Die Generation Y stellt unsere „schöne Arbeitswelt“ infrage

Generation Y: Eingefahrene Arbeitsmodelle müssen auf den Prüfstand.

Heutzutage sind die Personal­verantwortlichen wirklich nicht zu beneiden. Zuerst sind die ­„fetten Jahre“ schier unbegrenzter Personalressourcen plötzlich vorüber, tritt nun auch noch „Generation Y“ auf den Plan und stellt unsere „schöne Arbeitswelt“ infrage.

Seit gut zehn Jahren werden die nach 1980 geborenen mit Generation Y bezeichnet. Als Kinder der Generation X haben Sie in den Familien miterlebt, dass der normale Berufsalltag und das harte Karrierestreben viel Verzicht an persönlichen Freiheiten und Lebensqualität bedeuten. Diesem Vorbild der Eltern wollen sie nicht mehr uneingeschränkt folgen.

Der Lebensstil der Y-Generation ist geprägt von der Digitalisierung der Welt und völlig neuen Formen der Kommunikation. Mit dem Handy in der Hand kommunizieren sie in den sozialen Netzwerken und genießen die individuelle Wahlfreiheit und Offenheit in ihrem Dasein.

Die in der Regel gut ausgebildeten jungen Menschen stellen damit unseren Wertekanon auf den Kopf. Seit über 100 Jahren haben sich die Arbeitskräfte dem betrieblichen Ablauf anpassen und unterordnen müssen. Jetzt fordert diese Generation, dass sich die Arbeitswelt an den Menschen anpassen soll. Ist unsere Wirtschaft überhaupt darauf vorbereitet? Im Moment sieht es danach noch unzureichend aus. Nur allmählich ändern Betriebe ihre Strukturen und stellen sich auf den Wandel des Karriereverständnisses der jungen Generation ein. Gelingt dies in den modernen Kreativberufen schon zunehmend, tun sich auf der anderen Seite in den klassischen produzierenden Bereichen die Unternehmen noch schwer.

Was ist der Generation Y wichtig? Neuesten Studien zufolge steht für 89 Prozent Unabhängigkeit und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können an erster Stelle. Gleich danach kommt schon die Forderung, dass der Beruf Spaß machen soll und genügend Zeit bleibt, das Leben auch zu genießen. Eine Karriere um jeden Preis (auch wenn dabei viel Geld verdient wird) lehnen die meisten ab.

Bereits ihre Eltern haben in den zurückliegenden Jahrzehnten bewusst mitbekommen, dass ein ungebremstes Wachstum, das Streben nach mehr, nicht mehr funktionieren kann. Die heute 20 bis 35-jährigen wagen erstmals den Ausstieg aus diesem Hamsterrad. Sie möchten in einer Gesellschaft leben, in der das Wir-Gefühl vor der individuellen Selbstverwirklichung steht.

Jetzt könnte man meinen, diese Generation ist nur verwöhnt, verweichlicht und hat keinen Sinn für die Realitäten. Aber ich glaube, mit einer derartigen Einschätzung tut man ihnen Unrecht. Vielmehr wissen sie ganz genau, dass sie sich auf der Grundlage ihrer hohen Bildung sehr engagiert einbringen müssen. Sie sind bereit, lebenslang zu lernen und nahezu die Hälfte dieser Generation weiß, dass sie im Laufe ihres Lebens in neuen Berufen mit anderen Qualifikationen konfrontiert werden. Funktionieren wird diese „kleine Revolution“ nur, wenn es den Unternehmen gelingt, unsere zukünftigen Fach- und Führungskräfte entsprechend ihrer tatsächlichen Begabungen und Interessen sowie mit sinnerfüllten Arbeitsplätzen zu beschäftigen. Mit einer unabhängigen und selbstbestimmten Generation können nur Vorgesetzte erfolgreich umgehen, die viel Empathie besitzen und einen sozialen Führungsstil pflegen.

Selbstverständlich müssen in diesem Zusammenhang auch eingefahrene Arbeitszeitmodelle, die Gestaltung von Arbeitsplätzen, die Präsenzpflicht im Unternehmen (Stichwort: Home Office) und viele andere Dinge auf den Prüfstand.
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3 Kommentare
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Joachim Kerst aus Erfurt | 03.08.2014 | 10:04  
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Silke Dokter aus Erfurt | 03.08.2014 | 11:25  
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Antje Hellmann aus Jena | 07.08.2014 | 18:28  
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