Flotter Stromer im Praxistest

Der Mitsubishi i-MiEV ist auf der Straße nicht zu übersehen. Zu überhören ist der nahezu geräuschlose Elektroflitzer schon.
 
Die Armatur zeigt nur das Nötigste: Batteriestand, Geschwindigkeit, Restkilometer und Gesamtkilometer.
Der Mitsubishi i-MiEV liegt beim Ampelstart ganz vorn: AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt testete das erste Großserien-Elektroauto.

Ein kurzer Dreh mit dem Zündschlüssel. „Bing“. Mehr ist nicht zu hören. An der Armatur leuchtet das Wörtchen „Ready“ auf. Aha, jetzt müsste der Motor laufen. Doch nichts, was summt oder ­vibriert. Unsicher trete ich aufs Gas-, pardon Elektro­pedal. Und siehe da, der Kleinwagen rollt tatsächlich los. Leise, fast lautlos gewinnt er an Tempo.

Der Mitsubishi i-MiEV ist das erste in Großserie produzierte Elektroauto auf dem deutschen Markt. Quasi ein Vorreiter auf dem Weg ins Batteriezeitalter. Nur ­schade, dass der Name des abgasfreien Mobils völlig falsche Assoziationen weckt. Darum sei klargestellt: i-MiEV heißt nichts anderes als „Mitsubishi innovative Electric Vehicle“. Viel wichtiger als der Name sind ohnehin die inneren Werte. Ich mache den Praxistest.

Im Erfurter Stadtverkehr ist der Elektroflitzer mit seinen 67 PS (49 kW) flott unterwegs. Da bei einem Elektromotor das volle Drehmoment sofort anliegt, fährt der Zwerg beim Ampelstart selbst Großen davon. Die Fahrmodi sind über einen Schalthebel, vergleichbar mit dem konventionellen Automatikgetriebe, zu aktivieren. Das leise Fahren ist ungewohnt. Für alle. Ich nehme unterschiedliche Straßenbeläge intensiver wahr, höre sogar Vögel zwitschern. Fußgänger bemerken das Auto kaum und sind irritiert, wenn ich sie aus dem Nichts überhole.

Nach knapp 100 Kilometern (in meinem Test die durchschnittliche Reichweite) blinkt die Batterieanzeige. Elektro-Tankstellen gibt es im Umfeld noch nicht. Also gehe ich im Verlagshaus ans Netz. Sechs Stunden muss der Kleine an einer normalen Steckdose andocken, um wieder ganz bei Kräften zu sein. Laut Mitsubishi reicht die Batteriekapazität von 16 kWh für 150 Kilometer. Verlassen sollte man sich darauf lieber nicht.

Auf der 85-Kilometer-Fahrt von Erfurt nach Nordhausen komme ich schon viel eher ins Schwitzen. Tempo 120 auf der vierspurigen Strecke und die zügige Berg- und Talfahrt lassen die Balken der Batterieanzeige nur so purzeln. Also Tempo drosseln und Finger weg von Heizung und Klimaanlage - sonst endet der Tag auf freier Strecke. Bergab lasse ich das Auto rollen. So wird der Motor zum Generator und verschafft mir Extrakilometer. Am Ende reicht es knapp bis zur rettenden Steckdose zu Hause.

Das Fazit: Der Misubishi i-MiEV ist ein umweltfreundlicher, flotter und wendiger Stadtflitzer mit günstigen Kilometerkosten (etwa 3,60 Euro pro 100 km). Nachteile sind die geringe Reichweite, die lange Ladedauer und der Preis: Das 3,48-Meter-Wägelchen kostet knapp 35.000 Euro.

Hintergrund:

Elektroautos sind auf deutschen Straßen noch seltene Exoten. Unter den mehr als 42,3 Millionen zugelassenen Pkw hierzulande „tanken“ nur rund 2300 Strom. Das besagt die Statistik des Verbandes der Automobilindustrie, Stand 1. Januar 2011. Die Zahl steigt langsam. Im ersten Quartal 2011 wurden 582 Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen. Das sind lediglich 0,08 Prozent der Gesamtzulassungen.

In Ballungszentren wie Berlin und Frankfurt/Main gibt es bereits öffentliche Ladestationen in Parkhäusern. Doch der Ausbau der Infrastruktur für E-Mobile steht noch am Anfang. In Thüringen wurde die erste und bislang einzige Stromtankstelle im Oktober 2010 von der E.on Thüringer Energie AG im ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Nohra bei Weimar eröffnet. Das Wirtschaftsministerium plant am 9. Juni einen Thüringer Tag der Elektromobilität mit Projektpartnern.
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