Diabetes: Edith Claußens Mission

Engagiert: Edith Claußen
Diabetes ist ihr großes Thema, seit mehr als 40 Jahren. Obwohl sie selbst nicht von der Krankheit betroffen ist. Vielmehr hat sich Edith Claußen der Aufgabe verschrieben, dass Erkrankte gut betreut werden und umfassend informiert sind. "Man muss versuchen, die Krankheit zu beherrschen. Es darf nicht sein, dass die Krankheit den Betroffenen beherrscht", bringt sie ihr Ansinnen auf den Punkt. War es früher ihr Beruf - als studierte Gesundheitsfürsorgerin baute sie ab 1968 die Kreisdiabetikerberatungsstelle mit auf und gab auch in Sachen gesunde Ernährung Kurse - widmet sie sich heute ehrenamtlich ihrer großen, selbstgewählten Aufgabe. An fünf Tagen in der Woche arbeitet die 78-Jährige ehrenamtlich im Büro in der Waldenstraße. Dort ist der Sitz des Landesverbandes des Deutschen Diabetiker Bundes, deren Vorsitz sie innehat. Rentnerin zu sein ist ihr fremd. Als sie mit der einen Arbeit aufhörte, begann sie am anderen Schreibtisch mit der neuen, freiwilligen.

Immer neue Erkrankungen


Zu viel gibt es zu tun. Edith Claußen kann die Hände da nicht einfach in den Schoß legen, genau wie ihr Mann. "Es gibt immer neue Erkrankungen", weiß die engagierte Kämpferin der Betroffenen. In Deutschland betrifft das inzwischen acht Millionen Menschen, in Thüringen 160.000. Dabei wissen längst nicht alle, dass sie an Diabetes leiden. Fünf Prozent der Diabetes-Patienten leiden am Typ I der Krankheit, hier gibt es auffällige Symptome. Viel schwieriger ist es, den Typ II zu erkennen, von dem die anderen 95 Prozent betroffen sind, hier fehlen die typischen Symptome. Ein einfacher Test mit acht Fragen hilft, ein mögliches Risiko zu erkennen. Hier sind auch die Hausärzte mehr gefragt, sie können helfen, eine Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Bevor zuerst unbemerkt wichtige Organe geschädigt werden.

Zu wenig Aufmerksamkeit


"Diabetes ist nicht wirklich ein Thema, in der Bevölkerung nicht, bei den Politikern, sogar bei manchem Hausarzt", beklagt Edith Claußen. Auch bei den Krankenkassen gilt es manchen Kampf auszutragen, wenn etwa die Kosten für einen Diabeteswarnhund für Kinder nicht übernommen werden. Edith Claußen und ihre Mitstreiter versuchen, so gut wie möglich zu helfen. Und sie kämpfen für ihre gute Sache, lassen nicht locker: Längst ist es überfällig, ein nationales Diabetesregister einzuführen, um konkrete Zahlen zu haben und Beratung und Betreuung besser planen zu können.

Thüringen, so die Diabetes-Expertin, ist gut aufgestellt, bietet ein ausreichendes Netz an Schwerpunktpraxen. Doch nicht überall weiß man mit der Krankheit gut umzugehen. Deshalb gehen Ärzte gemeinsam mit dem Diabetikerbund in berufsbildende Schulen, um dort in einem Projekt die Auszubildenden auf den künftigen Umgang mit Kindern, die an Diabetes leiden, vorzubereiten. Auch in vielen Pflegeeinrichtungen ist das Personal nicht genügend auf die Krankheit vorbereitet. Auch hier gibt es Nachhilfe.

Wissen ist wichtig


An erster Stelle aber stehen die Betroffenen. "Nur, wer gut über die Krankheit Bescheid weiß, kann mit ihr umgehen", erfährt Edith Claußen immer wieder aufs Neue. Ihre Idee, extra "Diabetes-Lotsen" auszubilden, die den Diabetikern bei den Anforderungen un Problemen im Alltag zur Seite stehen, stößt auf großes Interesse.
Besser sei es natürlich, gar nicht erst zu erkranken. Mit einer gesunden Lebensweise und viel Bewegung lässt sich vorbeugen. "Es gibt eine so große Auswahl an gesunden, fettarmen Lebensmitteln", schwärmt Edith Claußen von Gemüse und Co. Natürlich, räumt sie ein, sind auch die Verlockungen riesig... Eine Empfehlung, die sie jedem gibt, der mehr auf seine Ernährung achten möchte: Schön langsam essen, jeden Bissen ausgiebig genießen, bewusst schmecken. So isst man automatisch weniger. Außerdem rät sie zu mehreren kleinen Mahlzeiten, so bleiben Heißhungerattacken aus.

Sie hat noch viel vor


Sie selbst hält es schon immer so. Eine vernünftige Ernährung, lange Spaziergänge mit ihrem Mann. Wenn zu letzterem Zeit ist. Schließlich zieht es beide von Montag bis Freitag ins Büro. "Ich war noch nie Rentnerin", lacht die quirlige 78-Jährige und hat noch ganz viel vor. Ihr großer Wunsch: Dass bei vielen Betroffenen der Diabetes rechtzeitig erkannt wird, dass Ärzte mitziehen und Krankenkassen mehr Kosten für die Behandlung übernehmen. "Ich bleibe dran!", verspricht sie.




Edith Claußens Wirken:



- Gemeinsam mit einem Facharzt und zehn Mitarbeiterinnen baute Edith Claußen 1968 in Erfurt für die 10.000 in Erfurt und Umgebung an Diabetes Erkrankten eine Beratungs- und Betreuungsstelle auf.
- Schon nach kurzer Zeit bot sie die ersten Diabetikerschulungen an, daraus entwickelten sich die Gesprächskreise für Diabetiker.
- Nach der Wende rief Edith Claußen den Landesverband des DDB (Deutscher Diabetiker Bund) ins Leben, bis heute ist sie die Vorsitzende.
- Unter der Mithilfe Edith Claußens wurden zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen, Landesdiabetikertage, Kinder-Jugend-Diabetikertage und Sommerferien-Reha-Maßnahmen für Kinder durchgeführt.
- 2002 gründete sie die Deutsche Diabetiker Akademie.
- Seit 2007 werden auf Edith Claußens Initiative Diabetes-Lotsen ausgebildet.
- Die Erfurterin ist in verschiedenen gesundheitspolitischen Bereichen aktiv, so initiierte sie 1994 den "Arbeitskreis St. Vincent", der aktuelle gesundheitspolitische Themen berät.
- Vor kurzem erhielt Edith Claußen den "SilverStar Förderpreis" für ihr Lebenswerk.
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