Gefühlt ist nicht gemessen

Uwe Klotz kennt sich aus in Sachen Wetter
Erfurt: Flugwetterwarte | Der Juli zu nass, November nur leicht zu warm . Das Wetter macht uns in diesen Wochen mächtig zu schaffen. Überhaupt hat es uns in diesem Jahr nicht gerade verwöhnt. Wir wollten mehr dazu wissen und sprachen mit dem Experten über das Wetter-Jahr 2010 und erhoffen uns einen Blick voraus.
Uwe Klotz, der Leiter der Erfurter Flugwetterwarte, stand uns Rede und Antwort:

Ein langer Winter, kaum Frühling, der Sommer zeigte sich auch nicht von seiner besten Seite und seit Wochen stöhnt das Land unter einer riesigen Schneelast. Was sagt der Experte, war das Wetterjahr 2010 ein ungewöhnliches?



Für uns Wetterexperten kann es ja nie ungewöhnlich genug sein, dass macht ja unsere Arbeit so interessant und abwechslungsreich. Und genau so kann man das Wetterjahr 2010 beschreiben!!! Die Ursache für das Ganze ist kurz und einfach zu erklären… wir leben nun mal in den Gemäßigten Breiten auf unserer Erde und da ist vieles möglich, was uns die Wetterküche so anbietet. Und 2010 hat die Natur da alle Register gezogen . Für die Landwirtschaft zum Beispiel war zu den wichtigen Zeiten kaum das gewünschte Wetter im "Angebot", und auch den Urlaubern wird dieses Jahr wohl eher länger in negativer Erinnerung bleiben.

Gibt es irgendwelche Rekorde zu verbuchen? Zum Beispiel war es im November ja mal ziemlich warm. …

der November hat zwar sehr mild angefangen, was ja bei uns sehr oft der Fall ist, ging aber zum Ende kalt aus… und da haben wir es mal wieder - gefühlt ist der November viel zu mild gewesen und die Statistik belehrt uns und zeigt gerade mal 0,8 Grad zu warm für die Erfurter an! Aber kleine Rekorde gab es auch für die Erfurter Bürger … so war (anders als deutschlandweit), auch der Juli 2010 schon viel zu nass. Ein weiterer Rekord ist die Schneehöhe für Erfurt. Am 27. Dezember 10 haben wir eine Schneehöhe von 45 cm an der Flugwetterwarte gemessen. Der bisherige Rekord seit unseren Aufzeichnungen hier am Flughafen betrug 40 cm (am 14. Januar 1985).

Haben Sie‘s schon geahnt, was uns an Schnee und Kälte erwartet?

Nein, wir hatten diesbezüglich keine derartigen Anzeichen. Eine seriöse Wettervorhersage ist aus heutiger Sicht nur bis zehn Tage sinnvoll.

Worin liegt die Ursache für diesen gewaltigen Wintereinbruch 2010?

Die Ursache finden wir in den herrschenden Großwetterlagen. Ist so eine massive Kaltluft erst einmal bei uns eingenistet und dazu noch mit so viel Schnee bestückt, bringt eine milde Südwestlage auch nicht gleich Frühlingswetter oder -gefühle. Das Ergebnis lautet dann oft: Temperaturen um den Gefrierpunkt, und das macht dann die Vorhersage noch schwieriger. Die Phase des Niederschlages bewegt sich dann zwischen Schnee, Regen oder dem gefährlich gefrierenden Regen.

Müssen Sie in der Flugwetterwarte der vielen Anfragen wegen derzeit Überstunden schieben?

Das kommt schon vor, aber das machen wir Wetterbeobachter von Haus aus gern, da ja so ein Beruf nicht nur als Job funktioniert, das ist schon eine Berufung. In unseren Schichtdiensten rund um die Uhr und jeden Tag und dann bei so einem Wetter wird uns schon sehr viel abverlangt. Aber den Feuerwehrleuten, Krankenpflegern, Ärzten - da kann man ganz viele aufzählen - geht es ja nicht anders.

Wie geht der Winter weiter?

Ich glaube, diese Frage hat sich von selbst beantwortet.

Dann vielleicht einen Ausblick bis Silvester..?

Nach heutigen Erkenntnissen weiterhin winterlich mit Temperaturen tagsüber dann wieder um den Gefrierpunkt mit viel Glätte, welcher Ursache auch immer!

Veröffentlichung am 29.12.2010
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