Drei Zimmer, Lüge, Bad: Immobilienbetrug in den Metropolen hat jetzt auch Thüringen erreicht

Glück gehabt: Eine Frau in einer tatsächlich leerstehenden Wohnung. (Foto: Anspach)
 
Die Betrugsmasche mit gefakten Immobilienangeboten ist in Deutschlands Großstädten nicht neu. Jetzt hat sie Thüringen erreicht. (Foto: Weigel)

Frau Wang existiert gar nicht. Und die Wohnung, die sie zum Schnäppchenpreis in Erfurts bester Lage anbietet, gehört in Wirklichkeit jemand anderem.

„Vor etwa sieben Jahren haben wir erstmals die Betrugsmasche mit gefakten Immobilienangeboten registriert“, erinnert sich Sonja May, Sprecherin des Internetportals Immobilienscout24.de. „Die Masche ist dabei stets ähnlich: Es wird eine Immobilie zu einem sehr günstigen Preis angeboten. Im Laufe der Kommunikation wird behauptet, eine Besichtigung sei nicht möglich. Was dann folgt, ist der Vorschlag einer Schlüsselübergabe gegen eine Kautionszahlung.“

Bislang traten solche Fälle von Vorkasse-Gaunerei überwiegend in Deutschlands Metropolen auf. „In Großstädten ist der Druck auf dem Wohnungsmarkt größer“, erklärt May. „Zudem erreicht der Betrüger in einer Großstadt mehr Interessenten für eine Wohnung als in einer Kleinstadt.“ Das erhöht für ihn die Wahrscheinlichkeit, dass ein armer Tropf auf den Schwindel hereinfällt.

Jetzt hat die Masche Thüringen erreicht. „Seit ein paar Wochen bemerke ich immer wieder, dass unsere Mietwohnungen von irgendeinem Betrüger im Internet zum Verkauf angeboten werden. Heute heißt die angebliche Besitzerin Wang und morgen wieder anders“, sagt die Geschäftsführerin eines Weimarer Immobilienbüros, die nicht genannt werden möchte.

„Es gibt ja auch in Thüringen attraktive Immobilien-Standorte. In Erfurt, Weimar oder Jena herrscht teilweise regelrechter Wohnungsmangel“, weiß Dr. Ralph Walther, Geschäftsführer der Thüringer Verbraucherzentrale. Er rät, bei sehr günstigen Angeboten skeptisch zu werden. „Die Interessenten befürchten, dass ihnen ein besonders günstiges Angebot entgeht, wenn sie sich nicht sofort melden und Geld überweisen.“

Verräterisch ist es, wenn kein persönlicher Kontakt besteht, da der Eigentümer angeblich im Ausland sitzt. „Das sichere Kennzeichen für Betrug ist, wenn ein Vorschuss verlangt wird und man erst einmal keine Gegenleistung bekommt. Man wird hingehalten mit irgendwelchen komplizierten Zahlungswegen, die einem vorgaukeln sollen, dass es doch korrekt zugeht.“

„Grundsätzlich gilt wie bei allen Angeboten: Nutzen Sie den gesunden Menschenverstand. Wenn ein Angebot extrem preiswert ist, sollten die Alarmglocken angehen“, rät Dominique Schuh von der Landespolizeiinspektion Erfurt. „Ist ein Betrug offensichtlich, sollte man schnellstmöglich Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Ist das Kind in den Brunnen gefallen, so ist es meist nicht einfach, wieder an sein Geld heranzukommen. In diesem Fall sollte man sich schnellstmöglich mit seinem Kreditinstitut in Verbindung setzen. Auch kann es sinnvoll sein, sich den Rat eines Anwalts einzuholen.“

Die Internet-Immobilienportale kommen den Betrugsversuchen jedenfalls kaum hinterher - trotz technischer Filter und Abfragen oder dem Sperren von Nutzerkonten. „Dies gleicht oftmals einem Katz-und-Maus-Spiel, da die Betrüger ihrerseits ihre Strategie kontinuierlich anpassen“, klagt Sonja May von Immobilienscout24.de. „Pro Woche deaktivieren wir rund 500 Objekte bundesweit. Dazu eine Zahl im Vergleich: Pro Monat werden rund 150.000 neue Objekte auf unserem Portal eingestellt.“ Bei einer wachsenden Zahl und acht Millionen Nutzern monatlich entdecken laut May nur immer mehr Menschen die gefälschten Objekte. Dadurch entstehe ein falscher Eindruck. „Tatsächlich ist es so, dass die Zahl von Betrugs-Objekten abgenommen hat.“

Hintergrund: So schützen Sie sich vor Immobilienbetrug


- Zu schön, um wahr zu sein: Gehobene Ausstattung, allerbeste Lage - und das zu einem scheinbar unschlagbaren Preis? Bei unrealistisch niedrigen Preisen sollten die Alarmglocken läuten. Verdächtig ist, wenn der Anbieter im Ausland sitzt und die Kommunikation vorrangig auf Englisch stattfindet.

- Googeln: Wer im Internet nach dem Namen oder der E-Mail-Adresse des vermeintlichen Vermieters oder Verkäufers sucht, stößt schnell auf Seiten, auf denen andere Nutzer vor Betrügern warnen. Auf der Internetseite wohnungsbetrug.blogspot.com werden betrügerische Wohnungsanzeigen gelistet.

- Checken Sie im Verdachtsfall vor Ort: Existiert die Wohnung überhaupt? Wenn ja: Steht sie zum Verkauf oder zur Vermietung?

- Keine Vorkasse: Seriöse Anbieter werden vor der Besichtigung einer Immobilie grundsätzlich nicht auf die Zahlung von Geld bestehen. Sobald Sie um Vorkassen gebeten werden, ist dies ein eindeutiges Indiz für einen Betrugsversuch. Nach der Zahlungsanweisung hört man vom vermeintlichen Verkäufer nie wieder.

- Keine sensiblen Daten: Den eigenen Ausweis niemals in Kopie an Unbekannte verschicken, möglichst wenige persönliche Daten weitergeben - und erst recht keine Bankdaten.

- Den Nepp melden: Ist das Angebot offensichtlich ein Betrug, melden Sie es beim entsprechendem Immobilien-Portal und bei der Thüringer Verbraucherzentrale, Telefon 0361/555140. Stellen Sie zudem Strafanzeige bei der Polizei.
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