Erkenntnis nach dem 50. Geburtstag: "Ich müsste mal aufräumen"

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Auf dem Roller macht ein Silver Ager wie Tom Werner doch auch eine gute Figur, es muss nicht immer das riesige Motorrad sein. (Foto: Anja Bauer)
 
Das Buchcover (Foto: Anja Bauer)

Der Erfurter Tom Werner ist seit seinem 50. Geburtstag ein echter "Silver Ager" - ob er nun will oder nicht - und singt mit seinem Buch ein vergnügliches Loblied auf die reiferen Jahre.


Ein Handy, mit dem sich 'nur' telefonieren lässt und deshalb Lachsalven auslöst, die Frage eines Mädchens, ob er schon Opa sei, merkwürdig-plötzliche Buchstabenverkleinerungen beim Lesen und mitfühlende Ratschläge von Arzthelferinnen machen Frank Hartmann stutzig. War sein Leben nicht eben noch ganz normal? Er, der erfolgreiche Familienvater und Mann in den allerbesten Jahren, beginnt doch gerade erst aufzublühen. Wieso ist nach dem 50. Geburtstag auf einmal alles anders? Tom Werner, selbst bekennender Angehöriger der Gruppe „50plus“, hat Frank Hartmann erfunden und charmant-vergnügliche Erlebnisse eines Silver Agers in seinem Buch festgehalten und spricht im Interview darüber:


“Ich müsste mal aufräumen“, konstatiert Ihr Buchheld Frank Hartmann. Was denn aufräumen - die Küche, das Leben, mit den Vorurteilen?


Das Leben. Und mit allen Vorurteilen. Vor allem mit dem, alles etwas biestig zu sehen. Der 50-plus-Mann neigt dazu, aufgrund seiner Erfahrungen und der fehlenden Achtung - die er gern hätte - , auch schon mal ein kleiner Nölarsch zu sein. Um das Ganze lockerer, entspannter und lustiger zu nehmen, sollte er einfach mal innerlich aufräumen. Das ist aber kein psychologisch tiefgründiges Buch, sondern sagt, man sollte über sich selbst lachen können.


Markiert der 50. Geburtstag eine Wende im Leben des Mannes?


Tatsächlich ist es so. Man(n) überlegt: Was hast du geschaffen, hast du ein Haus gebaut, ein Kind gezeugt, einen Baum gepflanzt? Und was kommt jetzt? Darum geht es. Viele 50-Jährige kaufen sich plötzlich ein Motorrad, fliegen damit hin und verkaufen es wieder. Weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass sie die Schwalbe von früher heute nicht mehr so gut fahren können.


Vielleicht hätten sie mit Mitte 20 das große Motorrad auch schon nicht beherrscht?


Das kann sein. Ich behaupte ja, dass bei uns 50-plus-Männern schon ein kleiner Altersstarrsinn anfängt. 'Ich kann alles noch, so wie früher', sind wir überzeugt.


Ah ja, das habe ich schon öfter gehört...


Wir haben nun mal eine gewisse Lebenserfahrung, das wollen wir uns nicht nehmen lassen. Wenn dann im Arbeitsleben ein 20-Jähriger kommt, der dir sagt, wie man es richtig macht und du selbst hast 30 Jahre Berufserfahrung, dann ist das nicht so einfach. Vor allem für Männer. Denn sie sind ja auch ein klein wenig eitel, mehr als Frauen. Und Fehler können die Männer auch nicht so gut zugeben.


Gehen Frauen mit dem Älterwerden überhaupt gelassener um?


Ja, unbedingt. Durch meine Berufe, Pädagoge und dann die Tätigkeit im kaufmännischen Bereich, habe ich so viele Frauen kennengelernt, die mit der 50 wesentlich entspannter umgehen. Zumindest im Bewusstsein. Für ihren Körper tun sie natürlich einiges, da sind Männer eher träge.


Der schlimmste Satz, den Ihr Buchheld Frank Hartmann hören könnte...?


Du musst mal aufräumen!


Der beste Satz?


Du bist toll! Jede Art von Lob nimmt Mann gern an. Wir Männer haben ja sowieso ein Lob-Defizit, ihr Frauen lobt uns zu wenig! Ihr macht euch ja über alles Mögliche, was wir tun, lustig. Die Männergrippe ist da ein typisches Beispiel. Wir leiden - und ihr könnt nur darüber lachen. Wir Männer sind das starke Geschlecht und werden von den Frauen runtergemacht...


Ihr Armen! Spricht da die eigene Erfahrung? Wieviel Tom Werner steckt in Frank Hartmann?


Da ist wirklich sehr viel drin. So 90 Prozent.


Lacht Ihre Frau laut bei der Lektüre der Geschichten?


Ich habe das Buch geschrieben, ohne dass meine Familie etwas über den Inhalt wusste. Über die Jahre, vor allem in der Pubertät unseres Sohnes, hatte ich die Geschichten gesammelt. Liebevoll hat mir meine Frau dann zu verstehen gegegeben: Mach mal. Ihr Frauen lasst uns ja viel Freiraum. Wenn ihr bereit seid, das zuzulassen... Zur ersten Lesung waren sie und mein Sohn aufgeregter als ich, haben sich extra in Ausgangsnähe gesetzt und ihre besten Freunde als Beistand mitgenommen, man weiß ja nie. Mein Sohn haute mir dann freundlich auf die Schulter. Und meine Frau hat wirklich laut gelacht und gesagt: Das ist 100 Prozent mein Mann. Aber ich soll darauf hinweisen, dass die Clara aus dem Buch nicht meine Frau Isa ist. Obwohl ich finde, das passt schon ziemlich genau.


Ist Humor sowieso das Patentrezept für alle Lebenslagen?


Absolut. Für alles. Humor öffnet auch Türen. Wenn man vieles entspannter sieht, hat man es wesentlich leichter.


Fällt es mit über 50 leichter, entspannter zu sein?


Das frage ich mich auch jeden Morgen. Aber doch, ja, weil Mann sich nicht mehr so beweisen muss. Aber reizen darf man uns auch nicht so sehr, dann brauchen wir wieder unseren Humor.


Was hat Ihnen die ganze 'Aufräumaktion' gebracht?


Eine gewisse Entspanntheit. Es gibt so Situationen, da sage ich mir, jetzt müsste ich eigentlich loslegen. Aber dann lasse ich es langsamer angehen, take it easy.


Das Buch



Tom Werner: „Ich müsste mal aufräumen“, Ringelbergverlag, ISBN 978-3-945850-02-2.

Der Autor



Tom Werner wurde 1961 geboren. Er lebte und arbeitete als Pädagoge in Göttingen, zuvor absolvierte er eine Ausbildung zum Versicherungs- und Automobilkaufmann. Seit 26 Jahren arbeitet er in der Automobilwirtschaft als Fachberater und Verkaufstrainer. Vor der Lektüre seines Buches warnt er: „Dieses Buch sollten nur Männer lesen, die über sich selber und über die Macken der Männer im Allgemeinen schmunzeln können.“
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