Hund Fine lässt sich gern etwas vorlesen und tut damit Gutes

 

Fine ist ein geduldiger Zuhörer, die Kleinen lieben sie dafür: Das Projekt "Lesen mit Hund" hilft Kindern mit Schwierigkeiten beim Lesen und weckt die Lust an Sprache und Literatur.




H - U - N - D - E - L - E - I - N - E. Ach Hundeleine. Puh, ist das ein schweres Wort. Es dauert, bis sich die einzelnen Buchstaben miteinander verbinden und endlich im Ganzen über die Zunge wollen, ein bisschen holprig noch. Fine ist das egal. Sie hat Zeit. Niemals würde sie drängeln oder die Augen verleiern, vielleicht sogar lachen über den Leseversuch mit dem ausgedehnten Anlauf. Fine ist ein Hund. Sie liebt es, sich vorlesen zu lassen. „Und wenn es eine halbe Stunde dauert, bis der Satz raus ist, Fine wartet, ohne unruhig zu werden“, ist Besitzerin Susanne Wille stolz auf ihre geduldige, gelehrige Königspudeldame. Sie hat sie extra zum Therapiebegleithund ausgebildet. Als dieser hat sie bei den Kindern eine besondere Aufgabe übernommen.


Heute ist Termin in der Bibliothek Drosselberg im Haus der Astrid-Lindgren-Grundschule. Ein paar Schüler aus der dritten und vierten Klasse scharen sich um Susanne Wille und den Hund. Sie wollen wieder Lesen üben. Manchmal, im Unterricht, werden die anderen Schüler ungeduldig, wenn es mit dem lauten Lesen nicht so recht vorwärts gehen will. Wenn sie dann noch laut lachen, geht gar nichts mehr. Wie soll es da besser werden, wenn man es nicht nur nicht gut kann, sondern auch das Selbstvertrauen schwindet? Die Lösung heißt Fine. Alle zwei Wochen kommt Susanne Wille, die Erziehungswissenschaftlerin ist und eine Hundeschule betreibt, in der sie auch Therapie- und Begleithunde ausbildet, in die Bibliothek. Im Projekt „Lesen mit Hund“, das sie ebenfalls in der Bibliothek am Berliner Platz anbietet, lesen Kinder Fine vor. Ganz ohne Stress und Druck, in einer wunderbar entspannten Atmosphäre. „Der Hund fungiert dabei als Motivator, als Brückenbauer“, freut sich Susanne Wille über ein Konzept, das aufgeht. Nicht nur das Lesen an sich stehe im Mittelpunkt, fügt sie hinzu. Vielmehr möchte sie bei den Kleinen die Lust wecken, sich mit Literatur und Sprache zu beschäftigen. Ganz am Anfang müssen die Kinder erst einmal lernen, wie man mit Hunden umgeht, ohne diese Regeln geht es nicht. Auch dann, wenn die ausgebildete Fine sich selbst im größten Stress nicht aus der Ruhe bringen lässt.


Ganz behutsam, mit jeder Menge Fingerspitzengefühl führt Susanne Wille die Kinder an das Vorlesen heran, macht mit Spielen und Quizrunden Lust auf mehr. Es dauert gar nicht viele Lesestunden, bis die Grundschüler sichtlich Fortschritte machen, sogar selbst der Fine kleine Geschichten erzählen. Hier fühlen sie sich sicher, hier trauen sie sich etwas zu. „Darauf sind wir wirklich sehr stolz“, sagt Susanne Wille über das erfolgreiche Projekt. Das gibt es inzwischen seit einem Jahr, es ist beim Amt für Bildung und der dazu gehörigen Stadt- und Regionalbibliothek am Domplatz angesiedelt. Wie sehr es die Kinder lieben, „ihrer“ Fine vorzulesen, sieht man nicht nur daran, dass sie das mit dem Lesen schon sehr viel besser hinbekommen. „Wir haben auch schon mal in den Ferien zu uns eingeladen - und da sind etliche Kinder freiwillig hergekommen, manche wollten sogar, dass die Eltern extra den Urlaub verschieben“, spricht Susanne Wille über neu geweckte Leselust und gewachsenes Selbstvertrauen.


Die Hundepädagogin:



Susanne Wille wurde 1984 in Erfurt geboren, studierte Erziehungswissenschaften und Sozialwissenschaften an der Universität Erfurt und promoviert derzeit zu Qualität und Gelingensbedingungen tiergestützter Arbeit. Neben ihrer wissenschaftlichen Ausbildung absolvierte sie die Ausbildung zum Schulhundebesuchsteam durch „Hunde helfen Menschen e.V.“ sowie die ISAAT-zertifizierte Weiterbildung „Tiergestützte Pädagogik, Tiergestützte Therapie“ am Institut für soziales Lernen mit Tieren wie auch mit allen ihren Hunden eine externe Therapiebegleithundeausbildung. Weitere Infos:www.hundepaedagoge.de; www.hundeschule-susanne-wille.de
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