„Iss dich glücklich!“ Die Erfurterin Karina Both-Peckham erklärt, wie das funktioniert

„Iss dich glücklich!" heißt der Blog von Karina Both-Peckham. Dies klappt auch mit einem Stück Kuchen ab und zu, versichert die Erfurterin.
 
Marokkanisches Gemüse mit Harissa-Joghurt ist eines der Lieblingsgerichte von Karina Both-Peckham. (Foto: Karina Both-Peckham)
Erfurt: Peckham's House |

Alle an einen Tisch: Ganz egal, ob Veganer oder Fleischesser - „Iss dich glücklich!“ rät die Erfurterin Karina Both-Peckham in ihrem Blog.

Karina Both-Peckham hatte sie alle: die fettigen Fast-Food-Burger, die fleischlosen Veggie-Gerichte und das Paleo-Steinzeitessen, das ohne Ackerbau und Viehzucht den Teller füllt. Nachdem sie sich durch die verschiedenen Ernährungsformen gefuttert hatte, wusste sie endlich, wie sie sich glücklich isst. Und so hat sie auch ihren Internet-Blog genannt, auf dem die Wahl-Erfurterin eigene Kochrezepte teilt, Erfahrungsberichte schreibt und Wissenswertes rund ums Essen berichtet. „Dinge, die ich höre, rieche, schmecke.“

Mit blumigen Kleid und Rotem-Lippenstift-Lächeln sitzt die 36-Jährige in ihrem Erfurter Café-Restaurant, das sie mit ihrem Mann betreibt und in dem sie kocht und backt. Sie sieht tatsächlich recht glücklich aus und verrät gerne, wie das klappt. „Indem man Sachen isst, die gut schmecken, aber auch einen positiven Effekt haben. Nämlich, dass man sich körperlich gut fühlt, dass man Energie hat, dass man zufrieden ist.“ Klingt eigentlich ganz einfach. Ist es aber nicht. Denn es geht längst nicht nur darum, satt zu werden oder dass es gut schmeckt. Bei all dem vegan, bio, Low Carb, Slow Food, laktose- und glutenfrei ist aus einfachem Essen eine komplizierte Wissenschaft geworden.

„Ein Bioapfel aus Deutschland hat im Februar eine schlechtere CO2-Bilanz als ein Bioapfel aus Neuseeland.“

Food-Bloggerin Karina Both-Peckham


„Die Verunsicherung ist derzeit riesig groß“, stimmt die 36-Jährige zu. „Das ist aber, glaube ich, gar nicht so schlecht. Diese Phase wird dazu führen, dass sich die Leute endlich mal mit ihrer Ernährung auseinandersetzen und den richtigen Weg für sich finden.“ Das Luxusproblem unserer Konsumgesellschaft ist laut Both-Peckham, dass es in Deutschlands nichts gibt, was es nicht gibt. Dieser Boom müsse zunächst aufgearbeitet werden. „Alle müssen sich erst einmal orientieren.“

Die Bistroköchin will dabei gerne helfen und mit Ernährungsmythen aufräumen - mit ihrem Blog, mit ihren Social-Media-Beiträgen, mit Vorträgen und Koch-Workshops. Immer mal wieder kocht sie auch für die „ZDF Drehscheibe“. Derzeit schreibt sie an ihrem ersten Kochbuch, das Ende des Jahres erscheinen soll. „Ich habe unseren Gästen schon vor Jahren versprochen, dass ich ihre Lieblingsrezepte aufschreibe.“ Der Höhepunkt, kündigt Karina Both-Peckham an, ist dabei ihr Komponenten-System, das sich aus verschiedenen Ernährungsformen die Leckerbissen herauspickt.

„Es wird ja immer schwieriger, seine Freunde zum Essen einzuladen. Horror! Ich möchte gerne wieder alle an einen Tisch bringen.“ Und alle essen das Gleiche - der Veganer, der Vegetarier, der Gast mit Lebensmittelunverträglichkeiten und der Flexetarier, der Fleisch zwar isst, aber nur in Maßen. Serviert wird dann zum Beispiel Pizza mit vier verschiedenen Belägen. „Die Toleranz muss aber so weit gehen, dass sich alle ein Backblech teilen“, sagt die Gastronomie-Quereinsteigerin, die eigentlich studierte Kommunikationswissenschaftlerin ist.

„Eine Biogurke, verpackt in einer Plastikfolie, ist wie ein PETA-Anhänger im Pelz.“

Food-Bloggerin Karina Both-Peckham zitiert eine Weisheit aus dem WorldWideWeb


Karina Both-Peckham bezeichnet ihren Weg als Idealistenküche, weil sie nachhaltig und bio ist. Dabei setzt sie nicht auf Siegel, sondern auf Vertrauen. Sie bevorzugt Gemüse, alles möglichst saisonal und regional, möchte aber nicht völlig auf Fleisch und Fisch guter Qualität verzichten. „Das ist die Kombi-Ernährung, die ich für mich entdeckt habe, über die auch viel auf meinem Blog poste und die ich sukzessive in unserer Caféküche integriert habe. Dabei gilt: Je naturbelassener, desto besser. Denn die Natur weiß schon, was sie macht.“ Erstaunlicherweise findet die junge Mutter alle Zutaten auf dem Erfurter Wochenmarkt. „Da habe ich schon beim Einkauf ein richtig gutes Gefühl. Und wenn ich es gegessen habe, dann erst recht.“

