Hamstern wie zu DDR-Zeiten- warum Winterreifen knapp und teuer werden

Die Knappheit bei Winterreifen sorgt in diesem Jahr vermehrt für Preissteigerungen.
 
Die Lösung der Händler: Hamstern wie zu DDR-Zeiten.
Die Zeiten, in den Waren rationiert wurden, liegen 22 Jahre zurück. Möchte man meinen, denn in diesem Winter scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Hersteller und Händler warnen seit Wochen vor einer drohenden Knappheit bei Winterreifen.

Die Nachfrage nach Winterreifen steigt kontinuierlich aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen wie der Winterreifenpflicht sowie den höheren Absatzzahlen in der Autoindustrie. Allein bis September dieses Jahres freuten sich Neu- und Gebrauchtwagenhändler über einen Zuwachs von rund 10%. Doch die Reifenindustrie passt die Produktion nur geringfügig an. Hersteller wie Continental, Michelin, Dunlop oder Goodyear produzieren nicht für Stoßzeiten, sondern auf Nummer sicher. Sie sind durch die Wirtschaftskrise 2009 vorsichtiger geworden, mussten sie doch teilweise Werke schließen.

Reifenkauf unter der Ladentheke
„Schon im letzten Jahr warnte die Reifenindustrie vor Knappheit aufgrund der neuen Winterreifenpflicht, aber es betraf noch nicht so viele Fahrzeugtypen“, schüttelt Großhändler Marko Schreiber aus Tüttleben ungläubig den Kopf. Der größte Teil der produzierten Reifen fließt in die Erstausrüstung der Autoindustrie, die verbleibende Ware erhält der Reifenhandel. Gegen die Knappheit kämpfen Autohäuser und Reifenhändler in ganz Europa. „Wir versuchen uns durch Warenverschiebungen gegenseitig zu helfen, das grenzt schon irgendwie an den Kauf unter der Ladentheke“, erklärt der Unternehmer seine Strategie. „Seit Monaten hamstern wir sämtliche verfügbare Reifen aus dem In-und Ausland. Da kommen alte Erinnerungen an DDR-Zeiten hoch.“ So ist das neue Lager in Tüttleben gefüllt bis unter die Decke. Wo normalerweise 10.00 Reifen lagern, liegen jetzt rund 50.000 Winterreifen auf Vorrat.

„Winterreifen werden gehandelt wie an der Börse“
„Das schlimme ist ja nicht nur, dass die Preise für Winterreifen durch die mangelnde Lieferfähigkeit der Hersteller um bis zu 30 % steigen. Richtig schlimm wird es, wenn trotz akutem Bedarfs kein Reifen mehr verfügbar ist.“ Denn: So genannte Reifeneinheiten, die außerplanmäßig bestellt werden, weil beispielsweise ein Reifen geplatzt ist, werden von der zugesagten Jahresmenge abgezogen. Dies betrifft laut Schreiber besonders das SUV- und Transporterreifensegment. „Gerade die selteneren Reifensorten werden derzeit gehandelt wie an der Börse, der Preis wird durch die Nachfrage in ganz Deutschland nach oben getrieben“, erklärt Reifenfachmann Schreiber das Preisphänomen. So mussten Kunden im letzten Jahr für VW T5-Reifen während der Saison das Doppelte bezahlen.

Schreiber kauft antizyklisch, schlägt im Frühjahr bei Winterreifen zu, wenn die Preise noch im normalen Bereich sind und der Markt entspannt ist. Dafür muss er schon mal ein halbes Jahr vorfinanzieren. „Wir haben unsere Kunden schon seit dem Frühjahr vorgewarnt und sehen anhand der Verkaufszahlen, dass viele unseren Rat angenommen und ihre Winterreifen bereits im Sommer gekauft haben“, zeigt sich Schreiber zuversichtlich. „Viele glauben noch an Panikmache, aber ich möchte keinem sagen müssen, dass er sein Auto für den Rest des Winters stehen lassen kann!“ Wo jetzt schon nur noch 70% aller Artikel auf Lager verfügbar sind, wird es selbst im Online-Handel in der Hochsaison heißen: „Artikel nicht mehr lieferbar.“
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