Heute geschätzter Kollege, morgen einsamer Vorgesetzter: Der nächste Schritt auf der Karriereleiter bringt oft Probleme mit sich

Wie geht man mit den alten Kollegen an, wenn man plötzlich ihr Vorgesetzter ist? (Foto: Thomas Max Müller/pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC |

Eine Karriere im eigenen Unternehmen hat auf den ersten Blick für den Betrieb und für den Mitarbeiter viele Vorteile. Man kennt die Gegebenheiten und ist mit den wesentlichen Prozessen sehr gut vertraut. Doch was wie ein bequemer Aufstieg auf der Karriereleiter aussieht, birgt in der Realität so manche Risiken und Gefahren.

In den meisten Fällen schlägt das Management Mitarbeiter für eine Führungsaufgabe vor, die durch ihre bisherige Arbeit positiv aufgefallen sind. Doch Führungskraft zu sein, hat nur zu einem geringen Teil etwas mit guter Arbeit zu tun. Es ist notwendige Voraussetzung, aber reicht bei Weitem nicht aus. Die Crux bei der ganzen Sache ist, dass typischerweise an einem guten Kollegen und einem "geschätzten" Vorgesetzten unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden. Die individuellen Angewohnheiten und das Führungsverhalten der Chefs sind schließlich das Tratsch-Thema Nummer eins in jedem Unternehmen.

Nutzen Sie den "Flurfunk"!


Werden fachliche und menschliche Fehler im Kollegenkreis toleriert, so dürfen Führungskräfte nur selten auf diese Nachsichtigkeit hoffen. Über Nacht ändern sich der kritische Blick und die Wahrnehmung von einer Person. Und spätestens an dieser Stelle sollte die zukünftige Führungskraft vor dem Karriereschritt selbstkritisch die eigene Vergangenheit im Unternehmen und die aufgebauten Sozialstrukturen im Kollegenkreis durchleuchten.

Sie ahnen, worauf ich hinaus will: Wer sich in seinem bisherigen Arbeitsumfeld nicht immer vorbildlich verhalten hat, dem wird man seine "Missetaten" in einer Konfliktsituation "um die Ohren hauen". Nutzen Sie daher den "Flurfunk", das Gespräch mit Kollegen und Vorgesetzten gleichermaßen, um ein möglichst realistisches Bild über Ihr bisheriges Wirken zu erlangen. Sollte jedoch die rückgewandte Bilanz mit Fragezeichen versehen sein, empfehle ich eher den Karriereweg in einem anderen Unternehmen zu suchen.

Falsche Freunde werden Sie in den ersten 100 Tagen erkennen.


Das Erklimmen der nächsten Sprosse auf der Leiter nach oben bringt Veränderungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen mit sich. So sollten Sie sich an eine gewisse Einsamkeit gewöhnen. Denn auch, wenn sie sich selbst nicht verändern, werden sich einige Mitarbeiter von Ihnen zurückziehen und Distanz aufbauen. Auf der anderen Seite ist eine gewisse Distanz vonnöten, damit Sie Ihre Führungsrolle gegenüber allen unterstellten Kollegen gerecht und objektiv wahrnehmen können. Enge Freundschaften müssen in diesem Kontext nicht aufgegeben werden.

Sie sollten aber von sich aus das Gespräch mit den Freunden suchen und auf die neue Situation hinweisen. Ein klares Statement zur strikten Trennung von Privat und Beruf ist mit Übernahme der Führungsaufgabe notwendig. Machen Sie diesbezüglich klare Ansagen! Falsche Freunde werden Sie ohnehin in den ersten 100 Tagen Ihrer Bewährung erkennen.

Im Spannungsfeld zwischen demonstrativ gezeigter Autorität oder falsch verstandenen Bestrebungen, Harmonie zu erzeugen, werden die meisten Fehler bei der Führung von Mitarbeitern gemacht. Die einen schießen über das Ziel hinaus und die anderen sind zu weich. Jetzt sitzen sie aber zwischen den Stühlen. Vom Management bekommen sie klare Vorgaben und es wird von ihnen erwartet, dass sie diese im Interesse des Unternehmens in ihrem Verantwortungsbereich durchsetzen. Der Druck baut sich plötzlich von zwei Seiten auf.

Es kommt darauf an, die richtige Balance in der Führungsarbeit zu finden. Gute Unternehmen bereiten daher ihre zukünftigen Führungskräfte darauf vor, mehr Verantwortung zu übernehmen. Nutzen Sie bitte solche Bildungsangebote.

Zehn Tipps


• Kommunikation steht vor Anweisung.
• Lernen Sie zu entscheiden.
• Stellen Sie sich Konflikten.
• Erarbeiten Sie sich Autorität durch eigene Leistung.
• Fehler können passieren - stehen Sie dazu!
• Nutzen Sie die Erfahrung der Leistungsträger unter den Mitarbeitern.
• Delegieren Sie Aufgaben.
• Üben Sie Kritik und sprechen Sie Lob zum richtigen Zeitpunkt aus.
• Sagen Sie in bestimmten Situationen Nein.
• Entwickeln Sie Sensibilität und Empathie über Ihre Führungsrolle.
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1 Kommentar
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Renate Jung aus Erfurt | 24.01.2015 | 22:55  
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