Ehe die Situation eskaliert: Wie Sie in sechs Schritten, Konflikte entschärfen.

Nicht bloß anschreien: Gehen Sie respektvoll miteinander um. (Foto: Uwe Wagschal / pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC |

Ein Riss geht durch die Gesellschaft! Durch politische Gruppen, den Familien- und Freundeskreis und auch unter Kollegen prallen unterschiedliche Ansichten über aktuelle Anlässe aufeinander. Die Stimmung ist aufgeladen. Wer in dieser Situation die Eskalation vermeiden will, der braucht Techniken und Methoden zum Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. Sich „kulturvoll streiten“ kann man lernen.

Ich gebe an dieser Stelle ehrlich zu, dass ich diesen Artikel auch unter einem selbsterzieherischen Aspekt schreibe. Denn auch mir fällt es nicht immer leicht, kon­träre Ansichten zu akzeptieren beziehungsweise die andere Seite verstehen zu lernen oder verstehen zu wollen. Doch dies ist eine zwingende Voraussetzung! Unterschiedliche Auffassungen über eine Sachlage werden erst dann zum Problem, wenn sie von einer Partei als nicht zu akzeptierende Unstimmigkeit aufgefasst werden. Sie merken es an Ihrem Puls oder an der Gesichtsfarbe, wenn dieser Zustand eintritt.

Was ist zu tun?


1. Das Problem:
Teilen Sie Ihrem Gesprächspartner an dieser Stelle mit, dass Sie mit den geäußerten Auffassungen nicht übereinstimmen, es für problematisch halten und eine andere Sicht der Dinge haben. Dazu gehört Mut, denn Sie melden in diesem Moment Widerspruch an. Insbesondere gegenüber Vorgesetzten oder in ­anderen Machtstrukturen ist dies nicht immer einfach. Und das oft anerzogene ­Verhalten gemäß dem Spruch „Der Klügere gibt nach“ will erst einmal überwunden werden.

2. Respekt:
Äußern Sie im zweiten Schritt Ihren Respekt beziehungsweise eine gewisse Achtung über die Tatsache, dass der Gesprächspartner eine andere Meinung hat. Sie können die Situation entspannen, indem Sie ihm zum Beispiel mitteilen, dass Sie gern mehr über die Hinter- und Beweggründe seiner Auffassung erfahren möchten. Erkennen Sie für sich aber gleichzeitig an, dass unterschiedliche persönliche Erfahrungen, andersartige Sozialisation, subjektive Einflüsse sowie die Verschiedenheit der persönlichen Verhältnisse oftmals die Ursache für andere Sichtweisen sind.

3. Zuhören:
Wer Meinungsverschiedenheiten abbauen oder entspannen will, muss dazu auch Gelegenheit bekommen. Das heißt, dass ich meinem Gegenüber auch die Chance geben muss, seine Sicht der Dinge zu erläutern. Er sollte „seine Fakten“ auf den Tisch legen dürfen. Unterdrücken Sie dabei möglichst Ihre Emotionen und negativen Signale zu den Aussagen: Stirnrunzeln, Kopfschütteln… Das gesamte Repertoire ablehnender ­Mimik und Gestik ist an dieser Stelle nicht hilfreich. Hören Sie wohlwollend zu.

4. Verständnis:
Seit Jahren hören wir im Rahmen der sogenannten Softskills, dass man sich im Umgang mit anderen Menschen empathisch zeigen soll. Empathie ist auch eine Lösungsvoraussetzung für Konflikte bei Meinungsverschiedenheiten. Ringen Sie sich zu einem gewissen Maß an Verständnis für die Ansicht des Gegenübers durch. Versuchen Sie sich emotional in seine Ausgangslage hineinzudenken und zeigen Sie Verständnis.

5. Gemeinsamkeit:
Die wenigsten Situationen sind wirklich hoffnungslos. Wenn sich zwei Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen begegnen und diese kundtun, dann gibt es trotzdem gemeinsame Schnittmengen. Diese Gemeinsamkeiten lassen sich finden, wenn man die strittigen Themen erweitert und in einen größeren Kontext stellt. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man konzentriert sich ­rückwirkend auf ­mögliche U­rsachen für den Konflikt und versucht, Übereinstimmungen zu finden oder man spricht mit Blick in die Zukunft gemeinsame Ziele an. Das Gemeinsame ist das Verbindende!

6. Fakten:
Jetzt sollte die Situation weitgehend entspannt und Raum für eine sachliche, faktenorientierte Diskussion geschaffen sein. Das Problem / der Streitpunkt kann jetzt in einzelne Aspekte untergliedert und mit den entsprechenden Fakten ausgetauscht werden. Je objektiver und nachprüfbarer die Argumente, desto eher erkennt ein gewillter Gesprächspartner auch eigene Fehler an. Problematisch wird es an dieser Stelle erst, wenn aufgrund von Wissensunterschieden keine Chancengleichheit in der Argumentation besteht. Ein Verweis auf mögliche Quellen beziehungsweise Vertagen der Diskussion ist sicherlich hilfreich.

Wohlwollende Menschen können mit diesen Hinweisen, die längst nicht vollständig sind, Konflikt­situationen entschärfen. Machen wir den ersten Schritt!
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