Geheimtipp Mühlhäuser Beiträge: Die Siegel der freien Reichsstadt Mühlhausen von Dr. Martin Sellmann

Es ist weg. Eingeschmolzen, geklaut. Wer weiß das schon. In einer privaten Wohnung vielleicht. Einst verhökert auf dem Flohmarkt? Von den Amerikaner als Souvenir mitgenommen? Das Königssiegel der Stadt Mühlhausen ist seit dem Ende des Krieges spurlos verschwunden. Dabei war man vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges noch so stolz darauf, dass die 228 Gramm schwere Bronzematrize, mit einem Durchmesser von 90 Millimetern, der Freien und Reichsstadt seit dem Mittelalter erhalten geblieben ist.

Es war der Jurist Dr. Martin Sellmann, der vermutlich 1939 seine Entschlüsselung des Stadtsiegels und einigen weiteren Siegeln der Stadt, vorstellte. Der Ausbruch des Krieges könnte Ursache sein, dass sein Manuskript ein ebensolches blieb. Sellmann, der 1982 starb, konnte nicht mehr miterleben, wie 2014 das, was er einst zusammengetragen hatte, Schwarz auf Weiß als Sonderheft 25 der Mühlhäuser Beiträge erschien. Dabei ist das Thema mehr als spannend, wie nicht nur der Herausgeber Peter Bühner findet. „Ich habe wohl mehr als 100 Arbeitsstunden investiert, damit das Büchlein erscheinen kann.“ Die damals andere Rechtschreibung musste beispielsweise an die Lesbarkeit heute angepasst werden, Bilder und Texte mussten zugeordnet und mehr als 400 Verweise ist Seitenzahlen im Anhang platziert werden. „Aber es hat sich gelohnt“, blickt Bühner zurecht stolz auf die Ausgabe. Mit der Legende, dass das Siegel ein Teil des Stadttores zeige, räumt Sellmanns Beitrag auf. „Es steht symbolisch für eine Burg.

Auch der König mit den Herrschaftsinsignien weist nicht auf einen konkreten Herrscher hin.“ Wann genau, und wer das Siegel geschnitten hat, ist nicht bekannt. Einige Jahrzehnte älter als in einer Urkunde vom 10. März 1269 muss es auf jeden Falls sein.

Die Bedeutung indes ist gut geklärt: Die Siegel mussten einen Mangel ausgleichen. Denn nicht jedem konnten Urkunden und Schriftstücke von den Herrschern oder dem Rat persönlich übergeben werden. Zweifelsfrei musste aber die Echtheit geklärt sein. Es verbürgte die Echtheit, die Rechtsgültigkeit, wie Sellmann einem Text anmerkt, der auch für heutige Verhältnisse unterhaltsam zu lesen ist. So geht er auch auf Fälschungen ein, die fast so alt sind, wie die Siegel selbst. Ein Beispiel dafür ist erhalten geblieben. Mit dem sogenannten falschen Ochsenbrief von 1570, wo ein windiger Händler sich ein Paar Tieren mit einem frei erfunden Siegel erkauft hat. Danach wurde die Fälschung von Siegeln unter Todesstrafe gestellt. Auf 40 Seiten und einem üppigen Anhang, mit gut erhaltenen Schwarz-Weiß-Fotos, geht es um Bedeutung, Herkunft, Behörden und Bauernkriegssiegel, Entstehungszeit und Verwendung. Nur eines kann eben nicht mehr geklärt werden: Was aus dem 1. Siegel der Stadt, dem Königssiegel, wurde.

Tipp: Die Siegel der freien Reichsstadt Mühlhausen (Thüringen). Mühlhäuser Beiträge, Sonderheft 25. ISBN 978-3-935547-58-1
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