„Kein Geld für Handwerker“ - Große Resonanz auf Schwarzarbeiter-Diskussion – Jobexperte Matthias S. Freund nimmt Stellung zu den Briefen der AA-Leser

Erfurt: Freund HRC | Die Resonanz auf meinen letzten Artikel zum Thema Schwarzarbeit war sehr groß. Für Ihre ehrlichen Meinungen danke ich Ihnen sehr.

H.-J. M.: „Ein deutscher Schreiner muss fünf Stunden arbeiten, um eine Schlosserstunde bezahlen zu können. Wir arbeiten ein halbes Jahr nur für den Staat."
Natürlich müssen wir uns gegen Verschwendung wehren. Wir müssen uns aber auch entscheiden: Eine geringe Abgabenlast bedeutet eine hohe finanzielle Selbstverantwortung der Menschen. Wer hingegen den fürsorgerischen Staat herbeisehnt, befürwortet sehr hohe Unterschiede zwischen Brutto und Netto. Beides zugleich geht nicht.

Matthias K.: „Viele Leute können sich gar keinen Handwerker leisten."
Die Handwerksbetriebe können für die Misere nichts. Ihre Preise sind in der hohen Abgabenlast begründet. In einer Handwerkerstunde, die in der Rechnung 45 Euro kostet, macht der Stundenlohn des Gesellen etwa 13 Euro aus. Der Rest löst sich in Sozialabgaben und betrieblich notwendigen Gemeinkosten auf. Über 7 Euro kassiert der Staat durch Mehrwertsteuer. Dem Unternehmer bleibt nur ein Gewinn von circa 1 Euro.

Uwe H.: „Ich wünsche mir mehr Möglichkeiten, sich aktiv an Firmen zu beteiligen. Wir müssen in Zukunft bereit sein, unseren Arbeitsplatz selbst mit aufzubauen und zu finanzieren."
Solch ein Genossenschaftsprinzip ist in der Tat ein sehr interessanter Ansatz für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Wenn Arbeitnehmer gleichzeitig Eigentümer sind, entsteht ein ökonomisches Bewusstsein. Eine Genossenschaft eignet sich, um Arbeitsplätze zu schaffen, die sehr arbeitsintensiv sind und viele Menschen benötigen. Das sind der Dienstleistungssektor in all seinen Facetten und Jobs im Umweltschutz.



Hintergrund

• Gibt der Schüler Nachhilfeunterricht, darf er seinen Lohn behalten. Anders dagegen ein Lehrer, der sich mit regelmäßigem Einzelunterricht für Schüler ein Nebeneinkommen verschafft. Seine Arbeit ist in diesem Fall nachhaltig auf Gewinnerzielung ausgerichtet und muss versteuert werden.

• Wenn Sie Ihrem Nachbarn umsonst das Bad fliesen und er Ihnen dafür das Wohnzimmer malert, ist das erlaubte Nachbarschaftshilfe.

• Repariert ein Nachbar, ein Kfz-Schlosser, Ihr Auto, dürfen Sie ihm dafür eine Flasche Wein schenken. Stellt er seine Arbeit gegen Bezahlung jeden Samstag allen zur Verfügung, ist das hingegen Schwarzarbeit.
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