Fundbüro: Die Kettensäge im Rathaus

Jancy Czichos, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Sömmerda, hält eine aufgefundene ­Motorsäge in den Händen. Foto: Heyder
30 Fahrräder und 40 Schlüssel – Im Fundbüro Sömmerda kommt einiges zusammen

SÖMMERDA. Herrenlos, aber nicht besitzlos. So heißt es im Fundrecht zu Dingen, die Menschen verloren ­gegangen sind. Mützen, Handys, Schlüssel, Geldbörsen – auch in einer kleineren Stadt wie Sömmerda kommt da einiges zusammen. Im Rathaus werden die Sachen nummeriert, eigetütet und gut sortiert verwahrt. Eine Fundanzeige hält alle Umstände fest.

 Eine Kettensäge ist auch dabei. Ein eher seltener Fund, den die Polizei gemacht hat. „Von der Ladefläche eines Autos gefallen“, wurde notiert. Damit der Besitzer wieder zu seinem Arbeitsgerät kommt, müsste er genaue Angaben zum Umstand des Verlustes machen können. „Wer noch seinen Personalausweis dabei hat, kann sein Eigentum gleich wieder mit nach Hause nehmen“, sagt Jancy Czichos von der Stadtverwaltung.

 30 Fahrräder und 40 Schlüssel, unzählige Brillen und im Sommer auch Sonnenbrillen landen im Fundbüro. „Der typische Finder ist zumeist männlich und etwas älter“, erklärt Stadtverwaltungsrat Ullrich Mittelbach, der Amtsleiter des Rechts- und Ordnungsamtes ist. Was nicht heißt, dass nicht auch andere Menschen etwas abgeben. Frauen, so vermutet er, mögen wohl nicht alles anfassen, was auf der Straße liegt.

 Warum es sich lohnt, Dinge abzugeben, erklärt der Amtsleiter auch. Zunächst hat jeder Finder einen Anspruch auf Finderlohn. Und der ist klar geregelt: Bis zu einem Wert von 500 Euro stehen dem Finder fünf Euro je Hundert Euro Wert zu, also bis zu 25 Euro. Hat die Sache einen höheren Wert, gesellen sich ab der Grenze noch einmal drei Euro je Hundert hinzu. Außerdem kann der Finder Eigentümer der Fundsache werden. Vorausgesetzt er möchte dies werden und nach sechs Monaten hat sich der vorherige Eigentümer noch nicht beim Fundbüro gemeldet. So konnte schon eine Geldbörse mit immerhin 200 Euro Inhalt an einen ehrlichen Finder übergehen.

 Wer Fundsachen einfach behält, ohne das anzuzeigen, macht sich strafbar. Das gilt auch für kleinere Dinge: Wird ein Wert von zehn Euro unterschritten, reicht aber ein Mitteilung ans Fundbüro – ohne es extra aufzusuchen. Eine Besonderheit gibt es zudem bei Behörden und in öffentlichen Verkehrsmitteln: Wer dort etwas findet, kann es gleich dort abgeben. Die Mitarbeiter sind entsprechend geschult, betont Mittelbach.

 Was nicht mehr zu gebrauchen ist, wird nach sechs Monaten Aufbewahrung vernichtet. Noch Nutzbares kann versteigert werden, was sich im beschaulichen Sömmerda nur selten lohnt. Auch eine gemeinnützige Einrichtungen kann zum neuen Eigentümer gemacht werden.
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.04.2013 | 00:21  
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