen Einrichtungen des MitMenschen e.V. „Mit dem Kinderschutzdienst „Hautnah“, der im gleichen Haus sitzt und in vielen Familien und auch präventiv im Einsatz ist, arbeiten wir eng zusammen", erzählt er. In einigen Fällen sei dann eine Auszeit für beide Seiten sinnvoll: Das Kind zieht in den Schlupfwinkel, so dass ein ruhiges Nachdenken bei ihm und den Eltern einsetzen kann, Gespräche möglich werden. Oft geht es um Missverständnisse, die sich so lange aufstauen, bis die Krise ohne Hilfe von außen nicht mehr zu lösen ist.

Das Ziel der Mitarbeiter ist es, eine Rückkehr des Kindes in die Familie zu ermöglichen. Das ist manchmal sehr schwierig. Auf der einen Seite gibt es Elternhäuser, die ihre Aufgabe kaum wahrnehmen können, in denen Desinteresse vorherrscht, schnell zu Gewalt gegriffen wird und Alkohol im Spiel ist. Und auf der anderen Seite gibt es Kinder, die jegliches Vertrauen zu Erwachsenen verloren haben, die sich bereits auf der „schiefen Bahn" befinden, schon straffällig geworden sind. Manchmal dauert der Aufenthalt im Schlupfwinkel deshalb länger - und manchmal ist der Weg in ein Heim der sinnvollere. Die Entscheidung über solch schwierige Fragen trifft das Jugendamt. In seinem Auftrag sind Oskar Schmidt und seine Kollegen tätig, mit ihm stimmen sie sich eng ab.

Derzeit ist der Andrang im Schlupfwinkel groß. Die neun regulären Plätze und drei Aufbettungen sind zu 90 Prozent ausgelastet. Das Alter der Zufluchtsuchenden reicht von 4 bis 18 Jahren, zu 60 Prozent sind es Mädchen. Sie werden hier 24 Stunden betreut, lernen teilweise zum ersten Mal einen strukturierten Tagesablauf kennen, Normen und Absprachen, gemeinsame Mahlzeiten.

KONTAKT
Schlupfwinkel/Sorgentelefon
Mainzerhofplatz 3
Telefon: 5 62 46 88 oder 0800 / 0080080
E-Mail: schlupfwinkel@mmev.de
Internet: www.mmev.de
Träger: MitMenschen e.V.

17.11.2010
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