Frauen bevorzugt

Frauenquote: Top oder Flop? (Foto: Gerd Altmann_AllSilhouettes.com/Pixelio)
 
In Thüringen stößt eine Frauenquote auf Ablehnung. (Foto: Gerd Altmann_AllSilhouettes.co/Pixelio)
Erfurt: Freund HRC | Nur ein gesunder Mix aus Männern und Frauen in den Führungsebenen garantiert ein erfolgreiches Arbeitsklima.

Aktuell mehren sich die Diskussionen, eine feste Frauenquote für Top-Positionen in der Wirtschaft einzuführen. Während im Westen Deutschlands die Forderungen nach einer Frauenquote lautstark artikuliert werden, sind in den Ostländern - vor allem aber in Thüringen - die Auffassungen darüber konträr. Thüringer Unternehmerinnen wollen keine gesetzliche Quote.

Die Diskussion erweckt den Eindruck, dass in den Chefetagen "dubiose Männer- Zirkel" sitzen. In abgedunkelten und schallgeschützten Räumen diskutieren sie dann darüber, wie sie verhindern können, dass Frauen in Spitzenpositionen eindringen. In meiner 20-jährigen Tätigkeit als Personalberater ist es mir allerdings kein einziges Mal passiert, dass ein Unternehmen, das eine herausragende Position zu besetzen hatte, mir zu verstehen gab, dass es keine Frauen als Bewerber akzeptiert.

Das genaue Gegenteil ist der Fall. Bei gleichen Voraussetzungen (Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen) gibt man sogar der Bewerberin den Vorzug. Denn es hat sich längst in den Industrieunternehmen herumgesprochen, dass erst ein gesunder Mix aus Männern und Frauen in den Führungsebenen ein erfolgreiches Arbeitsklima garantiert.

Woran liegt es also, dass in den führenden Unternehmen zu wenige Frauen in Vorständen und anderen Top-Positionen anzutreffen sind? Ich sehe dafür zwei Gründe:

1. Nach wie vor haben wir noch nicht das Problem der typischen Frauen- und Männerberufe bei der Berufswahl junger Menschen gelöst. Bei der Wahl des Studienfaches sind die klassischen Ingenieurdisziplinen und naturwissenschaftlichen Bereiche überproportional männlich dominiert.

Frauen streben nach wie vor in jene Berufsfelder, die schon immer in weiblicher Hand waren: Gesundheitswesen, Soziales, Bildung und Erziehung, Dienstleistung am Menschen. Dort besetzen sie mehrheitlich die Führungspositionen - allerdings befinden sich darunter nur wenige DAX-Unternehmen, für die eine feste Frauenquote gefordert wird.

Diese Fixierung ist für mich ohnehin fragwürdig. Ich kann jede Schule, jede Sozialeinrichtung, jedes Krankenhaus als ein Unternehmen betrachten. Sehe ich mir jetzt alle Führungspositionen nach Geschlechtern an, verschiebt sich die Statistik zugunsten der Frauen.

2. Der Weg nach oben ist ein harter, steiniger und aufopferungsvoller Weg. Leider herrscht noch immer die Auffassung vor, dass Karriere nur mit 120 Prozent Einsatz für das Unternehmen möglich ist. 14- bis 16-Stundentage, Arbeit am Wochenende und überall in der Welt, ständig das Firmenwohl im Auge behalten - das ist der Mythos des erfolgreichen Managers.

Nur wenige Frauen sind bereit, sich diesem Diktat zu unterwerfen. Für sie sind soziale Aspekte wie Familie, Freunde und Kinder wichtiger als nur die Karriere. Hier bedarf es eines kulturellen Wandels. Das Leitbild eines erfolgreichen Managers muss sich ändern. Seine soziale Einbindung und Verantwortung, sein kulturelles Engagement und sein privates Umfeld sollten dabei stärker in die Waagschale geworfen werden.

Erste Ansätze zum Umdenken kann ich in den großen Unternehmen feststellen. Zwar geschieht dies aus der "demographischen Not" heraus und nur allmählich aus Überzeugung. Aber es bewegt sich etwas! Bevor wir also über Frauenquoten und gesetzliche Regularien diskutieren, sollten wir lieber eine breite gesellschaftliche Aussprache darüber führen, was eine erfolgreiche Karriere ist und wie es mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Freizeit und sozialem Engagement weitergehen soll.

Ich freue mich auf Ihre Anregungen dazu,
Ihr Matthias Freund.
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3 Kommentare
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 22.10.2011 | 22:45  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 23.10.2011 | 11:46  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 23.10.2011 | 13:15  
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