Home Office ist keine neue Erfindung, wird aber immer populärer - zu Recht!

Produktiv im Chaos? Selbstdisziplin ist für Heimarbeit die Grundvoraussetzung. (Foto: Almut Nitzsche / pixelio.de)
 
Home Office: Auf der Wunschliste der Generation Y weit oben. (Foto: Andreas Morlok / pixelio.de)

Heimarbeit. Ich wähle bewusst diesen alten Begriff aus den 50er- und 60er-Jahren, da das Thema „Arbeiten zu Hause“ keine neue Erfindung ist. In den Nachkriegsjahren bis weit in die Sechziger hinein haben – vorwiegend Frauen – aufgrund der alten Rollenverteilung versucht, mit Heimarbeit weiterhin erwerbstätig zu sein. Es war der zaghafte Versuch, Kinderbetreuung mit Erwerbstätigkeit zu verbinden, vor allem aber die magere Haushaltskasse aufzubessern.

Mit Blick auf die Arbeitsmarkt- und Arbeitskräfte­situation von heute ist es nur folgerichtig, dass der „Heimarbeit“ oder „Tele-Heim­arbeit“ wieder mehr Beachtung geschenkt wird. Home Office, flexible Arbeitszeitgestaltung, flexible Arbeitsmodelle sind die neuen Trends, Beruf und Familie oder die Überwindung der Distanzen zwischen dem Arbeitsplatz und dem Wohnort sinnvoll und produktiv zu verbinden.

Das klassische Büro verschwindet


Flexible Arbeitszeitmodelle mit unterschiedlichen Anfangs- und Endzeiten sind schon in etwa 65 Prozent der Unternehmen gelebte Praxis. Flexible Arbeitsorte bieten jedoch nur knapp acht Prozent der Firmen in Deutschland ihren Mitarbeitern an. Natürlich ist das Arbeiten von zu Hause kein gängiges Modell für alle Berufsgruppen. Dort, wo Maschinen und Anlagen bedient werden müssen, in der Landwirtschaft oder in den Berufen mit einem „Dienst am Menschen“, wird auch in Zukunft die Anwesenheit im Betrieb notwendig sein.

„DAS BÜRO“ wird jedoch bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus einen deutlichen Aderlass erfahren. 1500 Unternehmer gaben erst kürzlich in einer Umfrage an, dass bei ihnen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung immer mehr klassische Büroarbeitsplätze verschwinden werden beziehungsweise die Anwesenheitspflicht im Unternehmen durch Telearbeit stark verringert werden kann. Für die Unternehmen gibt es handfeste ökonomische Vorteile. Man spart zum Beispiel Büroflächen, Arbeitsplätze und hat die Chance, Mitarbeiter besser an das Unternehmen zu binden. Das „teilweise“ Arbeiten am häuslichen Arbeitsplatz steht auf der Wunschliste der Generation Y (Männer wie Frauen) weit oben.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten! Unproblematisch wird die Telearbeit weder von Arbeitgebern noch von Arbeitnehmern gesehen. 41 Prozent der Unternehmen fürchten Nachteile durch mangelnde Kommunikation mit den Kollegen und Vorgesetzten. Dies wird nahezu genauso von den Arbeitnehmern angesprochen. Sie wünschen sich den regelmäßigen Austausch mit ihren Kollegen und die dabei entstehenden sozialen Kontakte. 24 Prozent der Mitarbeiter haben Angst, es könnte für sie eine Mehrbelastung im Unternehmen bedeuten, wenn Teile der Kollegen zu Hause arbeiten. Dahinter steckt der Verdacht beider Seiten, dass die Produktivität im eigenen Heim geringer ist als die im Büro.

Heimarbeit in besonderen Lebenssituationen


Auf der anderen Seite weiß man längst, dass niemand acht Stunden am Stück produktiv in einem Büro arbeiten kann. Arbeitgeber bezahlen häufig zwei bis drei Stunden täglich nur die Anwesenheit. Insofern kann freie Zeiteinteilung produktivitätsfördernd sein, wenn es gelingt, den Arbeitstag frei und individuell an die biologische Leistungskurve anzupassen. Selbstdisziplin ist aber die Grundvoraussetzung dafür.

Unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile werden aber die Heimarbeitsplätze in den nächsten Jahren zunehmen. Nahezu 70 Prozent der deutschen Unternehmen sehen dafür einen Bedarf. Heimarbeit erleichtert die Ausübung des Berufes in besonderen Lebenssituationen. Sei es die Geburt eines Kindes oder die Pflege von nahen Familienangehörigen. Die zeitliche Befristung auf Monate oder ein paar Jahre ist unter diesen Umständen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen interessant. Aber auch im Wochenrhythmus – ein bis zwei Tage Heimarbeit – wird von vielen Arbeitnehmern als wertvoller Aspekt der „Work-Life-Balance“ angesehen und angestrebt.
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