Großelterndienste: Ich leih mir Oma und Opa

Großelterndienste sind ein kleiner Baustein in der Kinderbetreuung in einer mobilen Welt

Pensionäre haben etwas, wovon berufstätige Eltern nur träumen: viel, viel Zeit. Während den einen nach einem Leben mit täglicher Arbeit und Terminen plötzlich die Decke auf den Kopf fällt, wissen die anderen zuweilen nicht, wo sie zuerst anfangen sollen.

Eine kleine Entlastung – übrigens für beiden Seiten – können die Großelterndienste bieten. Zwei Vermittlungsstellen gibt es in Erfurt bereits.
Und das funktioniert so: Paare oder Alleinerziehende, die keine Eltern mehr haben, oder diese viele hundert Kilometer entfernt wohnen, wenden sich an die ehrenamtlichen Helfer der Großelterndienste. Dort werden Kontakte zwischen jungen Familien und Senioren geknüpft. Wenn die „Musik stimmt“, erklärt Vermittlerin Edelgard Vogt, entstehen oft langjährige Familienpatenschaften.

Ein bis zweimal in der Woche treffen sich die Senioren mit Eltern und Kindern. Sie basteln mit den Kleinen, holen sie vielleicht auch mal eher vom Kindergarten ab oder schlendern mit ihnen durch den Zoo. Ganz so, wie es leibliche Großeltern auch tun würden. Allerdings gibt es derzeit deutlich mehr Anfragen, als sich Senioren für das Ehrenamt angemeldet haben. Wie man die Vermittlung noch verbessern könne, versucht derzeit die LEG mit ihrer Arbeitsgruppe Kinderbetreuung24 herauszufinden.

Vertreter der 16 thüringischen Großelterndienste kamen deswegen vergangene Woche unter Leitung der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) im Frauenzentrum in der Pergamentergasse zu einem Erfahrungsaustausch zusammen. „Ziel des Workshops war es zum einen, Großelterndienste aus ganz Thüringen miteinander bekannt zu machen“, erläuterte Dr. Sigrun Fuchs, Projektleiterin von „Kinderbetreuung 24“. „Zum anderen haben wir auch Gäste aus anderen Bundesländern eingeladen, die über ihre Erfahrungen berichteten.“ Gewünscht ist, dass sich noch weit mehr solcher generationenübergreifenden Partnerschaften bilden. Denn, das zeigen die Erfahrungen: Es profitieren immer beide Seiten von gemeinsamen Unternehmungen. Der Wunsch nach Enkeln – und zu denen werden die „Leihenkel“ ganz schnell – erfüllt sich mit der Familienpartnerschaft ebenso wie das Verlangen von Eltern, den Kindern Oma und Opa bieten zu können.
Derzeit sind beispielsweise beim 1. Erfurter Großelterndienst rund 50 Leihgroßeltern aktiv. Warum es nicht mehr sind, erklärt sich LEG-Mitarbeiterin Dr. Sigrun Fuchs so: „Die Senioren sind heute nicht nur rüstiger als früher, sie gehen nach der Pensionierung auch öfter auf Reisen als einst.“
Dennoch ist das Potenzial „freiwilliger Großeltern“ noch lange nicht ausgeschöpft. Davon sind alle Beteiligten überzeugt. Und deswegen war das Arbeitstreffen der Thüringer Dienste so wichtig.

Ein Problem, an dem Dr. Sigrun Fuchs und ihr Team arbeiten, lässt sich aber auch mit Wunschgroßeltern nicht lösen: Wie lassen sich die Betreuungszeiten so verändern, dass den ‚mobilen’ Zeiten Rechnung getragen wird? Vor allem in Handel und Gastronomie, aber auch im produzierenden Gewerbe, passen Betreuungsangebote, die sich seit 30 Jahren nicht verändert haben, mit den Arbeitszeiten nicht zusammen.
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