Elektromobilität im Test

Neue Formen der Elektromobilität – Stadtwerke und Allgemeiner Anzeiger testen Pedelec

Zwei Monate habe ich ein Elektrofahrrad gestestet – gemeinsam mit den Stadtwerken, die neue Formen der Elektro-Mobilität untersuchen. Ein sogenanntes Pedelec, ein Rad mit Kraftunterstützung aus einem Akku – in diesem Fall betrieben mit Naturstrom – sollte in der Stadt für Erleichterung sorgen.

Das Fahrrad fährt nicht, wie manche vielleicht denken mögen, wenn man die Beine einfach hochlegt und sich rollen lässt. Es unterstützt lediglich die Tretbewegungen. Angenehm fällt auf, dass es hier zu keinen Störungen im Tretfluss kommt. Allerdings, doch das scheint eine Macke des Kalkhoff-Rades selbst, springen die Gänge ruckartig um, manchmal erst Sekunden nach dem Schalten. Das ist unangenehm.

Die elektrische Unterstützung hat ganz sicher Zukunft, auch wenn sie sich derzeit noch mit Kinderkrankheiten herumschlägt.

Man kann sich gut vorstellen, wenn die Akkus leichter und effizienter werden, diesen zusätzlichen Schub in vielen Situationen dankbar in Anspruch zu nehmen. Vergleichbar vielleicht mit KERS, das in der Formel 1 derzeit für veränderte Bedingungen sorgt. Der kleine Schub für Zwischendurch sozusagen.

Derzeit sieht es aber noch so aus: Auf drei verschieden starke Unterstützungen sollen die Radler zurückgreifen. In englischer Sprache bietet der Schalter „high“, „mid“ und „low“ als Optionen. Wirkliche Unterschiede merke ich aber nicht, so dass ich zwei Monate mit dem mittleren Schub unterwegs bin, der auch voreingestellt ist.

Derzeit machen wohl leider die etwa 8 bis 10 Kilo mehr auf dem Rad dem Antrieb noch zu schaffen, genauso wir mir, wenn ich das Rad durch das Treppenhaus in den Hinterhof buchsieren will und nun nicht wie gewohnt mit einer Hand die Tür aufhalten und mit der anderen das Rad tragen kann.

Die Technologie hat aber ganz sicher noch Zukunft, schlägt sich derzeit aber eben noch mit Kinderkrankheiten herum.

Der erste Eindruck war aber zunächst ein guter: Die Bedienung ist unkompliziert, der Akku lässt sich problemlos einsetzen und wieder entfernen. Nach nicht ganz vier Stunden steht er wieder voll im Safte.

Man ist aber nicht schneller mit einem Pedelec, als mit einem anderen Fahrrad. Das jedenfalls zeigt der Praxistest. Denn Pedelecs schalten die Unterstützung ab, sobald sie eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern erreichen.

Der Vorteil: Für Pedelecs sind weder Führerschein noch Versicherung oder Kennzeichen nötig. Aber: Dieses Tempo ist bei sportlichen Fahrern rasch erreicht.

Bergab und gerade aus ist eine Unterstützung im Grunde nicht nötig. Hilfe wäre bei Bergtouren wichtig. Als Stadttester waren zumindest die Wege Richtung Flughafen oder Termine auf dem Petersberg auf meiner Strecke.
Doch hier macht der Akku nicht nur schneller schlapp, die erhoffte Unterstützung fällt trotz eines vergleichsweise kräftigem Lithium-Ionen-Akkus schwächer aus, als erhofft. Wer also im Büropark Airfurt arbeitet, aber Am Anger wohnt, wird dennoch verschwitzt auf Arbeit ankommen. Zwar erleichtert der Akku den Tritt ein wenig, mehr aber noch nicht. Die Beinmuskeln sind nach dem Ritt zum Flughafen dennoch geschwollen und das Hemd ist verschwitzt...

Fakt 3: Die Akkulaufzeit ist derzeit noch eine Art Wundertüte, weil man eben nicht genau weiß, wie das Streckenprofil des Tages aussehen wird. Ist der Akku einmal leergefahren, wirkt das Rad schnell träge und man möchte dann lieber darauf verzichten. Ein Daueranzeige mit drei Balken allerdings zeigt den Ladestand an und man kann sich daran orientieren. Für die langen Strecken nützt das aber wenig. Für Touren über 50 Kilometer ist das Rad also nur bedingt einsatzfähig, es sei denn, es ist eine längere Rast geplant und habe die Möglichkeit an eine normale Steckdose zu kommen. Dann kann man in zwei Stunden genug Strom für den Rückweg tanken.

Zuweilen lässt sich mit den Rädern, die derzeit auf dem Markt sind, schon erahnen, was da noch kommen mag. Ab und an, beispielsweise beim Anfahren, fühlt sich die zusätzlich Kraft gut an. Man kommt schneller von der Ampel weg, muss sich im Gegenzug aber von liebgewonnenen Gewohnheiten trennen. Beispielsweise, wenn man die Füße auf den Pedalen lässt. Denn dann will das Rad schon los, auch wenn noch nicht Grün ist...

Die Bremsen sind stärker als beim normalen Fahrrad, Probleme beim Anhalten gibt es nicht. Dass der Akku in der Mitte angeordnet ist, ist die beste Variante, weil es direkt unter dem eigenen Schwerpunkt die wenigsten Probleme mit der Balance bereitet.

Bereits in ein, zwei Jahren werden die Kinderkrankheiten abgestellt sein. Dann wäre ich sofort wieder gern ein Tester...
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5 Kommentare
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Peer Floeckner aus Erfurt | 25.05.2011 | 15:09  
Axel Heyder aus Erfurt | 26.05.2011 | 08:40  
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Steffen Weiß aus Gera | 26.05.2011 | 08:55  
Axel Heyder aus Erfurt | 26.05.2011 | 10:03  
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Gerald Kohl aus Erfurt | 31.05.2011 | 00:19  
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