Buh fürs Tattoo? Tätowierungen sind mittlerweile gesellschaftsfähig

Wird der Stich fürs Leben mittlerweile in der Geschäftswelt akzeptiert? (Foto: Gonstalla/Pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC | Wer im Sommer auf der Straße, am Strand oder im Schwimmbad aufmerksam schaute, dem wird nicht entgangen sein, dass oft Tattoos, Piercings & Co. die Haut schmücken. Dieses Phänomen der eigenen Individualisierung scheint längst gesellschaftsfähig. Um es gleich vorwegzusagen: Ich bin weder ein Gegner noch ein Befürworter dieser Tendenz und sehe diese Erscheinung unter dem Blickwinkel des Persönlichkeitsrechtes, der individuellen und selbstbestimmten Freiheit jedes Einzelnen. Personalisierte Kleidung, Frisuren oder Tattoos sind Privatsache!

Auf der anderen Seite gibt es jedoch in der Gesellschaft durchaus auch Vorbehalte, die bis zu einer klaren Ablehnung reichen. Bereits 6000 Jahre vor Christus sind in Europa derartige Körperverzierungen bekannt. In der langen Geschichte wechselten sich Phasen der breiten Begeisterung mit denen gesellschaftlicher Ächtung ab. Erst seit den 60er-Jahren erlebt diese Form des individuellen Ausdrucks der Persönlichkeit eine Renaissance und seit Mitte der 90er-Jahre einen regelrechten Hype. Schätzungen zufolge sind heute nahezu 25 Prozent der Jugendlichen mit Tattoos oder Piercings ausgestattet. Tendenz steigend.

Die Wissenschaft hat sich ebenfalls mit diesen Phänomenen beschäftigt und nach den Ursachen gefragt. An erster Stelle stehen, nach Individualisierung zu streben, sich von anderen abzugrenzen und das eigene Ich zu betonen. Oft wird mit dem Körperschmuck gezeigt, dass man zu einer ethnischen, sozialen oder religiösen Gruppe gehört. In der Vergangenheit führten Forschungsergebnisse wie auch das gesellschaftliche Echo häufig dazu, dass Tätowierte stigmatisiert und abgelehnt wurden. Neueste, international angelegte Untersuchungen sehen die gesamte Angelegenheit liberaler und toleranter. Trotzdem gibt es auch heute noch große Vorbehalte.

Befragt man Menschen, warum sie sich tätowieren lassen, ist die häufigste Antwort: "Das tue ich für mich, mein Körper gehört mir und damit kann ich machen, was ich will." Nahezu 40 Prozent erinnern sich mit Tattoos und Piercings an eine große Liebe, den Tod eines Freundes, die Überwindung einer Krankheit oder ein anderes, herausragendes Ereignis.

Doch wie sieht es mit Tattoos und Piercings in der Arbeitswelt aus? Fördern oder hindern sie die Karriere? Das private Recht endet, wenn der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse oder gesetzliche Auflagen hat, den Körperschmuck zu verbieten. Es gibt ganze Branchen und Tätigkeitsfelder, in denen sichtbare Tattoos und Piercings nicht gern gesehen werden. Unternehmen mit Kundenkontakt sind eher konservativ.

Insbesondere bei Bewerbungen empfehle ich, sich vorher genau zu überlegen, ob die Branche offen genug für den eigenen Körperschmuck ist. Aus Gründen des Arbeitsschutzes und der Hygiene sind ablehnende Haltungen am ehesten verständlich. Zum Beispiel sind Piercings verboten, wenn sie der eigenen Gesundheit oder der Gesundheit anderer (Infektionsrisiko) schaden können.

Eines sollte man immer bedenken: In der Jugend möchte man sich ein eigenes Ich geben und macht jede Modeerscheinung mit. Doch mit den bleibenden Eingriffen ist es so eine Sache. Niemand weiß, wie der Mainstream in den nächsten 20 Jahren über diese Dinge urteilt. Ob der neue Freund dann über den durch ein Herz eingeschlossenen, tätowierten Namen der einst "großen Liebe" glücklich ist, bezweifle ich.
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4 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 20.10.2013 | 15:05  
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Simone Guhr aus Zeulenroda-Triebes | 21.10.2013 | 18:52  
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Renate Jung aus Erfurt | 21.10.2013 | 23:09  
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Marcus Daßler aus Zeulenroda-Triebes | 28.10.2013 | 13:47  
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