Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und in Minijobs

Frauen sind in Mittelthüringen genauso häufig sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie Männer. Der Frauenanteil liegt bei 49,5 Prozent und damit fast vier Prozent über dem deutschen Durchschnitt. „Die hohe Frauenbeschäftigung ist nur möglich, weil die Kindertagesbetreuung in der Region so gut ausgebaut ist. Die Betreuungsquoten von Kindern über zwei Jahren liegen zwischen 77 Prozent in Erfurt und 88 Prozent in Weimar und dem Weimarer Land“, sagt Beatrice Ströhl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt. Von knapp 190.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 92.500 weiblich. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Zahl der weiblichen Beschäftigten um 8 Prozent. Damit vollzog sich der Beschäftigungsaufbau bei Frauen und Männern gleichermaßen. Auffallend jedoch: Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit. 82 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten sind weiblich. „Nicht immer ist die Teilzeit gewollt. Gerade mit dem Ausbau der unfreiwilligen Teilzeit hin zu Vollzeit ließen sich viele Fachkräftepotentiale erschließen. Wer Personal sucht, sollte auch über diese Möglichkeit nachdenken“, sagt Ströhl.

Dazu kommt: Frauen sind deutlich häufiger geringfügig beschäftigt und entlohnt als Männer. Ihr Anteil liegt bei 58 Prozent. 5.500 Frauen haben zusätzlich zu ihrem sozialversicherungspflichtigen Job eine geringfügige Beschäftigung. Ihre Zahl steigt kontinuierlich.

Frauen sind nicht so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie Männer. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote von Frauen 2011 bei 9,5 Prozent. Der Frauenanteil ist mit 47 Prozent stabil. Von 11.500 Frauen im Jahresdurchschnitt ist fast jede Fünfte alleinerziehend. „Es gibt hier erste Erfolge. So wurde die Arbeitslosigkeit bei alleinerziehenden Frauen in den letzten Jahren gesenkt. Doch Alleinerziehende haben es oft besonders schwer, wieder eine Beschäftigung zu finden. Dabei ist die Hälfte nur kurzzeitig arbeitslos und über 70 Prozent haben eine Berufsausbildung oder ein Studium absolviert. In Zeiten des Fachkräftebedarfs können Unternehmen auf diese hochmotivierten Beschäftigten nicht mehr verzichten“, sagt Ströhl.

Zur Unterstützung gibt es in der Agentur für Arbeit eine Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, die ihre Dienstleistung sowohl Arbeitgebern als auch Jobsuchenden und Arbeitnehmern anbietet. Evelin Gösel führt gezielte Informationsveranstaltungen für Menschen durch, die nach einer Eltern- oder Pflegezeit wieder in ihren Beruf einsteigen wollen.



Erfurt: Hoher Teilzeitanteil in der Landeshauptstadt
51 Prozent aller Beschäftigten in Erfurt sind Frauen. Von insgesamt 100.500 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sind 51.500 weiblich. Innerhalb der letzten fünf Jahre stieg die Zahl der weiblichen Beschäftigten um 6 Prozent. Die Branchenstruktur in Erfurt mit den Schwerpunkten Handel, Dienstleistung, Öffentliche Verwaltung und Gesundheits- und Sozialwesen bewirkt den hohen Frauenanteil. Auch die Teilzeitbeschäftigung bei Frauen hat zugenommen. 15.200 Frauen arbeiten in Teilzeit. Damit liegt ihr Anteil bei 81 Prozent. „Die Wirtschaftsstruktur bewirkt auch, dass 10.500 Frauen in Erfurt geringfügig beschäftigt sind. Die meisten im Einzelhandel, im Gastgewerbe und im Dienstleistungsbereich“, sagt Beatrice Ströhl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt. Damit liegt der Anteil der Frauen an den Minijobbern bei 57 Prozent.

Im Schnitt verdienen Frauen weniger als Männer. In der Landeshauptstadt ist der Abstand zwischen Männern und Frauen jedoch geringer als in anderen Regionen: Während Männer. 2.294 Euro verdienen, sind es bei Frauen 2.201 Euro brutto pro Monat. In Erfurt werden 77 Prozent aller Kinder im Alter von über zwei Jahren in Kindertageseinrichtungen betreut. Damit ist die Betreuungsquote in der Landeshauptstadt am niedrigsten in Mittelthüringen.

