"Kaffee der Gemeinschaft": Gegen die Einsamkeit in Plattenbaugebieten wie dem Erfurter Herrenberg

Nächster Termin: 26.01.2016 10:00 Uhr bis 27.12.2016 13:00 Uhr

Wo? Kaffee in Gemeinschaft, Stielerstraße 3, 99099 Erfurt DE
Die Hände in den Schoß zu legen, kann sich der 70-jährige Jochen Erlmeier nicht vorstellen. Lieber heißt er die Besucher im "Kaffee der Gemeinschaft" willkommen, außerdem engagiert er sich auch in anderen Projekten.
 
Das Stadtteilzentrum am Erfurter Herrenberg. In solchen großen Wohngebieten ist es besonders wichtig, dass Menschen Anlaufstellen haben, einander begegnen können, nicht anonym in Einsamkeit und Teilnahmslosigkeit versinken.
Erfurt: Kaffee in Gemeinschaft | Jeder ist wichtig, sagt Jochen Erlmeier. Der Rentner und ehemalige Lehrer engagiert sich am Erfurter Herrenberg im "Kaffee der Gemeinschaft" und sorgt so für mehr Nähe im Plattenbaugebiet.

Irgendetwas fehlt. Das ist nicht nur Jochen Erlmeiers Eindruck, seiner aber vor allem. Es geht anonym zu in dem großen Wohngebiet, die Plattenbauten am Erfurter Herrenberg scheinen prädestiniert dafür, Menschen auf Abstand zu halten. Das Stadtteilzentrum versucht sich dem entgegenzustemmen, doch es steckt wohl noch in den Kinderschuhen. „Hier war nicht so viel los, es fehlte einfach das Leben darin“, erinnert sich Jochen Erlmeier an seine Beobachtung aus dem vergangenen Jahr.

Er ist einer, dem es fremd ist, untätig zu sein. Dabei hätten er und seine Frau, die erst kurz zuvor aus Thüringens Norden in die Landeshauptstadt gezogen sind, alle Hände voll zu tun sich einzugewöhnen, die Stadt zu erkunden. Dafür ist auch so genügend Zeit, das funktioniert nebenbei. Dass hier am Herrenberg etwas passiert, ist wichtiger. Schnell finden sich Gleichgesinnte zusammen: Die Netzwerkgemeinde und das Jesus-Projekt, bei denen sich der Neu-Erfurter Jochen Erlmeier sowieso schon einbringt, und die International Missions Church eröffnen im Stadtteilzentrum am Herrenberg - das viele noch als Jugendclub „Urne“ kennen - ihr „Kaffee in Gemeinschaft“. Immer dienstags öffnet es seit letztem Mai die Türen und begrüßt die Gäste. Zu Kaffee und Tee, einem kleinen Imbiss, vor allem aber, um in Gesellschaft zu sein.

Jeder ist willkommen


“Bei uns ist jeder herzlich willkommen, er muss auch nicht auf dem Herrenberg wohnen“, freut sich Jochen Erlmeier jede Woche neu auf die Besucher. Noch hat es sich nicht überall herumgesprochen, dass hier ein Treffpunkt für alle ist, die Lust auf Gesellschaft und gute Gespräche haben - sofern sie mögen. Manch einem der Besucher tut es gut, wenn ihm wieder einmal jemand zuhört, sich interessiert. „Ich habe hier schon viele gute Gespräche mit lieben Gästen geführt“, erzählt Jochen Erlmeier und nimmt sich Zeit. Jeder, der herkommt, ist wichtig. Und die Gespräche, fügt er hinzu, drehen sich nicht zwangsläufig um Gott und den Glauben, auch, wenn drei christliche Einrichtungen das Projekt unterstützen. „Wir zeigen einfach, dass wir Christen sind“, spricht Jochen Erlmeier über Selbstverständliches, über das Sich-Einbringen, über Freizeit, die man anderen widmet. Christen, das sind für ihn einfach ehrliche Menschen, die die Normen der Gesellschaft einhalten und jedem Menschen Achtung erweisen, so fasst er es zusammen. Er mag es gar nicht, im Mittelpunkt zu stehen, viel lieber möchte er seine anderen freiwilligen Helfer um ihn herum erwähnen: Kerstin Stelter, Marlies Dauer, Stefan Brombach, Klaus-Dieter und Petra Bach, Stefan Barwe, Ursula Selczuk. Ohne sie würde das „Kaffee in Gemeinschaft“ nicht funktionieren.


Auch den Helfern selbst tut es gut, hier zu sein, etwas zu bewegen. Jochen Erlmeier möchte die Dienstagsstunden am Herrenberg nicht mehr missen, hofft darauf, noch mehr Menschen damit zu erreichen. Obwohl er auch mit dem sogenannten „Prominentenessen“ montags im Jesus-Projekt für jene, die alles andere als prominent und gutbetucht sind, und dem Sprachunterricht, den er als ehemaliger Lehrer Migranten erteilt, ausgelastet sein müsste. Der 70-Jährige ist keiner, der die Hände in den Schoß legt. Viel lieber tut er etwas. Für andere.


Kaffee in Gemeinschaft:


An jedem Dienstag von 10 bis 13 Uhr, Stadtteilzentrum am Herrenberg, Stielerstraße3 in Erfurt. Veranstalter: International Missions Church Erfurt, Netzwerkgemeinde, Jesus-Projekt Erfurt.

Plattenbaugebiete in Thüringen:


In Thüringen gibt es in zahlreichen Städten Plattenbaugebiete, meist in Orten mit mehr als 5.000 Einwohnern. Entstanden sind diese zu DDR-Zeiten, oft im Zusammenhang mit der Errichtung neuer Kombinate in der Nähe. Seit 1990 wurde viel für die Wohnumfeldverbesserung getan, dazu gehören Sanierung, Abriss und auch Rückbau. Dennoch sind die Plattenbaugebiete oftmals die sozialen Brennpunkte der Städte.

Die größten Plattenbaugebiete Thüringens sind bzw. waren zu DDR-Zeiten Erfurt-Nord (bis 50.000 Einwohner), Erfurt-Südost (bis 40.000 Einwohner), Jena-Lobeda (bis 35.000 Einwohner), Gera-Lusan (bis 45.000 Einwohner) sowie die großteils aus Plattenbauten bestehende ehemalige Bezirksstadt Suhl (bis 55.000 Einwohner). Damit waren die größten Plattenbaugebiete Thüringens nur halb so groß wie die größten der DDR, die (beispielsweise in Halle-Neustadt) bis zu 100.000 Einwohner fassen konnten. Weitere Orte, die großteils aus Plattenbaugebieten bestehen, sind Leinefelde, Hermsdorf und Seebach. Dort entstanden die Wohngebiete nach der Gründung großer Industriebetriebe im Ort. (Quelle: Wikipedia)
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