Die Geschichte ist der Hammer: Was ist Ostern?

Schöner Brauch: das Osterlachen. Der Tod wird verlacht.
Ein neuer Morgen dämmert. In Jerusalem geht die Sonne auf. Zwei Frauen sind unterwegs. Sie laufen zum Friedhof. Bald stehen sie vor einem Grab ohne Leiche. Wo Tage zuvor der Tote in die Felsnische gelegt wurde, finden sie nur noch einige Tücher. Beide sind schockiert. Als jemand hinter ihnen steht, vermuten sie den Gärtner. Eine der Frauen fragt: „Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast. Dann will ich ihn holen.“ Doch der spricht zu ihr: „Maria!“. Sie dreht sich um und sieht Jesus.

Es ist kein Traum. Es ist Ostern. Die größte Story der Weltgeschichte beginnt. Jesus Christus ist auferstanden - das ist Gottes Einspruch gegen den Tod. Gott ist gegen die Welt voller Sünde und gegen die Erde voller Friedhöfe. Er will das Leben. Mit der Auferweckung wurde Jesus das, was er von sich gesagt hatte:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh 14,6)


Unser Autor („Worte zum Sonntag“) und Theologe Egmond Prill beantwortet die
wichtigsten Leserfragen zum Osterfest.

Früher war der Karfreitag ein echter „stiller Feiertag“ – im Fernsehen durfte keine Werbung gesendet werden. Nehmen wir Ostern heute nicht mehr so ernst?
Der Karfreitag ist wie der Volkstrauertag nach dem Gesetz ein „stiller Feiertag“. Laute Volksfeste, Tanz und Disko soll es nicht geben. Zeit zum Innehalten und Nachdenken. In Israel ist der Versöhnungstag so geregelt, dass keine Eisenbahn fährt, der Flughafen geschlossen ist, der Busverkehr ruht und die TV-Sender nur ein Testbild zeigen. Ein Land kommt zur Ruhe. Juden, Christen, Moslems und Nichtgläubige gestalten sich diesen Tag persönlicher Stille. Schreiben wir ans Fernsehen und wenden uns gegen schrille Werbung, Horror und Gewaltfilme – vielleicht nicht nur am Karfreitag.

Warum wird das Osterfest eigentlich gefeiert und die vorhergehende Karwoche ist so besinnlich?
Die Wochen vor Ostern stehen im Kirchenkalender als „Passionszeit“. Erinnert wird an das Leiden Jesu vor seinem Tode. Die letzte Woche vor Ostern ist als „Karwoche“ in besonderer Weise auf das Sterben Jesu am Kreuz ausgerichtet. Mancherorts werden in der Kirche Altarbilder verhüllt, Zierrat und Kerzen abgeräumt. Am Ostermorgen aber, so sagt es die christliche Botschaft, bricht das Leben neu auf. Jesus ist auferstanden. Er lebt. Das wird seit alter Zeit dankbar gefeiert.

Warum feiern wir Ostern, obwohl nicht mehr so viele Menschen in der Kirche sind?
Deutschland ist ein christlich geprägtes Land. Religiöse Wurzeln zeigen sich im Festtagskalender. In Indien und in Saudi Arabien gibt es andere Feiertage. Ostern ist der höchste christliche Feiertag. Mit der Auferweckung des gekreuzigten Jesus von Nazareth beginnt der Glaube der Christen. Es liegt an den Christen, dass dieser Feiertag seinen Wert behält und für alle Menschen wertvoll wird. Feiern wir öffentlich und machen unsere Häuser und Herzen auf für Nachbarn und Freunde, die nicht (mehr) in der Kirche sind. Fröhliches Feiern verbindet.

Warum ist die christliche Ostergeschichte so unglaubwürdig?
Ja, die Geschichte vom Ostermorgen ist der Hammer. Von Anfang an gab es mehr Furcht als Freude. Frauen sehen als erste das leere Grab und geraten in Panik. Die Bibel beschreibt das sehr ehrlich. Die Leiche ist weg. Und kurz darauf erscheint Jesus. Er ist nicht aus dem Scheintod erwacht, sondern mit einem neuen Leib in ein neues Leben gekommen. Das ist ein Wunder.

Warum pilgern Christen nicht wie die Moslems – zum Beispiel zu Ostern nach Jerusalem?
Na, Ostern werden wieder viele Christen pilgernd in Jerusalem sein. Sie werden durch die „Via Dolorosa“ ziehen – oft mit Holzkreuzen oder Palmzweigen. Aus aller Welt und vielen Konfessionen kommen Pilger. Daneben gibt es Pilgerwege hier im Lande - kurze „Kreuzwege“ und lange Wege zu Wallfahrtskirchen. Im Gegensatz zum Islam, wo das Pilgern nach Mekka zu den Glaubenspflichten gehört, gibt es jedoch bei Christen keine Vorschriften.

Warum versteckt der Hase die Eier und was hat das mit Kirche zu tun?
Eine gute Frage. Ostereier, Osterhasen, Osterwasser und anderes finden wir nicht in der Bibel. Im Lauf der Jahrhunderte wurden Bräuche aus vorchristlicher Zeit übernommen oder neue Traditionen geschaffen. Ein schöner Brauch ist in den Orthodoxen Kirchen verbreitet: Osterlachen. Der Tod wird verlacht. Durch Jesus Christus hat das Leben gewonnen.

Gesegnete Zeit – frohe Ostern!
Egmond Prill
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10 Kommentare
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 06.04.2012 | 16:42  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 06.04.2012 | 19:17  
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Petra Seidel aus Weimar | 06.04.2012 | 21:06  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 06.04.2012 | 21:24  
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Renate Jung aus Erfurt | 09.04.2012 | 00:58  
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Petra Seidel aus Weimar | 09.04.2012 | 11:44  
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Renate Jung aus Erfurt | 09.04.2012 | 23:50  
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.04.2012 | 06:36  
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Astrid Geisler aus Pößneck | 29.04.2013 | 11:42  
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