Bei den Arbeitslosen sind Frauen in Erfurt weniger betroffen als Männer. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote von Frauen 2011 bei 9,9 Prozent. Der Anteil an allen Arbeitslosen ist mit 47,5 Prozent stabil. 5.058 Frauen waren im Jahresdurchschnitt 2011 in der Stadt Erfurt ohne Arbeit.

Landkreis Sömmerda: Frauenanteil liegt bei 43 Prozent
Der Frauenanteil an allen Beschäftigten liegt im Landkreis Sömmerda bei 43 Prozent und zählt damit zu den niedrigen in Mittelthüringen. Von 20.700 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Juni 2011 waren 8.900 Frauen. „Der hohe Männeranteil liegt an der wirtschaftlichen Prägung des Landkreises. Fast jeder Zweite arbeitet entweder im Verarbeitenden Gewerbe, im Baugewerbe oder in der Landwirtschaft. Dort sind traditionell eher Männerberufe zu finden“, sagt Ralf Neuland, Leiter der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Sömmerda. Noch stärker ausgeprägt ist es bei den Auszubildenden. Hier liegt der Anteil der Frauen nur bei 35 Prozent.
Innerhalb von fünf Jahren stieg die Zahl der weiblichen Beschäftigten um 10 Prozent. Gleichzeitig stieg auch die Teilzeitbeschäftigung von Frauen. 2.500 Frauen arbeiten im Landkreis in Teilzeit. Damit liegt ihr Anteil bei 82 Prozent. Bei den Minijobbern liegt der Frauenanteil bei 60 Prozent. „Unternehmen, die Fachkräfte suchen, sollten auch über eine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens bei ungewollter Teilzeit oder Minijobs nachdenken. Hier ist noch viel Potential zu erschließen“, sagt Neuland.

Frauen pendeln verstärkt zur Arbeit nach Erfurt und Weimar. So liegt der Anteil an weiblichen Pendlern bei 57 bzw. 52 Prozent.
„Auffallend sind die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen im Landkreis Sömmerda. Im Durchschnitt verdienen Frauen fast 400 Euro weniger. Gründe dafür sind u.a. die geringere Entlohnung durch die geringere Stundenanzahl bei Teilzeit und Minijobs“, erläutert Neuland. Im Schnitt verdient eine Frau 1.570 Euro brutto im Monat, ein Mann 1.958 Euro.

Bei den Arbeitslosen sind Frauen im Landkreis Sömmerda gleich stark betroffen wie Männer. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote von Frauen 2011 bei 11,3 Prozent. Der Anteil an allen Arbeitslosen ist mit 50 Prozent stabil. 2.116 Frauen waren im Jahresdurchschnitt 2011 im Landkreis Sömmerda ohne Arbeit.

Ilm-Kreis und nördlicher Ilm-Kreis: Frauenanteil an allen Beschäftigten liegt bei 42 Prozent
Der Frauenanteil an allen Beschäftigten ist im Ilm-Kreis mit 42 Prozent niedrig. Von 36.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 15.280 weiblich. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Zahl der weiblichen Beschäftigten um 10 Prozent. Auch die Teilzeitbeschäftigung bei Frauen hat zugenommen. 4.553 Frauen arbeiten Teilzeit. Damit liegt ihr Anteil bei 80 Prozent. „Die Region ist vor allem durch das verarbeitenden Gewerbe und die Bauwirtschaft geprägt – hier sind traditionell eher Männer beschäftigt. Daher ist der Frauenanteil an allen Beschäftigten gering. Das wirkt sich auch auf die Auszubildenden aus. Hier liegt der Anteil bei 35 Prozent“, sagt Martina Lang, Leiterin der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Arnstadt.

Anders sieht es bei den geringfügigen Beschäftigten aus: Der Frauenanteil bei den geringfügig Beschäftigten liegt bei 59 Prozent. 3.400 Frauen sind geringfügig beschäftigt. Frauen pendeln verstärkt zur Arbeit nach Erfurt und Weimar. Hier liegt der Anteil an weiblichen Pendlern bei 52 Prozent.
Im Ilm-Kreis gibt es Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen. Im Durchschnitt verdienen Frauen 300 Euro weniger. So liegt der Durchschnittsverdienst bei Frauen bei 1.715 Euro brutto im Monat, bei Männern bei 2.020 Euro.