Dabei haben doch viele derzeit vor allem eines beim Essen: ein schlechtes Gewissen. „Die Lösung ist aber nicht, möglichst das Gewissen zu ignorieren“, sagt Both-Peckham und nennt die vier Gründe für ein schlechtes Gewissen: zu süß, zu fett, insgesamt zu viel und dann noch Fleisch, von dem man nicht weiß, ob es dem Tier zu Lebzeiten gut ging. „Aber da kann man ja was machen.“

Sie informiert in ihrem „Iss dich glücklich“-Blog, welchen Zucker man sich auch mal gönnen darf, welche Fette gar nicht schlecht sind und wie man Heißhungerattacken vermeiden kann. Von zu programmatischen Ernährungsformen, die zu viel verbieten und zu sehr kasteien und erziehen, hält sie dabei nichts. „Dann macht das Essen keinen Spaß mehr. Ich denke auch, dass es nicht die eine richtige Ernährungsform gibt. Dann lieber breit gefächert.“


Hintergrund:

Ausbaufähig: Sie ist Administratorin der Facebook-Gruppe „Glutenfrei in Erfurt“ mit Restaurants- und Einkaufstipps - derzeit noch mit wenig aktiver Beteiligung.

Grundrauschen: Auf Instagram (issdichgluecklichblog) pflegt sie ihr Food-Diary, ihr Ernährungstagebuch. Montags bis Freitags fotografiert sie hier ihr Mittagessen, manchmal auch das Frühstück oder Kuchen.

Jeder kann kochen:
Seit zwei Jahren gibt sie am Wochenende Kochkurse im Peckham's. Diese Workshops sind allerdings schon bis September 2017 ausgebucht.

Vita: https://about.me/KarinaBothPeckham

Food-Blog: https://issdichgluecklichblog.wordpress.com

Peckham's: https://www.facebook.com/I.like.Peckhams, www.peckhams.de

Rezepttipp: Marokkanisches Gemüse mit Harissa-Joghurt


Einkaufszettel für 4 Personen
2 Möhren
1 Brokkoli
1 Zucchini
100g grüne Bohnen
200g Aprikosen, eingeweckt
100g Softdatteln
100g Sultaninen
100 g Joghurt (ggf. laktosefrei)
10 g Harissa-Paste
2 EL Rosenwasser
200 g Hirse
2 EL Olivenöl
1,5 TL Meersalz
1 TL Koriander, gemahlen
2 TL Kreuzkümmel, gemahlen
1 TL Zimt, gemahlen
1 TL Kardamom, gemahlen
1 TL Paprikapulver
1 Granatapfel
100g Cashewkerne


Zubereitung
Gemüse waschen, Brokkoli in Röschen teilen, Möhren und Zucchini in Scheiben schneiden, Bohnen putzen. Koriander, Kreuzkümmel, Zimt, Kardamom, Paprikapulver und 1 TL Meersalz vermengen, Gemüse in eine Auflaufform geben, 2/3 der Gewürzmischung und 1 EL Olivenöl hinzugeben, verrühren, bei 180 Grad circa 15 Minuten im Ofen backen. Hirse mit der doppelten Wassermenge und 1/2 TL Meersalz zum Kochen bringen, 1 EL Olivenöl unterrühren, ohne Hitze ausquellen lassen.
Aprikosen kleinschneiden, mit dem süßen Aprikosen-Aufguss, Datten, Rosinen, 1/3 der Gewürzmischung und 2 EL Wasser in einem Topf unter Rühren aufkochen, bei geringer Temperatur 10 Minuten köcheln lassen.
Joghurt mit Harissa und Rosenwasser verrühren. Alles auf einem Teller anrichten und mit herausgelösten Granatapfelkernen und Cashewkernen garnieren.


How to make it...

Low Carb: Ersetzt die Hirse durch Blumenkohl-Mandel-Hirse: Einen rohen, gewaschenen Blumenkohl in der Küchenmaschne klein heckseln und mit 200 g blanchierten Mandelwürfeln, 1 TL Olivenöl und einer Prise Meersalz in der Pfanne anbraten.

Paleo: Ersetzt Hirse durch Blumenkohl-Mandel-Hirse (Rezept siehe LowCarb). Wählt naturbelassenen Kokosmilch-Joghurt und verzichtet auf die grünen Bohnen.

Flexitarisch: Dazu passen hervorragend gebackene Hähnchenschenkel, die bei 180 °C Heißluft mit Meersalz, Olivenöl, Kreuzkümmel, Koriander und Paprikapulver gewürzt 30 Minuten gebacken werden.

Vegan: Verwendet naturbelassenen Kokosmilch-Joghurt.
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2 Kommentare
13.094
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 01.10.2016 | 08:20  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 01.10.2016 | 13:16  
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