Kaum zu glauben: BHW verkauft Kundenzeitschrift an Vorschüler

Zweimal das gleiche Magazin in den gleichen Haushalt: Von einem 5- und einem 7-jährigen Kind lässt sich die BHW-Bausparkasse das mit je 95 Cent für das Magazin bezahlen.
Erfurt: BHW Geschäftsstelle | Eltern sind genervt. Kaum sind die Sprösslinge auf der Welt, schon sind sie da, die ganzen Werbeschreiben. Geheimhalten lässt sich der Nachwuchs kaum. Und irgenwann werden selbst Grundschülern schon Kundenzeitungen verkauft.

Die Bergrüßungspakete von Firmen wie Pampers oder Nestle mit Warenproben lassen sich Eltern noch gefallen. Sie werden mit niedlichen Söcken und kostenlosem Breichen geködert. Das mag irgendwie nützlich sein auf der Suche nach den richtigen Produkten.

Doch Vorsicht, gerade bei Babynahrung sollten die Kleinen nicht konditioniert werden: Hier empfiehlt es sich, immer wieder den Nahrungsanbieter zu wechseln. Denn durch die Verwendung bestimmter Zutaten wird versucht, die Kinder schon geschmacklich auf Nestles Vanille-Aroma zu trimmen. So, dass sie sich später als Erwachsene beim gleichen Anbieter bedienen.

Bankpost für Dreijährige - und Kinderarbeit
Und schon kommen die ersten Banken mit Kreditangeboten, Offerten für Sparverträge und Konten adressiert an "Herrn Schn ... ". Doch Herr S. kann sie nicht lesen. Er ist erst drei Jahre alt.

Für die Krankenkasse müssen Eltern dann in bestimmten Abständen einen Antrag ausfüllen, welche Nebenjobs ihre Sprößlinge ausüben und ob sie somit noch berechtigt sind, familienversichert zu sein. Das schadet nicht, nervt aber gewaltig.

Dabei weiß die Kasse anhand ihrer Daten selbst bestens, dass die Kinder noch nicht einmal in der Schule sind. Tags zuvor mahnen sie nämlich noch an, alle verpflichtenden Untersuchungen für Kleinkinder, die sogenannten "U"s vom Kinderarzt auch abstempeln zu lassen.

Mürbe machende Bürokratie, Tausende von Euros fließen sinnlos für das Porto in die Gosse. Die genau wer bezahlt? Richtig!

Kindgerechte Themen der BHW-Zeitschrift: Fassaden, Haustüren, Dämmung und Bad-Trends

Und zum Thema Finanzen läuft das fast immer so: Großeltern, Onkel oder Tanten schenken den Enkeln, Neffen, Nichten Geld zum Geburtstag - oder zu Weihnachten, zur Konfirmation oder Jugendweihe.

Und was machen Eltern damit? Sie sammeln es ein Weile auf einem Sparbuch zu einem halben Prozent Zinsen. Bis sie damit unzufrieden sind. Nun entschließen sich beispielsweise für einen Bausparvertrag. Dort werden drei Prozent versprochen.

An sich eine vernünftige Sache, doch wenn man schlecht beraten wird, wie in diesem Fall in der Erfurter BHW-Geschäftsstelle, dann kann einem auch folgendes passieren: Obgleich der Berater weiß, in welchem Alter die Kinder sind, kümmert er sich weder um den Freistellungsauftrag der Zinsen (so dass nach der ersten Abrechnung bereits Abgeaben für die Zinsen an den Staat geflossen ist), noch darum, dass beispielsweise die kostenpflichtige Kundenzeitschrift aus dem Antragsbogen herausgenommen wird.

Und so flattert sie ganz regelmäßig ins Haus. Mit kindgerechten Themen wie: Fassaden, Haustüren, Dämmung, Bad-Trends und nicht zu vergessen: dem Finanzierungs-Spezial!

Wer den Vertrag unterschreibt, wird auf solche Details nicht aufmerksam, denn diese Dinge sind so platziert, dass sie kaum gesehen werden. Gnz am Ende des Kleingedruckten.

Und so kam das BHW-Magazin "Wohnen" - trotz sofortiger persönlicher Beschwerde in der Erfurter Geschäftsstelle - noch immer doppelt in den gleichen Haushalt zu einem 5- und einem 7-jährigen Kind, nach wie vor adressiert an Herrn und Frau S.

Und das, obgleich der Objektleiter versprochen hatte, sich sofort darum zu kümmern. Sein Versprechen taugte nichts.

Das Geld dafür wird, plus der anfallenden Vermittlungsgebühren (teils mehrere Hundert Euro), vom Bausparguthaben der Kinder abgezogen.

Fast ein Euro pro Zeitschrift löhnen sie zusätzlich. So bleiben von den versprochenen drei - am Ende nicht mal zwei Prozent Zinsen.

Das war in diesem Fall in den ersten beiden Jahren weniger, als die Beraterprovision, die Zeitschrift und die nichterfolgte Freistellung wieder aufgefressen haben. Das bedeutet, dass sie nach zwei Jahren weniger hatten, als sie eingezahlt haben. Die BHW hatte dieses Geld aber an andere Kunden verliehen, die wiederum Zinsen bezahlt haben.

Die Kinder könnten sich das Geld wiederholen, hieß es vom Finanzamt, müssten dafür aber eine eigene Steuererklärung machen.

In einer Eigenwerbung auf der Internetseite der BHW heißt es aber:
"Aktive Kundenorientierung: Im Finanzdienstleistungssektor sind neben überzeugenden Produkten Freundlichkeit und Kundenorientierung in den Bearbeitungsprozessen die Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Auch in Zukunft werden wir weitere Optimierungsmöglichkeiten erarbeiten, um so die Service-Qualität in allen Bereichen der BHW Bausparkasse kontinuierlich zu verbessern."

Na - da hätte ich doch gleich mal einen Vorschlag!


PS: Die Online-Ausgabe des Kredit-Magazins bemängelte schon im Januar 2010 diese Praxis, passiert ist bislang nichts. Der vollständige Artikel findet sich hier.

Auch die Stiftung Warentest redet von Abos durch die Hintertür.:

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5 Kommentare
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Thomas Twarog aus Erfurt | 21.05.2011 | 11:54  
Axel Heyder aus Erfurt | 23.05.2011 | 11:16  
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Andreas Stricker aus Erfurt | 28.05.2011 | 23:43  
Axel Heyder aus Erfurt | 02.06.2011 | 13:01  
Axel Heyder aus Erfurt | 19.03.2013 | 22:41  
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