Bye Bye Arschgeweih

Das Arschgeweih ist nicht mehr in Mode und wird von vielen Tätowierten zum Lasern freigegeben. (Foto: Alexandra Bucurescu/Pixelio.de)
 
Eckhard Wagner ist Geschäftsführer des Jenaer Wave-Laserzentrums. Er zeigt einen Laser, mit dem man Tattoos entfernen kann.
 
Die Augen werden mit diesen Brillen vor dem Laser geschützt. (Foto: Wave-Laserzentrum Jena)
Das Jenaer Wave-Laserzentrum entfernt Tattoos - Geschäftsführer Eckhard Wagner nennt im Interview die Gründe.

Herr Wagner, wer im Sommer ohne Arschgeweih sein möchte, kommt jetzt zu Ihnen zum Lasern?
Das ist genau richtig. Jetzt in der kalten Jahreszeit in der Vorbereitung auf die Badesaison kommen die Anfragen vermehrt. Man schafft es natürlich ganz einfach nicht, bis zum Sommer die Tattoos vollständig wegzubekommen. Man kann sie vielleicht ein bisschen ausbleichen, ein Stück weit entfernen. Aber prinzipiell braucht man schon so acht Behandlungen, um das Tattoo unsichtbar zu machen. Und zwischen zwei Behandlungen muss man kalkulieren, dass da mindestens zwischen vier und sechs Wochen liegen. Das heißt: So ein Projekt dauert schon.

Wer also jetzt kommt...
Hat nächstes Jahr zu Silvester das Problem nicht mehr.

Warum dauert es so lange?
Bei der Tattooentfernung wird mit Lasern gearbeitet. Da bringen wir sehr hohe Energie mit ganz kurzen Impulsen in die Haut. Die Laserenergie wandelt sich in mechanische Energie und bricht diese eingekapselten Farbcluster wieder auf. Die werden faktisch nur kleiner. Und wenn sie verkleinert sind, können sie vom Lymphgefäßsystem weggespült werden. Das heißt: Die Tattoofarbe wird nicht aus dem Körper herausgenommen, die bleibt im Körper, sondern wird nur an den entsprechenden Hautpartien weggespült. Und das geschieht immer nur stückweit. Das schafft man nicht mit einer Behandlung.

Dauern mehrfarbige Tattoos länger?
Nein, die Farben haben darauf keinen Einfluss. Es ist egal, welche Farbe das Tattoo hat oder wie viele Farben. Es ist nur wichtig, dass man den richtigen Laser für die richtige Farbe hat. Wir arbeiten zum Beispiel mit dem Rubinlaser. Der entfernt alle dunklen Farben sehr effektiv und auch grüne Farben, die häufig in Tattoos vorkommen - als Pflanzenbestandteil, als Blätter oder Bäume. Darüber hinaus gibt es auch Rottöne und Orange, die mit dem Rubinlaser nur sehr schwer zu entfernen sind. Da haben wir eine Variante und arbeiten mit "Nd:YAG"-Lasern. Der macht diese rötlichen Töne weg. Prinzipiell kann man Weiß gar nicht entfernen, Gelb ist sehr, sehr schwierig.

Bei manchen Tattoos stoßen Sie also an Ihre Grenzen?
Weiß ist extrem selten. Gelb kann man auch entfernen, es dauert nur sehr lang. Aber die Flächen, in denen Gelb auftritt, sind klein. Gelb ist auch sehr hautähnlich, es fällt also nicht so auf.

Kann man also jedes Tattoo restlos entfernen? Sind sie nicht mehr für die Ewigkeit?
Mein kann jedes Tattoo restlos entfernen, außer weiße Farbe. Restlos heißt nicht 100 Prozent. Aber 98 bis 99 Prozent. Aus normaler Entfernung wird Ihr Gegenüber niemals erkennen, dass da mal ein Tattoo gewesen ist. Nur wer weiß, wo es genau saß, wird noch einen kleinen Schatten feststellen.

Wie schmerzhaft ist es?
Es soll nicht weh tun. Sie merken so etwas wie kleine Nadelstiche. Es soll nicht mehr weh tun als beim Tätowieren. Die Methode mit dem Laser ist die einzige, um ein Tattoo schonend und wirkungsvoll wegzubringen – ohne Narben. Beim Tätowieren wurde Farbe in die Fettschicht eingegeben, injiziert, die wurde eingekapselt. Die bekommen sie nie wieder weg, es sei denn durch Hauttransplantationen. Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Ansonsten behandeln wir viele Problemfälle, die entstanden sind aufgrund von unprofessioneller Vorbehandlung. Da wurde versucht, mit heißen Nadeln Farbe wegzubekommen oder auch mit einem falschen Laser. Die Leute haben dann ein richtiges Problem. Dann gibt es schon Narben.

