Der Computer wird zum gleichberechtigten Arbeitskollegen - Was bringt die „Industrie 4.0“?

Industrie 4.0: Die Maschine wird zum gleichberechtigten Partner des Menschen – zum Kollegen. (Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)
 
Schon jetzt ersetzt so ein kleiner Roboter den Gärtner beim Rasenmähen. (Foto: Wolfgang Dirscherl/pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC |

Seit der industriellen Revolu­tion Ende des 18. Jahrhunderts erleben die Menschen den Fluch und Segen der Technik zugleich. Der Computer und seine künstliche Intelligenz führen auch in der nächsten Phase zu revolutionären Veränderungen der Arbeitswelt.

Das Zukunftsprojekt der ­Bundesregierung „Industrie 4.0“ sowie zahlreiche Studien beschreiben die neue ­Dimensionen der Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Im Kern ­bedeutet 4.0 die Verschmelzung der virtuellen Welt der Computer und Algorithmen mit der physikalischen Welt der Maschinen und Anlagen. Maschinen und Werk­zeuge organisieren sich selbst.

Die Maschine wird zum gleichberechtigten Partner des Menschen – zum Kollegen. Prozesse, bei denen die Maschinenlösungen uns Menschen überlegen sind, werden zukünftig noch viel stärker von Maschinen ausgeführt. Die Entwicklung ist unaufhaltsam. Was zu automatisieren geht, wird auch automatisiert. Ob Google-Datenbrille,autonomes Fahren von Fahrzeugen, Roboter mit den Freiheitsgraden eines Menschen – die Digitalisierung und die Nutzung von Algorithmen bei der Arbeit haben Auswirkungen auf die Entwicklung der Berufslandschaft.

In der Logistikbranche wird der Umbruch besonders sichtbar.


In maximal 15 Jahren werden schätzungsweise in Deutschland über eine halbe Million Menschen durch autonomes Fahren ersetzt. Taxi- und Brummifahrer, ­Piloten, Zugführer, Mit­arbeiter der Flugsicherheit und ­weitere Verkehrsberufe werden davon betroffen sein. Und die Übergangszeiten sind kurz – maximal fünf Jahre. In der Logistikbranche wird der Umbruch besonders sichtbar. Für das Füllen von Paketen der Versandhändler braucht man dann vielleicht keine Menschen mehr.

Auch vermeintlich sichere Berufe wie Juristen werden von der Computerisierung betroffen sein. Schon heute existieren intelligente Computerprogramme, die bei einem Rechtsfall in Sekundenbruchteilen Gesetzestexte in Bezug auf gefällte Urteile und Prozessverläufe analysieren und Entscheidungen vorschlagen. Selbst Chirurgen bekommen im OP schon Konkurrenz durch Roboter – noch steht er daneben.

Die größten Auswirkungen vollziehen sich in den Callcentern, bei Versicherungen und Banken, bei Steuerberatungen und kaufmännischen Dienstleistern sowie bei vielen Verwaltungsvorgängen im öffentlichen Dienst. In der Industrie werden es vor allem Produktionshelfer sein.

Gute Zukunfschancen für das Handwerk


Auf der anderen Seite gibt es Berufe und Branchen, die nicht so schnell der Digitalisierung zum Opfer fallen. Dazu gehören alle Berufe der Fürsorge am Menschen – inklusive Betreuung, Bildung, Erziehung und Gesundheit. In den technischen Disziplinen sind Berufe sicher, wenn sie sich vorwiegend mit der Installation, Steuerung, Wartung und Reparatur von kom­plexen Systemen ­beschäftigen. Im Handwerk mit seinen individuellen Lösungen ist die Sicherheit ebenfalls höher, in seinem Beruf alt zu werden.

Industrie 4.0 rationalisiert nicht nur Arbeitsplätze weg, es entstehen auch neue. Es sind vor allem jene, die sich mit der Konstruktion, Entwicklung, Herstellung und dem Service der neuen Maschinengenerationen beschäftigen. Industrie 4.0 bringt aber auch einen weiteren Anstieg der Arbeitsintensität, ­höhere Anforderungen an die fachlichen und persönlichen Qualifikationen der Mit­arbeiter mit sich. Der Fabrikarbeiter der Zukunft – dessen Zahl schrumpft – benötigt noch mehr Wissen als heute.

Für niedrig qualifizierte Menschen sind die Aussichten leider nicht rosig. Die Gesellschaft muss jetzt Antworten suchen und geben, wie sie mit den von den Umwälzungen betroffenen Menschen umgeht. Eine Aussage trifft aber garantiert zu: Bildung, Bildung, Bildung!



Hintergrund

Industrie 1.0: Beginn mechanischer Fertigungsverfahren mithilfe von Wasser und Dampfkraft, 1784 erster mechanischer Webstuhl in London
• Industrie 2.0: Einführung der Massenproduktion mithilfe elektrischer Energie (1870)
• Industrie 3.0: Einzug der Elektronik und Informationstechnologie in die Produktion mit weitreichenden Lösungen der Automatisierung (ab 1969)
• Industrie 4.0: Beginn der Vernetzung von Computern und Maschinen zu intelligenten Cybersystemen und ihrer Kommunikation über das Internet (ab 2010)
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4 Kommentare
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Joachim Kerst aus Erfurt | 27.03.2015 | 23:39  
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Renate Jung aus Erfurt | 27.03.2015 | 23:53  
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Hannelore Grünler aus Artern | 29.03.2015 | 17:54  
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Renate Jung aus Erfurt | 29.03.2015 | 18:49  
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