Immer mehr Pfeifen statt Führungskräfte

Von vielen Führungskräften ist nur heiße Luft zu erwarten. Wem die notwendigen Qualitäten fehlen, wird schnell als Pfeife durchschaut.
Erfurt: Freund HRC | In der deutschen Wirtschaft, aber auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie Politik, Staat und in den Kommunen herrscht ein "besonderer Notstand" - der Mangel an geeigneten Führungskräften. Nahezu 60 Prozent der Unternehmen beklagen sich darüber, in den eigenen Reihen und unter den Bewerbern nicht genügend Menschen zu finden, die bereit und geeignet sind, Führungsverantwortung zu übernehmen. Tendenz steigend!

Ich selbst spüre diese Schieflage in meiner Tätigkeit als Personalberater täglich. Dabei ist es nicht nur ein der Demographie geschuldetes quantitatives Problem, sondern vor allem ein qualitatives. Worum geht es dabei? Was ist eigentlich eine Führungskraft? Im täglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe "Manager" und "Führungskraft" häufig in denselben Topf geworfen. Doch dies ist nicht richtig.

Vereinfacht gesagt, ist ein Manager für einen klar definierten Bereich verantwortlich, ein Manager ist auch Verwalter. Führung hingegen ist ein Teilbereich des Managements. Damit werden individuelle Fähigkeiten zur Beeinflussung von Menschen umschrieben - die Führungskompetenzen. Managementkompetenzen, zum Beispiel Planen und Organisieren, kann man mit Fleiß und Engagement lernen. Bei den Führungskompetenzen wird es schon schwieriger. Hier spielen zutiefst individuelle, persönliche Faktoren eine sehr wichtige Rolle. Befragungen von Arbeitnehmern, wie sie sich eine gute Führungskraft vorstellen, zeigen seit Jahren dieselben Ergebnisse.

Demnach ist eine gute Führungskraft jemand,
• dessen Persönlichkeit eine besondere Ausstrahlung besitzt,
• der nicht nur verwaltet, sondern Visionen für Erneuerung und Fortschritt entwickelt,
• der authentisch ist, ein gesundes Selbstbewusstsein und die notwendige fachliche Autorität besitzt,
• der auf die Menschen zugeht und sie dort abholt, wo sie stehen, ihnen vertraut und dabei auch Risiken eingeht,
• der von seinen Handlungen überzeugt ist, überzeugend argumentieren kann und Entscheidungen trifft,
• der das langfristige Ziel im Auge behält, mit Widerstand leben kann und nicht "harmoniesüchtig" ist.

Diese Aufzählung ist noch unvollständig. Eines wird jedoch deutlich: Die überwiegende Mehrzahl der Menschen fühlt sich zu eher "charismatischen Persönlichkeiten" hingezogen. Es fällt uns also leichter, die Führungsrolle von Menschen zu akzeptieren, die anders sind als wir selbst, aber so, wie wir gerne wären. Das tragende Fundament von Charisma, griechisch: "Gnadengabe", ist ein hohes Selbstwertgefühl. Dieses zu entwickeln, ist ein langwieriger Prozess. Die frühkindliche Erziehung, Schule und Ausbildung stellen dazu Weichen. Die Förderung von Begabungen, die rechtzeitige Übertragung von Verantwortung und die Schaffung von Führungsgelegenheiten spielen eine wichtige Rolle.

Meines Erachtens werden in unserer heutigen Gesellschaft diese Dinge nahezu überall vernachlässigt. Die Übernahme von Verantwortung ist für viele junge Menschen nicht mehr erstrebenswert oder kommt in der persönlichen Werteskala erst auf den hinteren Plätzen. So brauchen wir uns nicht wundern, dass in vielen Führungsetagen immer mehr Pfeifen statt Führungskräfte sitzen. Diese Lücken werden dann von Karrieristen oder Verwaltern geschlossen, die sich selbst berufen fühlen aber nicht berufen sind.
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5 Kommentare
meinanzeiger .de aus Erfurt | 30.12.2013 | 12:52  
meinanzeiger .de aus Erfurt | 30.12.2013 | 12:53  
meinanzeiger .de aus Erfurt | 30.12.2013 | 12:54  
78
Ronald Koch aus Ilmenau | 03.01.2014 | 17:29  
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