Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen - Zwei Wege zur Inklusion

Bei Stadtilms größtem Arbeitgeber, Gelenkwellenwerk Stadtilm GmbH, sind Menschen mit Behinderungen ganz normal integriert. Mit einer Beschäftigungsquote von fast 7 Prozent erfüllt das Unternehmen die gesetzliche Pflichtquote über. „Die hohe Quote kommt vor allem daher, dass Kollegen eine körperliche Einschränkung erleiden, die schon sehr lange im Unternehmen sind. Wir suchen dann eine individuelle Lösung. So sind Mitarbeiter mit Behinderung ganz normaler Bestandteil des Unternehmens“, sagt Martin Röder, Geschäftsführerender Gesellschaft des Gelenkwellenwerkes. So fanden z.B. schwerbehinderte Facharbeiter neue Aufgaben in der Qualitätssicherung.

Im Rahmen der Aktionswoche zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen besuchte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Erfurter Agentur für Arbeit, Beatrice Ströhl, gemeinsam mit dem Jobcenter Ilm-Kreis, das Weltmarktunternehmen. „Das Gelenkwellenwerk ist ein sehr gutes Beispiel für funktionierende Inklusion. Das Unternehmen beschäftigt Menschen mit Behinderungen, die tagtäglich ihre Arbeit genauso präzise und gut erledigen wie Menschen ohne körperliche Einschränkungen. Wir werben mit der Aktionswoche für die Beschäftigung von Menschen mit Handicaps“, sagt Ströhl. Dass es erforderlich ist, zeigt die Beschäftigungsquote. In Mittelthüringen erfüllen nur 42 Prozent der beschäftigungspflichtigen Unternehmen die gesetzliche Quote. „Zwar stieg die Beschäftigungsquote der Unternehmen in den letzten Jahren an, doch die Sensibilisierung für das Thema ist wichtig“, so Ströhl. So profitieren arbeitslose Menschen mit Behinderung vom Aufschwung am Arbeitsmarkt bei weitem nicht so stark wie Arbeitslose insgesamt. Derzeit sind 179 Menschen mit Schwerbehinderungen im nördlichen Ilm-Kreis arbeitslos. Vor fünf Jahren waren es 216. Das ist ein Rückgang um 17 Prozent. Bei allen Arbeitslosen lag der Rückgang in 5 Jahren bei 47 Prozent.

Einen weiteren Weg geht Garant Türen und Zargen GmbH. Der europaweit agierende Türenhersteller beschäftigt im Unternehmen Menschen mit Schwerbehinderungen und vergibt Aufträge an die "Werkstatt am Kesselbrunn" des Marienstifts Arnstadt. „Bereits seit Anbeginn des Unternehmens gibt es diese Zusammenarbeit mit der Werkstatt. Zunächst übernahm das Marienstift nur die Verpackung von Zubehörbeuteln für die Zargenproduktion. Seit einigen Jahren fertigen die Mitarbeiter auch individuelle Rahmen für die Türenproduktion, so dass im Jahr 2010 insgesamt ein Jahresumsatz von 230.000 Euro erzielt wurde“, sagt Udo Spangenberg, Prokurist. Garant und die Werkstatt überlegten gemeinsam, welche Aufgaben übernommen werden konnten. „Natürlich stand der soziale Gedanke immer im Vordergrund. Doch ich möchte nicht verhehlen, dass wir durch die Aufträge die Ausgleichsabgabe sparen“, so Spangenberg.

In der "Werkstatt am Kesselbrunn" des Marienstifts Arnstadt gibt es neben dem Holzbereich ein sehr breites Angebot für Unternehmen: den Metallbereich mit CNC-gesteuerten Drahtbiege- und Widerstandschweißmaschinen, die Landschaftspflege, den Wertstoffhof mit Elektroschrottannahme und Recycling, die Außenarbeitsgruppen Tierpark und Mühlburg sowie die Montage und Verpackung. Für die Werkstatt ist die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen besonders wichtig und deshalb besteht ein großes Interesse an neuen Aufträgen. „Leider gibt es oft Unsicherheit und Unwissenheit über die Leistungsfähigkeit von behinderten Menschen und den Werkstätten. Wir stoßen mit unseren Anfragen nicht immer auf offene Ohren bei neuen Unternehmen. Deshalb laden wir zum Gespräch ein. Gemeinsam können wir besprechen, welche Prozesse und Aufträge wir übernehmen können“, sagt Holger Högner, Leiter der Einrichtung. Die Werkstatt hat ca. 200 behinderte Mitarbeiter und führt qualitativ hochwertige Aufträge aus. „Wir unterliegen dem ganz normalen Qualitätsanspruch der Wirtschaft. Für die Anleitung unserer Mitarbeiter haben wir speziell geschulte Facharbeiter oder Meister, die in der jeweiligen Fachrichtung, z.B. Holz oder Metall, gut ausgebildet sind“, so Högner.
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