Die Arbeitslosenquote der Frauen ist im Ilm-Kreis höher als der Männer. Im Jahresdurchschnitt 2011 lag sie bei 9,5 Prozent. Der Anteil an allen Arbeitslosen ist mit 49 Prozent stabil.


Stadt Weimar: Hoher Frauenanteil in der Kulturstadt
57 Prozent aller Beschäftigten in der Stadt Weimar sind Frauen. „Dieser hohe Anteil ist auf die wirtschaftliche Struktur der Region zurückzuführen: Zu den Hauptbranchen in der Stadt zählen das Gesundheits- und Sozialwesen, der Handel, Erziehung und Unterricht sowie öffentliche Verwaltung. Das sind Branchen, in denen vorrangig Frauen arbeiten. Und so sind auch 53 Prozent der Azubis weiblich“, erläutert Wolfgang Lepper, Leiter der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Weimar. Von insgesamt 23.100 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Weimar sind 13.200 Frauen. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Zahl der weiblichen Beschäftigten um 14 Prozent. Damit ist der Beschäftigungszuwachs vor allem bei Frauen zu verzeichnen. Bei Männern lag der Zuwachs bei 3 Prozent. Doch auch die Teilzeitbeschäftigung bei Frauen hat zugenommen. 4.300 Frauen arbeiten in Weimar in Teilzeit. Damit liegt ihr Anteil bei 84 Prozent. Bei den geringfügigen Beschäftigten liegt der Frauenanteil bei 61 Prozent. Vor allem im Handel, Gastgewerbe und im Gesundheits- und Sozialwesen sind viele Minijobber beschäftigt. „Unternehmen, die weiteres Personal brauchen, können auch durch die Erhöhung der Arbeitszeit – sofern von allen Beteiligten gewünscht – Potentiale erschließen“, sagt Lepper.

In Weimar verdienen Frauen im Schnitt sogar etwas mehr als Männer. Der Bruttomonatsverdienst beträgt bei Frauen 2.334 Euro, bei Männern 2.311 Euro. Ein Grund dafür ist der hohe Frauenanteil im öffentlichen Dienst.

Aufgrund der guten Beschäftigungschancen in der Stadt sind Frauen geringer von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Der Anteil an allen Arbeitslosen lag 2011 im Jahresdurchschnitt bei 45 Prozent. Damit lag die Arbeitslosenquote der Frauen bei 9,1 Prozent. 1.373 Frauen waren ohne Arbeit.


Kreis Weimarer Land: Anteil an weiblichen Beschäftigten steigt
47 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Weimarer Land sind Frauen. „Die Wirtschaftsstruktur im Landkreis beeinflusst die Beschäftigungschancen von Frauen und Männern. So sind vor allem in den regional bedeutenden Branchen wie dem Verarbeitenden Gewerbe, in der Landwirtschaft oder im Baugewerbe traditionell eher Männer tätig“, sagt Jeannette Austen, Leiterin der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Apolda. Der geringe Frauenanteil verstärkt sich noch beim Nachwuchs: nur 42 Prozent der Auszubildenden sind weiblich.
Von den 23.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 11.000 Frauen. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Zahl der weiblichen Beschäftigten um 8 Prozent, die der Männer um 5 Prozent. Auch die Teilzeitbeschäftigung bei Frauen hat zugenommen. 3.200 Frauen arbeiten in Teilzeit, damit liegt ihr Anteil bei 80 Prozent. Auch bei den geringfügigen Beschäftigten überwiegt der Frauenanteil: er liegt bei 58 Prozent. „Viele Minijobber sind vor allem im Handel, Gastgewerbe und im Gesundheits- und Sozialwesen zu finden. Durch eine Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung können Fachkräftepotentiale stärker ausgeschöpft werden“, sagt Austen.

Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern liegen bei 164 Euro. Frauen verdienen im Durchschnitt 1.766 Euro brutto pro Monat, Männer 1.930 Euro. Gründe dafür sind u.a. die geringere Stundenanzahl bei Teilzeit und Minijobs.

Frauen sind geringer von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. 1.555 Frauen waren im Jahresdurchschnitt 2011 im Weimarer Land ohne Arbeit. Damit lag ihr Anteil bei 44 Prozent.
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