Erkennen Sie auch Pfuscher unter den Tätowieren?
Pfusch ist immer relativ. Wenn es nicht schön aussieht, ist es halt Pech. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Prinzipiell sind Tattoofarben giftig. Es sind meistens Lacke aus der Automobilindustrie und die sind schwermetallhaltig. Einmal tätowiert können Sie diese Schwermetalle ein Leben lang im Lymphgefäß detektieren. Auch nach der Tattooentfernung haben Sie das Gift immer noch im Körper.

Wer kommt zu Ihnen?
Tattoos sind immer modegetrieben und kurzlebig. Erstaunlicherweise sind es alle Gruppen und Altersklassen. Viele ältere Männer, die Jugendsünden als Rentner revidiert haben wollen. Leute, die latenten Druck haben, weil etwas Falsches auf der Haut steht. Wer heiraten will - und das haben wir sehr oft - und vorher sind noch die Initialen vom Vorgänger tätowiert, hat keinen Spaß. Das sorgt für Ärger. Wir entfernen auch viele Hakenkreuze. Wer in den öffentlichen Dienst will und hat eine Tätowierung, hat teilweise die Bedingung, dass die Tätowierung zu verschwinden hat. Wir haben im Moment bestimmt drei, vier Leute, die heiraten wollen und da steht der Termin Ende des Sommers. Da müssen wir schauen, dass wir rechtzeitig sind.

Und der Sommerurlaub ist auch nicht mehr möglich?
Laser ist ein sehr intensives Licht. Wenn Sie sich am Tag darauf an den karibischen Strand legen, nimmt Ihnen das jede Haut übel. Die Haut wehrt sich.

Welche Mode von damals wird denn heute entfernt?
Die Mode des Arschgeweihs ist einfach vorüber. Die sehen alle hässlich aus. Als Jugendlicher hat man eine andere Körperform als mit 30, 40 Jahren. Dann verändert sich die Ansicht des Tattoos. Es verläuft oder wird dicker oder unförmig. Was derzeit stark tätowiert wird, sind asiatische Schriftzeichen. Da passieren oft viele Fehler beim Tätowieren. Wir machen nicht nur die totale Entfernung, sondern auch die Korrektur.

Wenn also dort nicht innerer Frieden in asiatischen Schriftzeichen, sondern ein Kochrezept steht...
Dann nehmen wir hier und da einen Strich heraus, dann sieht das wieder schön aus. Es sind ja auch wachsende Kunstwerke, die entwickeln sich.

Was sind die härtesten Fälle?
Das größte Tattoo, das wir hier entfernt haben, ging über den halben Rücken.

Wie läuft die Behandlung ab?
Wir machen ein Beratungsgespräch und eine Testbehandlung. Bei einem halben Rücken dauert eine Sitzung anderthalb Stunden. Punktförmig fährt der Laser über den Rücken, Spot für Spot. Das wird dann gekühlt danach, es kommt eine schonende Creme drauf. Dann kann man alles machen. Es soll nicht bluten. Es soll keine offene Wunde sein. Das zeichnet qualitativ hochwertige Lasern aus und ausgebildete Leute dahinter. Man kann Sport machen, duschen, alles kein Problem. Man merkt zwei, drei Tage lang eine kleine Schwellung.

Woran erkenne ich gute Behandlung?
Die qualitativen Unterschiede sind extrem. Tattooentfernungen werden preiswert in Kosmetikstudios angeboten. Naturgemäß haben die gar nicht den dermatologischen Hintergrund. Da werden viele Narben gesetzt, unbeabsichtigt geschehen Verbrennungen. Dadurch, dass die Ausbildung nicht vorhanden ist und dort sehr preiswerte chinesische Technik genutzt wird. Die Maschinen sind vom Strahlprofil so minderwertig, dass häufig Punktblutungen auftreten bzw. die Effektivität schwächer ist und man viel öfter zur Behandlung kommen muss.

Wie teuer ist der Spaß?
Ein Laser kostet schnell mal 80 000 Euro. Das schlägt sich auf die Behandlungskosten nieder. Die kleinsten Tattoos fangen bei 80 Euro pro Behandlung an. Wenn Sie den halben Rücken behandeln, sind Sie schnell bei 700, 800 Euro pro Behandlung.
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5 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 19.01.2014 | 10:00  
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Dieter Eckold aus Zeulenroda-Triebes | 19.01.2014 | 10:49  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 19.01.2014 | 11:31  
Emanuel R. Beer aus Gotha | 21.01.2014 | 11:07  
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Renate Jung aus Erfurt | 21.01.2014 | 23:07  
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