Der Lehrling ist König

  Viele Unternehmen haben erkannt: Die fetten Jahre sind vorbei. Jetzt kümmern sie sich verstärkt um den eigenen Nachwuchs.

Werden Lehrlinge bald mit der königlichen Sänfte zum Ausbildungsplatz getragen? Ganz so schlimm ist es sicherlich noch nicht. Aber immer mehr Thüringer Unternehmen spüren deutlich den Rückgang der Schulabgänger bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze. Waren sie bisher gewohnt, aus vielen Bewerbern auszuwählen, bleiben im kommenden Herbst wohl einige Ausbildungsplätze unbesetzt.

Schon im vergangenen Jahr konnte in Deutschland jede fünfte Lehrstelle nicht besetzt werden. In diesem Jahr ist es womöglich schon jede dritte. Viele Unternehmen haben erkannt: Die fetten Jahre sind vorbei. Sie kümmern sich verstärkt um den eigenen Nachwuchs. Der Kampf um die Azubis ist in vollem Gange.

Ich war am Mittwoch auf der Fachmesse für Ausbildung und Studium in Erfurt "Vocatium Thüringen" und habe mich mit zukünftigen Auszubildenden und Firmen aus Thüringen unterhalten. Nicole und Marielle, beide stehen gerade kurz vor ihrem Schulabschluss, möchten zum Bund oder eine Ausbildung bei der Bundesagentur für Arbeit. Warum sind gerade diese Arbeitgeber interessant? Sie antworteten mir, dass sie einen sicheren Arbeitsplatz anstreben. Die eigenen Erfahrungen im Elternhaus mit Arbeitslosigkeit prägen sehr stark Berufswahl. So verwundert es nicht, dass immer mehr Jugendliche eine sichere Lebensplanung anstreben.

Auf der Suche nach dem geeigneten Ausbildungsplatz nutzen Schüler vielfältige Möglichkeiten. An erster Stelle steht dabei das Internet. Auf unzähligen Webseiten werden Ausbildungsplätze angeboten und vorgestellt.

Unternehmen sind gut beraten, ihren Internetauftritt attraktiver zu gestalten, um die Aufmerksamkeit junger Menschen zu erlangen. Dies gilt auch für kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe. Gerade sie werden es in der Zukunft noch schwerer haben, geeignete Auszubildende zu finden. Die sozialen Netzwerke im Internet bekommen eine immer größere Bedeutung bei der Rekrutierung des Nachwuchses. Foren, auf denen sich Interessierte mit Azubis über Berufe und das Firmenthema austauschen können, werden besonders hoch geschätzt.

Im Kampf um die Auszubildenden gibt es immer mehr skurrile Entwicklungen: 1000 Euro Kopfprämie bei Vertragsabschluss über eine Lehrstelle für den Auszubildenden, Zugaben wie ein Notebook als Geschenk, Jahresverträge für Handynutzung - selbstverständlich mit neuem Handy. Fahrkarten- Abos, monatliche Prämien bis zu 250 € über der regulären Ausbildungsvergütung, Zuschüsse zu Urlaubsreisen oder "Kombinationspraktikas" (Urlaub und Arbeit ) in Auslandsvertretungen der Firmen. Die von mir auf der Bildungsmesse befragten Unternehmen verneinten allerdings den Einsatz solcher Lockmittel. Noch seien sie zu derartigen "Fangmethoden" nicht gezwungen.

Viel wichtiger ist es, gegen die mangelnde Ausbildungsreife vorzugehen. Das Engagement der Wirtschaft ist viel früher gefordert. In Thüringen haben es schon viele Unternehmen erkannt - aber längst nicht alle!

Warum entscheiden sich junge Menschen für eine bestimmte Firma, für einen konkreten Job? Neue Untersuchungen zeigen dazu einen veränderten Wertekanon: Sicherheit kommt vor Geld. Auf der Suche nach dem geeigneten Ausbildungsplatz vergleichen Schüler die Berufe und Unternehmen nach diesen Kriterien:

1. Akzeptanz und gesellschaftliche Anerkennung
2. Sicherheit des Arbeitsplatzes und der damit verbundenen Lebensplanung
3. Klima am Arbeitsplatz
4. geregeltes und planbares Arbeitsleben
5. Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf und dem Unternehmen 6. innere Bindung zum Unternehmen
7. Verdienstmöglichkeiten
8. Image der Firma
9. regionale Aspekte/Arbeitsort
10. Möglichkeiten der Mitgestaltung am Unternehmen/Innovationsfreudigkeit


Ihr Matthias Freund
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