Behindertengerechte Arbeitsplätze schaffen

• Projekt Elektronische Archivierung bringt Menschen mit Schwerbehinderung in Arbeit
• Mehr als die Hälfte der Arbeitgeber in Mittelthüringen erfüllt die Beschäftigungspflicht nicht

Vor einem Jahr begann das Projekt: Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen scannen bei Stegmann Personaldienstleistung GmbH & Co. KG Personalakten ein, strukturieren und archivieren diese. Die Personalsuche und -rekrutierung für die über 40 Mitarbeiter erfolgte durch den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Erfurt und des Jobcenters. „Nach den ersten Absprachen zwischen Stegmann und uns haben wir mit der Mitarbeitersuche begonnen. In den letzten zwölf Monaten haben wir über 200 Bewerbungsgespräche mit Menschen mit Behinderungen geführt, einige sogar mit Gebärdendolmetscher“, sagt Beatrice Ströhl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt.

Die komplette Mannschaft - von den Vorarbeitern, Lagerarbeitern bis zu Fahrern - wurde durch den Arbeitgeberservice rekrutiert. Das begann mit der Sichtung von Hunderten von Bewerbungsunterlagen, Vorgesprächen mit potentiellen Kandidaten bis zur Organisation und Durchführung von Bewerberrunden und Vorstellungsgesprächen.

„Das Projekt zeigt, dass es möglich ist, behindertengerechte Arbeitsplätze einzurichten. Zwar sind gesetzlich alle Unternehmen mit jahresdurchschnittlich mehr als 20 Mitarbeitern verpflichtet, Menschen mit Schwerbehinderung einzustellen, doch leider erfüllen in Mittelthüringen nur gut 42 Prozent der Unternehmen diese Pflicht“, sagt Ströhl. Erfreulich: seit 2005 stieg die Quote stetig an. Sie lag vor fünf Jahren bei 38,5 Prozent.

„Leider scheuen sich Unternehmen vielfach vor der Einstellung von schwerbehinderten Menschen. Doch Menschen mit Behinderungen sind nur in einzelnen Fähigkeiten eingeschränkt. Sie können wertvolle Arbeit leisten. Nach unserer Erfahrung sind sie sehr motiviert und absolut loyal. Sie verdienen ihre Chance“, so Ströhl. Die Agentur für Arbeit vermittelt gezielt Schwerbehinderte und Rehabilitanden in Arbeit und Ausbildung. Sollte ein Minderausgleich erforderlich sein, kann auch die Einstellung von Menschen mit Behinderungen gefördert werden.

Im Oktober waren 1.422 Menschen mit Behinderung arbeitslos. Das sind 61 mehr als vor einem Jahr. Auch über einen längeren Zeitraum betrachtet, sank die Arbeitslosigkeit nur leicht. 2005 waren im Jahresdurchschnitt 1.622 Schwerbehinderte ohne Arbeit. Damit steigt der Anteil der Arbeitslosen mit Handicap. Im Oktober 2011 hatten 6,5 Prozent aller Arbeitslosen eine Schwerbehinderung, im Jahresdurchschnitt 2005 waren es 3,3 Prozent.


Zitat
"Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann." Richard v. Weizsäcker
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