Europafreundlich, aber bürokratiefeindlich: Immer mehr Brüssel?

Matthias Grafe: "In bin sehr europafreundlich." (Foto: Axel Heyder)
Erfurt: Allgemeiner Anzeiger |

Für das Wirtschafts­magazin „HIER leben wir Leistung, wagen wir Ideen, schreiben wir Erfolg“ hat der Allgemeine Anzeiger Thüringer Unternehmer an einen Tisch geholt. Teilgenommen an der Gesprächs­runde haben Helmut Meyer, Inhaber des Personal­dienstleisters GeAT AG, LMI-Licensee Cornelia Stöckmann, selbstständig im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, Helmut Peter, Geschäftsführer der Autohaus Peter Gruppe, sowie Matthias Grafe, Managing Director der Grafe Advances Polymers GmbH. Moderiert wird die Runde vom Personalberater Matthias Freund (Human Resources Consulting).

Freund: Versprechen wir uns von Europa als mittelständische Unternehmer mehr? Haben wir dort das Bestreben, dass wir in diesem europäischen Prozess mehr Kompetenzen und zentralistische Dinge nach Brüssel abgeben? Haben wir da eher Befürchtungen? Wie sehen Sie das aus Unternehmerperspektive?

Peter: Deutschland sollte nicht unbedingt immer den Anspruch haben, Marktführer oder Bestimmer in Europa zu sein. Je mehr wir allerdings abgeben, desto mehr werden der Bürokratismus und die Prozesse noch weiter auseinander gezogen. Das sehen wir ja bei der Klagerei, was da passieren kann, wenn es bis nach Brüssel geht.

Meyer: Dass die Handygebühren im Ausland nicht mehr so hoch sind, ist eine der einzig positiven Entscheidungen, die in den vergangenen Jahren für mich aus Brüssel gekommen ist.

Grafe: Ich bin da ganz anderer Meinung. Wir werden gar nicht umhin kommen, wenn wir Europa zusammenführen, viele unserer Hoheiten auch weiterhin auf Europa zu übertragen. Das müssen wir einfach akzeptieren. Die einzige Gefahr ist, welche Mentalität und welche Systeme halten Einzug in Europa: die griechischen oder die deutschen? Das sind so die Extreme. Aber diese Fiskalunion wird immer mehr kommen. Der Euro ist so vertrackt, die Europroblematik nicht gelöst, sondern nur verschoben. Wir kaufen uns nur Zeit. Das Problem lässt sich nur lösen, indem wir solidarisch geschult für andere Menschen aufkommen. Das tun wir jetzt schon indirekt. In bin sehr europafreundlich. Ich bin nicht bürokratiefreundlich. Aber ich glaube, Europa ist die Chance unserer Generation und der Generation unserer Kinder. Sie sehen ja die Konflikte, die wir in Europa immer noch haben. Es droht ein Krieg. Wir sollten alles dafür tun, dass die Nationen zusammenarbeiten, vielleicht auch eine Solidarität untereinander besteht. Es gibt keine Nation, die so sehr vom Euro profitiert wie wir.


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