Job-Profil: Herr Haase, wie ist das Leben als Triebfahrzeugführer?

Jena Haase fährt bei der Erfurter Bahn einen Triebwagen, den RegioShuttle RS1.
 
Aus dem Lokführer ist mittlerweile ein Ausbildungslokführer geworden.
Erfurt: Am Rasenrain 16 |

Mit einem Klischee räumt Sven Haase gleich auf: Nein, Lokführer war zu Kindertagen nicht sein Traumberuf. „Ich bin da eher reingerutscht“, erinnert er sich. Motoren haben ihn damals schon fasziniert, doch die Ausbildungsplätze im Kfz-Gewerbe waren rar. So kam er zur Bahn, wurde Triebfahrzeugschlosser mit der Spezialisierung Triebfahrzeugführer. „Das war damals die exakte Berufsbezeichnung“, klärt er auf.


Haase arbeitet gern für die Eisenbahn. Die Verlegenheitslösung hat sich als Glückgriff erwiesen. Da stört auch die rollende Woche im Schichtdienst nicht. „Für Außenstehende ist unser Arbeitsrhythmus schwer nachzuvollziehen. Aber man gewöhnt sich dran“, erklärt er. Krumme Anfangszeiten, die sich am Fahrplan orientieren, Nachtarbeit und Feiertagsdienst – damit hat er sich arrangiert. Lohn dafür ist eine abwechslungsreiche Tätigkeit.

Ständig aufpassen, aber nicht lenken


Als Lokführer muss man ständig die Signale und Strecken beobachten, vorgeschriebene Haltepunkte einhalten, auf die Geschwindigkeit achten und Reisende überwachen. „Nur lenken muss ich nicht“, meint Haase, der deshalb vor Busfahrern großen Respekt hat. „Ich fahre immer dahin, wo ich will.“

Schmutzig macht er sich dabei nur noch im Störungsfall. Längst gehören weißes Hemd und Krawatte zur Dienstkleidung. Die Zeiten des Blaumanns sind vorbei. Dafür hat moderne Technik Einzug in den Führerstand gehalten. Deshalb, so Haase, sei technisches Verständnis so wichtig für angehende Lokführer. „Außerdem sollte man Spaß daran haben, relativ große Fahrzeuge zu bewegen.“ Und natürlich sei es ein Beruf mit Zukunft: „Lokführer werden gebraucht, denn Zügen fahren immer.“

Als Ausbilder noch immer auf der Strecke


Haase selbst hat sich vor vier Jahren aus dem aktiven Fahrdienst verabschiedet. Mittlerweile ist er zum Lehr- und Ausbildungslokführer bei der Erfurter Bahn aufgestiegen. Der Wechsel brachte neuen Schwung in sein Leben, neue Aufgaben und mehr Verantwortung. Er organisiert nicht nur den Dienstunterricht der angestellten Lokführer, sondern auch die praktische Ausbildung der Lehrlinge. „Es macht Spaß, sein Wissen an andere weiter zu geben“, resümiert er. Im Triebwagen ist er aber noch immer unterwegs. „Ich muss ja regelmäßig fahren. Sonst verfällt mein Führerschein.“

HINTERGRUND


Was?
Die aktuelle Berufsbezeichnung lautet Eisenbahner/in im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport. Die Eisenbahner steuern Loks und Triebfahrzeuge im Nah- und Fernverkehr und transportieren dabei Personen und Güter. Sie sorgen in der Regel als Lokführer und Lokführerinnen, aber auch als S- und U-Bahn-Fahrer und –Fahrerinnen für einen reibungslosen Ablauf im Schienenverkehr.

Wer?
Berufsanwärter sollten über einen Realschulabschluss mit guten Noten in Deutsch, Mathe und Physik verfügen. Der Bewerber muss verantwortungsbewusst und zuverlässig sein, Entscheidungsstärke besitzen, analytisch denken können und sich für Technik begeistern. Er darf keine Wahrnehmungsstörungen (z.B. Farbenblindheit) und keine Geh- oder Stehbehinderungen haben.

Wo und wie?
Die duale Ausbildung in einem Eisenbahnunternehmen dauert drei Jahre.

Vita Sven Haase

1985 bis 1987 Ausbildung zum Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn
bis 1994 Arbeit als Lokführer
1994 bis 1998 Arbeitszugführer
ab 1998 Lokführer bei der Erfurter Bahn
seit 2011 Lehr- und Ausbildungslokführer

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